07.08.2004 · Das Zeusheiligtum von Olympia war die Stätte des wichtigsten Sportfestes der Antike: Hier wurden Karrieren begründet und Götter verehrt, und das alles vor einer Kulisse, die die jeweils wichtigsten Künstler ihrer Zeit mitgestaltet haben.
Von Michael SieblerEin Ölzweig war der einzige Lohn für den Sieg im antiken Olympia. Aber der war bares Geld wert - vergleichbar heutigen hochdotierten Werbeverträgen, die sich an olympische Erfolge oft anschließen. Wer bei den Spielen im Heiligen Hain des Zeus der Erste war, hatte im Grunde nicht nur für den Rest seines Lebens ausgesorgt, sondern dem verschaffte sein Sieg gleichsam Unsterblichkeit.
Die Heimatstädte der Athleten überhäuften ihre siegreichen Söhne mit mannigfachen Ehren und Steuerfreiheit. Aber auch Geldgeschenke waren an der Tagesordnung. Und manchmal stifteten die Bürger ihrem Olympioniken eine bronzene Siegerstatue, die im Heiligen Hain von Olympia aufgestellt wurde. Die an der Basis angebrachte Inschrift kündete für alle Zeiten vom Ruhm des Siegers und seiner Heimatstadt. Und wer es sich leisten konnte, beauftragte auch noch einen berühmten Dichter, der ein Siegerlied komponierte, ein "Epinikion".
Bekannt sind vor allem die "Epinikia" Pindars (etwa 518 bis 446 vor Christus), in denen die Taten der Auftraggeber ebenso gepriesen werden wie deren Familie oder Heimatstadt; aber auch viele Hinweise auf Mythos und Geschichte der Olympischen Spiele hat der Dichter kunstvoll in seine Verse eingeflochten. Für die Griechen stand außer Zweifel: Der Zenit einer Sportlerkarriere war die Erringung des Olivenzweigs in Olympia.
© Deutsches Archäologisches Institut Athen
1 DER ZEUSTEMPEL war der imposante Mittelpunkt der Altis, wie der heilige Hain von Olympia hieß. Auf seiner rund 28 mal 64 Meter messenden Grundfläche standen mehr als zehn Meter hohe Säulen. Etwa zwanzig Meter ragte der größte dorische Tempel des Peloponnes an den Giebelseiten in die Höhe. Im Ostgiebel war neben Zeus in der Mitte die Vorbereitung zum mythischen Wagenrennen zwischen Oinomaos und Pelops dargestellt, die gegenüberliegende Seite zeigte den Kampf zwischen Lapithen und Kentauren, dominiert von Apollon in der Mitte. Auf den zwölf Metopen waren die Taten des Herakles zu sehen, der wie Pelops zu den mythischen Gründern des Heiligtums und der Spiele zählte. Im Innern des um 457 vor Christus fertiggestellten Tempels war eines der sieben Weltwunder zu bestaunen: das Goldelfenbeinbildnis von Phidias. Der zwölf Meter große Göttervater saß auf dem Thron, in der Rechten eine Nike haltend, in der Linken ein von einem Adler bekröntes Zepter.