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Obamas Amtseinführung Rechtsausleger

21.01.2009 ·  Was mag es bedeuten, dass Obama bei der Amtseinführung so elegant mit links unterschrieb? Dass es ungleich mehr linkshändige amerikanische Präsidenten gab als deutsche Bundeskanzler? Einige Mutmaßungen.

Von Edo Reents
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Nun ist er also im Amt, und noch macht er alles mit links, auch das Schreiben. Das war schon bei seiner ersten Amtshandlung, der sogenannten signing ceremony, deutlich zu sehen: Er sitzt da, umstanden von Mitarbeitern, eine Dame legt ihm ein unterschriftsreifes Dokument vor, zwei aufgeschlagene, vermutlich in Leder eingebundene Seiten, der Präsident setzt, wie wir in Good Old Germany früher sagten, seinen Kaiser Wilhelm darunter, und zwar auf die rechte Seite, aber eben mit links. „Ich bin Linkshänder“, witzelte der vierundvierzigste Präsident ungezwungen, „das bin ich so gewohnt.“

In manchen Sportarten mag das ein Vorteil sein, weil der Gegner es ja meistens mit Rechtshändern zu tun hat und sich schlecht umstellen kann, beim Tischtennis etwa und beim Boxen natürlich, wo man allerdings nicht von Linkshändern spricht, sondern von Rechtsauslegern. Aber beim Schreiben ist das ungünstig, jedenfalls solange man von links nach rechts schreibt. Man muss den Schreibarm steif anwinkeln, die Hand am Gelenk stark krümmen und am besten Unterarm und Ellenbogen etwas über dem Papier schweben lassen, sonst verwischt man das Geschriebene sofort wieder. Und wie hätte das ausgesehen: Gleich das erste Dokument, das der neue Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika unterschreibt, ist verschmiert?

Links- und Rechtsausleger

Doch Obama machte das sehr elegant, die Mitarbeiter applaudierten sogar, und Obama sah in die Runde wie ein Lausbub, der weiß, dass er das von ihm Geforderte einfach kann. Die Mitarbeiterin nahm das Dokument wieder an sich und legte dem überhaupt noch nicht amtsmüden Präsidenten gleich noch eines vor, so gut klappte das. Also hat er jetzt schon Geschichte geschrieben - mit links! Was bedeutet es aber, dass er Linkshänder ist? Mit Mutmaßungen über Hirnhälftenbenutzung, Kreativität, Phantasie und Einfühlungsvermögen sollte man vorsichtig sein und sich nicht allzu viel davon versprechen. Ein mit links unterschriebenes Todesurteil ist ja genauso rechtskräftig wie ein mit rechts unterschriebenes, desgleichen natürlich eine Begnadigung. Ohnehin ist Obama gar keine Ausnahme: Von den sieben Präsidenten der vergangenen fünfunddreißig Jahre ist er der fünfte Linkshänder, und er wäre schon der sechste, wenn nicht Al Gore damals gegen Bush, den Jüngeren, der Rechtshänder ist, verloren hätte, denn Gore ist ebenfalls Linkshänder und John McCain auch.

Auch wenn Bush politisch ohne Zweifel ein Rechtsausleger war: Wenn er Boxer wäre, müsste man ihn als Linksausleger bezeichnen, während es bei Obama umgekehrt ist, der wäre, als Boxer, „ein verdammter Rechtsausleger“ (Rocky Balboa). Also fünf Präsidenten und zwei Präsidentschaftskandidaten in fünfunddreißig Jahren sind Linkshänder! Das ist ungleich mehr, als wir linkshändige Bundeskanzler hatten: nämlich in sechzig Jahren nicht einen einzigen. Schröder hat seine ruhige Hand beizeiten umgeschult. Aber das ist eine andere Geschichte.

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Jahrgang 1965, stellvertretender Leiter des Feuilleton.

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