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Ohio Das Gefängnis im Wohnviertel

 ·  Nach der Befreiung der drei totgeglaubten jungen Frauen in Cleveland ist der Besitzer des Hauses der Vergewaltigung und Freiheitsberaubung beschuldigt worden. Es gibt Indizien dafür, dass er mindestens eines der Opfer kannte.

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© REUTERS Vergrößern Ein Mitarbeiter der amerikanischen Ermittlungsbehörde FBI auf einem Nachbargrundstück des mutmaßlichen Geiselnehmers in Cleveland (Ohio)

Amanda Berry und Gina DeJesus, zwei der drei jungen Frauen, deren ein Jahrzehnt lang dauernde Gefangenschaft in einem Wohnhaus in Cleveland (Ohio) am Montagabend endete, kehrten am Mittwochmorgen zu ihren Familien zurück. Ihre Leidensgenossin Michele Knight wird weiter im Krankenhaus untersucht. Augenzeugen hatten bei den drei totgeglaubten Frauen Symptome von Unterernährung beschrieben. Amanda Berrys Schwester richtete an die Medien die Bitte, die Privatsphäre der Familie zu respektieren.

Die Entführten hatten sich befreien können, weil ein Nachbar, Charles Ramsey, auf die Hilferufe Amanda Berrys reagierte. Mit Hilfe eines zweiten Nachbarn trat Ramsey die Haustür ein, hinter der Amanda Berry und ihre sechs Jahre alte Tochter standen. Nachdem Amanda Berry und Ramsey die Notrufnummer 911 angerufen hatten, erschien die Polizei binnen zwei Minuten. Die Polizisten durchsuchten zunächst den Keller und fanden dann im Obergeschoss Gina DeJesus und Michele Knight, die sich den Beamten in die Arme warfen. Der Besitzer des Hauses war abwesend. Er hatte sich den Rasenmäher eines Nachbarn geliehen, um den Rasen seiner Mutter zu mähen.

Amanda Berry wurde seit dem 21. April 2003 vermisst. Sie war damals sechzehn Jahre alt. Michele Knight verschwand 2002 im Alter von zwanzig Jahren, Gina DeJesus war vierzehn, als sie am 2. April 2004 von der Schule nicht nach Hause kam. Der Hausbesitzer, der zweiundfünfzigjährige Ariel Castro, und seine Brüder Onil und Pedro Castro wurden verhaftet. Ariel Castro ist am Mittwoch förmlich der Vergewaltigung und Freiheitsberaubung beschuldigt worden. Er hat bereits umfassend ausgesagt. Der Verdacht gegen seine beiden Brüder hat sich dagegen zerstreut. Michael McGrath, der Polizeichef von Cleveland, bestätigte im Fernsehen, dass in Castros Haus Ketten und Fesseln gefunden worden sind. Den Begriff der Folter wollte McGrath aus Respekt vor den Opfern nicht verwenden.

Nachdem die drei Entführten in den ersten Jahren im Keller angekettet gewesen waren, gestattete ihr Peiniger ihnen später, sich im Obergeschoss aufzuhalten. Lebensmittel reichte er ihnen durch Löcher in den verschlossenen Türen. Michele Knight war mehrfach schwanger. Alle ihre Schwangerschaften endeten in Fehlgeburten, die Castro durch Prügel herbeiführte. Amanda Berry brachte ihr Kind nach Angaben aus Polizeikreisen in einem kleinen aufblasbaren Swimmingpool zur Welt. Michele Knight wirkte als Hebamme und wurde von Castro mit dem Tod bedroht für den Fall, dass dem Baby etwas passieren sollte. Das Mädchen soll Castro, der sich einem Vaterschaftstest wird unterziehen müssen, gelegentlich in die Außenwelt mitgenommen haben. Die drei jungen Frauen dagegen verließen das Haus in ihrer gesamten Gefangenschaft nur zweimal, als Castro sie in eine nahegelegene Garage verbrachte. Jede von ihnen erhielt einmal im Jahr zur Feier des Tages ihrer Entführung einen Kuchen.

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