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Ortsbesichtigung : Guter alter Bahnhof Zoo

  • -Aktualisiert am

Abfahrt Bahnhof Zoo Bild: picture-alliance / dpa

Hier sind wir alle angekommen: Am Bahnhof Zoo, offiziell „Zoologischer Garten“. Eine Besichtigung des Ortes, der Berlin in all seiner Pracht zeigt, mit allem Dreck, Elend, Krach und Wonne.

          Hier sind wir alle angekommen. Am Bahnhof Zoo, offiziell „Zoologischer Garten“. Daß der älteste Zoo Deutschlands wirklich gleich gegenüberliegt, erschließt sich allerdings nicht, denn dessen Eingang versteckt sich auf der anderen Seite des Bahnhofsvorplatzes, welcher ein großer Parkplatz samt Busbahnhof ist und trotzdem einen stolzen Namen trägt: Hardenbergplatz.

          Auch heute kommt man am Bahnhof Zoo an, kann allerdings auch bis zum Ostbahnhof weiterfahren. Das soll sich demnächst ändern. Die Bahn, neben der Telekom die bestgehaßte Institution des Landes, möchte sich der ihr entgegengebrachten Abneigung nämlich auch in Zukunft würdig erweisen und will darum, sobald der Lehrter Bahnhof, der dann Hauptbahnhof heißen soll, eröffnet sein wird, die Züge nicht mehr am Zoo halten lassen.

          Im Tunnel unter der Glashalle

          Am ausführlich renovierten Ostbahnhof übrigens auch nicht. Nicht einmal in der, wie man dachte, just zu diesem Zweck errichteten riesigen Glashalle des Lehrter Bahnhofs, sondern im Tunnel darunter. Man soll also, sobald die Stadtgrenze überquert ist, in den Tunnel eintauchen und bei der Ankunft in Berlin von der Stadt gar nichts sehen, vielmehr von unten hervorkriechen und dann in das Niemandsland treten, welches die Umgebung des Lehrter Bahnhofs, auch wenn er bald Hauptbahnhof heißt, nun einmal ist. Nicht, daß am Ende noch ein Fremder Berlin für etwas anderes als Brache hält.

          Hinter der Gedächtniskirche fährt der ICE: das West-Berliner Zentrum
          Hinter der Gedächtniskirche fährt der ICE: das West-Berliner Zentrum : Bild: picture-alliance / dpa

          Der Bahnhof Zoo wird dann nur noch für den innerstädtischen Verkehr gebraucht werden. Dabei liegt er mitten in der Stadt, ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln vorbildlich zu erreichen und zeigt Berlin in all seiner Pracht, also mit allem Dreck, Elend, Krach und Wonne.

          Als die Mauer noch stand, war der Bahnhof Zoo das Eingangstor nach West-Berlin für alle, die sich weniger für exotische Tiere interessierten als für andersartige Menschen. Darum kam man ja nach Berlin - weil man sich total anders fühlte und entsprechend leben wollte, was in Westdeutschland nicht so leicht möglich schien. Daß der Bahnhof Zoo ursprünglich gar kein zentraler Bahnhof, sondern diese Funktion der Teilung der Stadt geschuldet war, wußte man bei der Ankunft nicht, als hier die Endstation der „Fernbahn“ war (so heißt in Berlin die Eisenbahn). Vielleicht wunderte man sich ein bißchen darüber, daß der Bahnhof Zoo mit seinen vier Gleisen an zwei Bahnsteigen so klein war, aber nicht allzusehr; in Berlin war eben alles anders. Man wußte nur, daß man angekommen war. Und hielt sich sowieso nicht lange am Bahnhof Zoo auf, sondern fuhr gleich weiter mit einer der zwei U-Bahn-Linien, die sich unter dem Bahnhof kreuzen.

          Klein und verlottert

          So klein und verlottert und trotzdem der zentrale Bahnhof - damit war der Bahnhof Zoo wie die ganze Stadt Berlin, die die Vorteile der Großstadt mit denen des Dorfes verband. Nachdem die Zeit der Großbaustellen nun vorüber ist und die wichtigsten Orte der vorher jeweils unzugänglichen Stadthälfte erkundet sind, tut sie das eigentlich wieder. Vielleicht tut sie das einfach immer.

          Damals wurde der Bahnhof Zoo von der Reichsbahn verwaltet, unterstand also einer DDR-Behörde. Die West-Berliner, die bei der Reichsbahn arbeiteten, waren gerne Mitglied der SEW, des West-Berliner Ablegers der SED, und fast alle waren im FDGB. Die eingesessenen West-Berliner alias Frontstadtbewohner glaubten derweil, daß der Bahnhof so schmuddelig sei, weil die DDR damit der Welt zeigen wollte, wie sie sich den Kapitalismus vorstellte.

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