26.06.2003 · Der Berliner Kultursenator Thomas Flierl (PDS) will 33 Millionen Euro Opern-Subventionen sparen. Der Bund soll in die Bresche springen. Flierl droht, andernfalls die Staatsoper unter den Linden zu schließen.
Der Berliner Kultursenator Thomas Flierl (PDS) will 33 Millionen Euro Opern-Subventionen sparen. Der Bund soll in die Bresche springen. Flierl droht, andernfalls die Staatsoper unter den Linden zu schließen.
Vorwand für die angedrohte Schließung ist der nicht gedeckte Sanierungsbedarf, den Flierl in einer Rede vor dem Kulturforum der SPD auf hundert Millionen Euro beziffert. Die Nachrichtenagentur dpa beruft sich auf das Manuskript der Rede.
Das Bundeskabinett, so Flierl, werde in seinem nächsten Haushaltsentwurf auch darüber entscheiden, wie viele Opernhäuser es künftig noch in der Hauptstadt geben wird. Das Bundeskabinett berät am kommenden Wochenende auf einer Haushaltsklausur auf Schloss Neuhardenberg bei Berlin.
Sollten die zwischen ihm und Kulturstaatsministerin Christina Weiss (parteilos) verabredeten Bundeshilfen nicht zu realisieren sein, werde der Spielbetrieb an der Staatsoper Unter den Linden „vorübergehend aufgegeben“, kündigte Flierl an. Im schlimmsten Fall, wenn der Bund überhaupt keine Hilfe leisten könne, würden Staatsoper und Deutsche Oper fusioniert und die Zuschüsse von 83 Millionen Euro um 33 Millionen Euro auf etwa 50 Millionen Euro reduziert werden.
Das käme der Schließung eines der Opernhäuser der Hauptstadt gleich. Eine Alternative wäre die Übernahme der Staatsoper durch den Bund oder eine Beteiligung des Bundes an der geplanten Opernstiftung in Berlin, zu der alle drei Opernhäuser als selbstständige Einrichtungen gehören sollen.
Flierl erwartet die Hilfe des Bundes auch für die angestrebte Opernstrukturreform mit der Bildung von GmbHs und einem Stellenpool zum sozial verträglichen Personalabbau. Insgesamt will er mehr als zweihundert Stellen im Opernbereich und hundert Stellen im Theaterbereich streichen.
Der Kultursenator kritisierte das bisherige Engagement des Bundes in der Hauptstadt als Stückwerk und forderte erneut eine stärkere Wahrnehmung gesamtstaatlicher Verantwortung für das Kulturerbe aus preußischer und deutsch-deutscher Zeit. „Die jahrzehntelangen Reden zur kulturellen Einheit der Nation und zur besonderen Rolle Berlins - die Versprechen stehen jetzt, nach der deutschen Einheit und nach der erneuten Hauptstadtwerdung Berlins, auf dem Prüfstand.“