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Online-Check Kunst ist, wenn alles klasse ist

 ·  Immer mehr Netzportale eröffnen den aktuellen Zugang zur Kunstszene. FAZ.NET will einige Auftritte unter die Lupe nehmen. Hier: art-in.de

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Eigentlich hat es die Kunst nie so eilig, dass man ihr im Netz unmittelbar Öffentlichkeit verschaffen muss. Wer aber möglichst schnell informiert sein oder sich einen Überblick über laufende Ausstellungen verschaffen will, dem eröffnen sich online mehr und mehr Kunstportale zur einfachen Orientierung.

Sie bieten Zugang zu Museen, Künstlern, Stiftungen, Kunstvereinen, Messen, Galerien, Akademien und Auktionshäusern. Meist im deutschsprachigen Raum und ohne besonders kritischen Filter. Gut gepflegte Seiten bilden den Bereich vom Kleinprojekt bis zur Großauktion generös ab.

Schick und gut gepflegt

So ein breit gefächertes Angebot bietet etwa art-in.de. Seit drei Jahren wird die Website in Berlin und bisher vor allem für Berlin gepflegt. Ein sechsköpfiges Team zeichnet unter Christoph Thomessen und Carola Hartlieb verantwortlich. Ort des Geschehens ist die Kunstagentur Thomessen in der Berliner Admiralitätsstraße.

Eine Kunstagentur? Das macht neugierig. Den Service, den diese Agentur auf ihrer eigenen, nicht mit art-in.de verlinkten Seite anbietet, besteht darin, Unternehmen, Sammlern und Kunstinteressierten ausgewählte Werke zeitgenössischer Kunst zum Kauf anzubieten. Großzügig werden Bilder, Plastiken und Installationen probeweise gehängt und hin und her transportiert, bis etwas gefällt. Das Angebot konzentriert sich auf 19 Künstlernamen, allesamt nicht sehr bekannt, aber als Absolventen einschlägiger Akademien immerhin keine Amateure.

Alles Kunstwerbung

Kunstagentur und Kunstportal treten in Personalunion, im Netz aber getrennt auf. Wer nun meint, „art-in.de“ sei ein unabhängiges Magazin für kritische Geister, der irrt. „art-in.de“ tut genau das, was man im schlimmsten Fall vom Netz erwartet. „art-in.de“ macht Werbung. Und damit hat die Seite von vornherein alle Profis als Leser verloren; jene gehen ohnehin nur mit spitzen Fingern ins Netz. Hier finden sie auf einer Seite alle ihre Vorurteile bestätigt: Das Netz ist Information und Werbung, mehr nicht.

Gestaltet ist „art-in.de“ übersichtlich und angenehm dezent: Eine horizontale Navigation am Seiten-Kopf bietet die Wahl zwischen Museen, Stiftungen, Messen etc. Darunter findet man drei senkrechte Spalten, die „Partner“, „Meldungen“ und „Hinweise“ überschrieben sind. Partner ist vor allem der Hatje Cantz Verlag, der mit seinen Katalogen von der Documenta11 über Shopping bis zu Tom Wood mit Klappentextfreundlichkeit sein halbes Sortiment vorstellen kann.

Alles Kunstinformation

In der Kategorie „Meldungen“ geht es ähnlich affirmativ weiter. Hier werden Pressetexte, die die Institutionen versenden, aufgearbeitet und mit den Kürzeln der Redakteure veröffentlicht. Meldungen sind Nachrichten. Mit kritischen Kommentaren, mit Kunstkritik gar, sollte man sie nicht verwechseln.

Ebenso wenig findet man in der Spalte „Hinweise“ etwas, was mit Meinung zu tun hat. Hier kann man vielmehr Fragen über Kunst an ein „Kompetenz-Center“ senden. Erfährt, welche Projekte von der Kulturstiftung der Länder als erstes gefördert werden, und kann einen Newsletter abonnieren.

Weiter am Fuß in der Spalte „Partner“ stößt der Leser auf die Sektion „Museum des Monats“. Im November ist das die Bundeskunsthalle in Bonn, die gerade ihr 10-jähriges Bestehen feiert. Im September war die Pinakothek der Moderne in München an der Reihe, die vor zwei Monaten gerade eröffnet wurde.

Kunst als Sahnehäubchen präsentiert

Alle Texte, auch jene, denen man unter den Kategorien „Stiftungen“, „Auktionshäuser“ oder „Galerien“ begegnet, sind Verlautbarungen der Institutionen selbst. Ärgerlicherweise sind sie durchweg undatiert, so dass man sich zeitlich zu wenig orientieren kann. Auch auf den Forenseiten wird nicht diskutiert, sondern nur annonciert. Über die affirmative Information geht die Seite nirgends hinaus. Der Leser lernt also nichts, er ermüdet vielmehr, oder reagiert vor dieser gebündelten, unkritischen Kunstanpreisung leicht aggressiv.

Äußerlich ist „art-in.de“ ordentlich gemacht. Man findet jede Menge brauchbarer Links zu Institutionen der Kunstwelt. Darunter auch Künstlerwebsites, die eine nach der anderen allerdings ziemlich katastrophale Qualität anbieten. Wer bei „art-in.de“ Meinung und Orientierung erwartet, sollte lieber auf andere, spannendere Websites ausweichen.

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