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Opernstreit am Rhein Großknollendorf

 ·  In Köln trudelt die Oper in Richtung Bedeutungslosigkeit, Sparzwänge in Duisburg drücken den Stolz. Konkurriert wird trotzdem, doch die kulturellen Ansprüche sinken täglich.

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Kürzlich gab sich der Leiter eines Duisburger Kulturinstituts erleichtert: „Ich bin ja nur froh, dass sich die Kölner noch dämlicher anstellen als wir.“ Gut geseufzt, Hase! Denn so kann man es natürlich auch sehen: Während die Domstadt, nachdem sie den erfolgreichen Intendanten fristlos gefeuert hat, gerade dabei ist, ihre Oper, die drei Jahre lang ohne festes Haus auskommen muss, in die künstlerische Bedeutungslosigkeit trudeln zu lassen, ist in Duisburg die Theaterehe mit Düsseldorf, vorerst zumindest, gerettet. So weit ist es schon: Dass die Kommunen, gerade die im Ballungsraum, nicht mehr um das aufregendste Musiktheater, den mitreißendsten Tanz, das spannendste Schauspiel, das prononcierteste Ausstellungsprogramm konkurrieren, sondern schon zufrieden sind, wenn sie nicht ganz so schlecht dastehen wie einer ihrer Nachbarn.

Theater ohne Ballett

Die Sparzwänge drücken auch den Stolz, auch die Maßstäbe. Duisburgs Stadtväter waren noch gar nicht darauf gekommen, dass sie auf das Ballett von Martin Schläpfer und damit auf das Beste, was die Deutsche Oper am Rhein so zu bieten hat, verzichten und so eine Million Euro einsparen können (F.A.Z. vom 3.Juli), da war in Mönchengladbach, das sein Drei-Sparten-Theater gemeinsam mit Krefeld betreibt, der FDP-Fraktionsvorsitzende bereits vorgeprescht. „Eine Sparte schließen“, so der Kern seiner Haushaltsrede. Denn: „Ich persönlich kann mir das Theater auch ohne Ballett vorstellen.“ Betretenes Schweigen im Ratssaal. Fremdschämen? Vielleicht auch. Doch der gegenteilige Effekt ist stärker. Viele Kommunalpolitiker springen, unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit, auf und sagen sich: Wenn Mönchengladbach und Duisburg das können, dann können wir das hier in Großknollendorf doch auch. Der Wettbewerb zwischen den Städten verkehrt sich in seine Karikatur: Einer versteckt sich hinter dem anderen, und die Ansprüche sinken so tief, dass das jahrzehntelang aufgebaute Kunstvermögen, dass gewachsene Ensembles, bewährte Strukturen und historische Kontinuitäten für entbehrlich und leider (oder gar nicht mal leider) für nicht mehr bezahlbar erklärt werden.

Diese negative Dynamik gewinnt an Fahrt und wird über kurz oder lang die eine Stadt so langweilig aussehen lassen wie die nächste. Ob sich dann jemand, womöglich sogar einer aus der FDP, wieder etwas anderes wird vorstellen können? Auch wenn es gar keine Vorstellungen mehr gibt?

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Jahrgang 1952, Feuilletonkorrespondent in Köln.

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