02.07.2004 · Laut Medienberichten gibt Regisseur Christoph Schlingensief möglicherweise seine Regiearbeit an der Neuinszenierung von Richard Wagners Oper „Parsifal“ bei den Bayreuther Festspielen wieder ab.
Regisseur Christoph Schlingensief gibt möglicherweise wenige Wochen vor der Premiere seine Regiearbeit an der Neuinszenierung von Richard Wagners Oper „Parsifal“ bei den Bayreuther Festspielen wieder ab. Hintergrund sind nach Informationen der Deutschen Presse Agentur erhebliche Meinungsverschiedenheiten zwischen Schlingensief und der Festspielleitung.
Der Streit ist soweit eskaliert, daß Anwälte eingeschaltet wurden. Schlingensief werde Bayreuth noch vor der Premiere am 25. Juli, mit der die Festspiele eröffnet werden sollen, verlassen, wenn es nicht zu einer Einigung zwischen allen Beteiligten komme, hieß es.
Im Vorfeld der Festspiele hatte der 43 Jahre alte Regisseur, der seit Jahren an Frank Castorfs Volksbühne in Berlin arbeitet und zuletzt unter anderem in Wien und Zürich inszenierte, betont, daß er keine „platte Provokation“ am Grünen Hügel in Bayreuth beabsichtige. Im Juni sagte er bei einer Werkschau im Internationalen Kulturzentrum von Bayreuth, er strebe beim „Parsifal“ keine Revolution der Wagner-Interpretation an. Er sei bemüht, daß zwischen ihm, den Solisten, dem Chor und dem Orchester ein organischer Körper entstehe. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Pierre Boulez.
Die Bayreuther Festspiele waren erst Anfang Juni von der Absage des dänischen Regisseurs Lars von Trier überrascht worden. Er hatte seinen Inszenierungsauftrag für den nächsten „Ring des Nibelungen“ in Bayreuth 2006 wieder zurückgegeben. Dänischen Zeitungen zufolge hatte es inhaltliche Kontroversen über seine Konzeption am Grünen Hügel gegeben. Festspielleiter Wolfgang Wagner wies diese Darstellung als „völlig aus der Luft gegriffen“ zurück. Die Auflösung des Vertrages mit von Trier sei in gegenseitigem Einvernehmen erfolgt, sagte der 84jährige Enkel Richard Wagners.