In Samuel Butlers Roman „Erewhon“ von 1872 ist der Unterschied zwischen Banken und Kirchen hinfällig geworden. Alle Handelstransaktionen werden von Musik begleitet, jede Bank gibt, wie Kirchen, ihre eigene Währung aus, mit der man bei keiner andere Banken etwas anfangen kann, in jeder Bank redet man schlecht über alle anderen, obwohl man das eigene Geld selbst nie verwendet, und die Banken sind auch genau so leer wie die Kirchen. In der - vom Helikopterrauschen abgesehen - andächtigen Stille im Frankfurter freigeräumten Bankenviertel, durch das keine Busse mehr fuhren und keine Studenten mehr liefen, lag dieser Tage derselbe Vergleich nahe. Occupy hatte einen Kirchentag beantragt, war aber abgewiesen worden. Was für die einen Fest des Miteinanderredens gewesen wäre, erschien den anderen als Spießrutenlaufen.
Diskutieren selber hat ja tatsächlich etwas Delegitimierendes. Wie bei Kirchentagen dominiert die Jugend sowie einige ältere Kirchenkritiker, die entweder von früheren Reformationen erzählen können oder eine Konversion hinter sich haben. Die Kirche wird ersucht, etwas an ihren Strukturen zu ändern, weist aber darauf hin, dass das nicht gehe, man sei nun einmal für die Religion da und die könne man ja schlecht den Laien überlassen. Die Laien widersprechen, sie seien schließlich die Kontoinhaber, aber das nützt ihnen nichts.
Denn sobald sie die riesigen Verluste beklagen, die von den Kirchen gemacht werden, weist die Kirche auf die riesigen Gewinne hin, die sie andernorts macht. Ihr lebt doch nur vom Staat, sagen die Kritiker. Aber der Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann, nämlich von uns, erwidern die Kritisierten. Die Moral der Moralisten trifft auf die moralische Indifferenz der Organisationen, das Gute in einer Hinsicht auf das Gute in anderer Hinsicht. Die Protestanten sind wortreich, die kontoführenden Anstalten beantragen, die Debatte auszusetzen, weil sie zurecht den Verdacht nicht los werden, dass sich die Differenzen nicht durch Gespräche auflösen lassen. Was eine Konfessionsspaltung wäre, sieht noch niemand ab. Die Kosten der Kirchentagsvermeidung trägt der Steuerzahler.