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Open-Access-Foren Gratislesen

26.03.2009 ·  Open Access sei keine Kostenloskultur und beschneide keine Urheberrechte, sagt die „Allianz der Wissenschaftsorganisationen“ und reagiert so auf den Heidelberger Appell. Diese Foren seien sogar von Vorteil, da die Autoren dadurch öfter zitiert und schneller veröffentlicht würden.

Von Joachim Müller-Jung
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Die organisierte Spitze der deutschen Forschung, die „Allianz der Wissenschaftsorganisationen“, hat sich in einer Antwort auf den von Schriftstellern, Verlegern und Forscherkollegen initiierten „Heidelberger Appell“ massiv gegen die „unakzeptable Unterstellung“ verwahrt, mit der Förderung eines freien elektronischen Zugangs zu Artikeln die Publikationsfreiheit beschneiden zu wollen. „Open access“, der freie Zugang zu Publikationen, werde ausschließlich von Forschungsergebnissen gefordert, die aus Steuermitteln finanziert und „damit zum Nutzen der Forschung und Gesellschaft insgesamt erarbeitet wurden“.

In diesem Halbsatz steckt die moralische Begründung, wieso sich zumindest in vielen kostenträchtigen Sparten der Naturwissenschaften und der Medizin seit acht Jahren tatsächlich so etwas wie ein Imperativ der Transparenz ausbreitet. Dabei ist Open Access zunächst weder eine Google- noch eine Kostenloskultur. Im Gegenteil. Der Autor, der seine Ergebnisse zunächst sorgfältig begutachtet haben will – was für seine Karriereplanung absolute Priorität hat –, muss für die Internetpublikation je einige bis viele tausend Dollar an das Journal überweisen. Die belasten das Budget des Instituts, nicht aber jenes der Leser. Die heimliche Hoffnung ist natürlich, auf diesem Wege des freien Publizierens erstens öfter zitiert zu werden (Karriereplanung) und zweitens schneller veröffentlicht zu werden.

Keine Verletzung des Urheberrechts

Tatsächlich haben sich mit der gewaltigen Steigerung des Forschungsdurchsatzes weltweit bei gleichzeitig begrenzten Ressourcen der hochwertigen Verlage enorme Engpässe ergeben. Die Open-Access-Foren gelten da als willkommene Zusatzoption. Zumal die klassischen Hefte mit Einzelabopreisen von zwanzigtausend Euro oder mehr vielen Bibliotheken zu teuer sind.

Auf mehr als dreitausend frei zugänglicher Publikationsforen ist der neue Wissensmarkt inzwischen gewachsen. Von den jährlich gut 1,3 Millionen Wissenschaftsartikeln, so haben finnische Experten jüngst ermittelt, wurden gut acht Prozent – Stand 2006 – sofort oder mit zeitlicher Verzögerung vom Herausgeber frei ins Netz gestellt. Weitere elf Prozent waren auf persönlichen Homepages der Forscher oder in elektronischen Datenbanken der Institutionen im Volltext einsehbar. Ein Fünftel also des Forschungsoutputs ist schon jetzt unbegrenzt verfügbar. Und kaum einer in der Szene, die Fachverlage eingeschlossen, die längst mit neuen Geschäftsmodellen wie Springers „Open Choice“-Modell nach Antworten suchen, zweifeln an der weiteren Ausbreitung. Über eine Freiheitsberaubung jedenfalls, was die Publikationsmöglichkeiten angeht, hat niemand geklagt.

Die energische Reaktion, die in der gemeinsamen Erklärung von Deutscher Akademie Leopoldina, Max-Planck-Gesellschaft, Deutscher Forschungsgemeinschaft, Helmholtz-Gemeinschaft und der sechs anderen Großorganisationen zum Ausdruck kommt, dürfte deshalb vor allem den „Vorwurf der Enteignung des Urhebers“ betreffen. Er ist vor allem Gegenstand des Heidelberger Appells. Von einer Verletzung des Urheberrechts mit Open Access könne hingegen gar keine Rede sein, meint die Allianz, denn der Autor behält seine je national festgelegten eigenen Urheberrechte auf Wort und Bild. Im Unterschied, wäre hinzuzufügen, zu den Verhältnissen in den traditionellen kommerziellen Verwertungsketten.

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Jahrgang 1964, Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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