Home
http://www.faz.net/-gqz-wh2q
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

On Tour Jubelt in den höchsten Tönen: Alicia Keys in Frankfurt

01.10.2002 ·  Ihre „Songs In A Minor“ machten Alicia Keys im vergangenen Jahr zum neuen R'n'B-Star. Auf der Bühne verwandelt sich die Intimität ihrer Stücke in pure Energie.

Von Fridtjof Küchemann
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Auf der Bühne der Frankfurter Jahrhunderthalle hatte Alicia Keys, Sängerin, Pianistin und seit gut einem Jahr der Morgenstern am Firmament des New Soul, ihr Konzert unerschrocken mit jenem „Ba-da-da-damm“ aus Beethovens Fünfter eröffnet, die Phrase ins Wuchtig-Poppige verschoben und ihre elfköpfige Band in Gang gebracht. Hinter den Zuschauerrängen war es leer geworden, Fanartikelstand und Erfrischungstheken wirkten wie ausgestorben. Eine Kellnerin tanzte quer durch den Raum, balancierte dabei zwei Tabletts und sang gedankenverloren mit.

Nur wenige Takte hatte die 21-jährige Alicia Keys gebraucht, um die junge Dame vom Service zum Tanzen zu bringen, und ihr reicht das erste Stück, um auch den Saal voll in den Griff zu bekommen. Vor der Bühne schon jetzt Gedränge, aus dem während des Konzerts einige Erschöpfte, Überwältigte oder sonstwie Ramponierte hinausbegleitet werden. Die Menge johlt, winkt, tanzt. Auch Alicia Keys hält nichts auf ihrem Klavierhocker. Immer wieder springt sie auf, tanzt singend vier, fünf Schritte, leichtfüßig.

Tanzen und tänzeln

Das geht in Frankfurt besser als am Vorabend in Düsseldorf. Weil Alicia Keys - anders als in ihren Konzerten in Amerika - mit nur einer weiteren Tänzerin auftritt, wirbelt sie ungewohnt viel selbst über die Bühne, jedenfalls soweit die hochhackigen Schuhe das der Sängerin erlauben. Am Vorabend hatte eine Gesandtschaft des Stars nach der Mittagspause das einzige Geschäft für Tanzschuhe in Frankfurt gestürmt und war zur Verwunderung der Inhaberin in aller Eile mit drei Paaren wieder verschwunden.

Am Abend tanzt und tänzelt Alicia Keys über die Bühne, kehrt immer wieder zum Klavier zurück, springt vor das Publikum, singt, jubelt, schreit, lässt ihre Stimme in Soul-Kaskaden glänzen. Hoch energetische R'n'B-Nummern und Soul-Stücke jagen einander, bis ein schwarzer Vorhang vor die bestens eingespielte Band und das Background-Trio gezogen wird und sich der Soul-Star für den intimeren Mittelteil des Konzerts allein an den großen Flügel setzt. Dann geht die Party weiter.

Die Cover-Version eines alten Prince-Songs, ein seelenvoller Abstecher in „Light My Fire“ von den Doors, die Stücke des im Sommer 2001 erschienenen, mit vier Grammys gekrönten Debüt-Albums „Songs In A Minor“, Soloausflüge von Instrumentalisten und Backgroundsängern, zuletzt die Single-Erfolge „A Woman's Worth“ und „Fallin'“ - nach gut zwei Stunden fällt ein zweites Mal der Vorhang. Diesmal steht Alicia Keys auf Seiten ihrer Band. Das Licht im Saal geht an. Das Fest ist vorbei.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1972, Redakteur im Feuilleton.

Jüngste Beiträge

Ab in die eTonne

Von Ursula Scheer

Der „eTown-Index“ rechnet aus, in welcher Stadt Deutschlands es die meisten wirtschaftlichen Internetseiten gibt. Googles System dahinter ist ebenso durchschaubar wie verworren. Mehr