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Veröffentlicht: 09.02.2015, 14:09 Uhr

Drohnen-Filme Dünne Luft, fette Bilder

Drohnen haben kein besonders gutes Image. Aber sie können auch anders: Mit der richtigen Kamera ausgerüstet liefern sie phantastische Videos. Beim ersten Drohnenfilm-Festival werden auch deutsche Beiträge gezeigt.

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© Florian Fischer / Behind the Mask Landschafts-Luftaufnahmen: Der fliegende Kameramann

Vieles hat sich die Filmbranche in den letzten Jahrzehnten einfallen lassen, um geschmeidige Kamerafahrten hinzubekommen. Steadycams wurden vor die Bäuche der Filmenden geschnallt, auf Loren gebaute Kameras über eigens aufgebaute Schienen gezogen und Kräne in schwindelerregende Höhen geschwenkt. Die Ergebnisse waren passabel, aber sie waren auch begrenzt. Das hat sich geändert. Wer sie technisch etwas aufrüstet, kann mit Drohnen erstaunliche Aufnahmen machen. Immer mehr ästhetisch beeindruckende Videos sind online zu sehen.

Le Mont St Michel en Drone / France TV Sport / Tour de France 2013. from FREEWAY PROD on Vimeo.

Julia Bähr Folgen:

In New York feiert die Szene am 7. März sogar ihr erstes Festival, bei dem in neun Kategorien von „Landschaft“ über „Architektur“ bis hin zu „Most Epic Dronie“ Sieger gekürt werden. „Ich habe es satt, dass Drohnen immer mit fragwürdiger Rechtslage und Regulierung durch die Luftfahrtbehörde in Verbindung gebracht werden“, sagt Initiator Randy Scott Slavin. „Ich möchte die Kunst der Luftaufnahme feiern.“ Deshalb hat der Regisseur und Landschaftsfotograf das New York City Drone Film Festival (NYCDFF) ins Leben gerufen.

Die dort gezeigten Filme dürfen maximal fünf Minuten lang sein und wurden mit Drohnen oder anderen unbemannten Flugobjekten aufgenommen. Auch ein deutsches Filmteam ist vertreten: Die drei Männer hinter dem Tauchblog „Behind the Mask“ hatten sieben Filme eingereicht. Vier davon wurden ins Festivalprogramm aufgenommen. „Dabei sind wir eigentlich eher ambitionierte Hobbyfilmer“, sagt Florian Fischer, der im Hauptberuf eine Firma für Webseiten-Programmierung in Stuttgart leitet. Nominiert ist unter anderem ihr „Dronie“, also ein Selfie mittels Drohne, namens „Floating“.

Floating from Florian Fischer on Vimeo.

Dass ausgerechnet ein Tauchblog mit Luftaufnahmen Erfolge feiert, wirkt ungewöhnlich. „Aber Tauchaufnahmen mit Musik zu unterlegen, war mir schon immer zu wenig“, sagt Fischer. „Wir wollen Geschichten erzählen – und man verbringt ja auch als Taucher viel Zeit über Wasser, oft in wunderschönen Gegenden.“ Deshalb schaffte das Team die ersten Drohnen an, als die vor zwei Jahren erschwinglich, leicht und klein genug für Flugreisen wurden. Etwa 1000 bis 2000 Euro kostet ein solches Gerät, wiegt anderthalb bis drei Kilogramm und misst 50 bis 60 Zentimeter im Durchmesser. Davon hat Fischer stets mehrere dabei, „weil doch öfter mal eine verschwindet“. Auf den Galapagos-Inseln weckte eine der Drohnen das Interesse eines rotfüßigen Tölpels und krachte auf die Wasseroberfläche.

Above & Below Galápagos - Trailer from Behind the Mask on Vimeo.

Um solche Aufnahmen zu erhalten, trägt Fischer eine Videobrille, in der er in niedriger Auflösung sieht, was die Drohne aktuell filmt. Dank der minimalen Verzögerung kann er sie auf diese Weise steuern. Bis zu 800 Meter weit kann Fischer die Drohne fliegen lassen. Mit technischer Bastelei wären bis zu drei Kilometer möglich, aber innerhalb Deutschlands sind ohnehin nur 300 Meter in Sichtweite erlaubt. „Ich habe früher immer vom Fliegen geträumt. Genau so fühlt es sich an, mit der Videobrille die Drohne fliegen zu lassen. Das Adrenalinlevel geht hoch, das macht ein bisschen süchtig“, sagt Fischer. Neben ihm sitzt meist ein Kollege mit Fernglas, der ihn warnt, wenn die Drohne gefährlich nah über der Wasseroberfläche fliegt. „Ganz ohne Risiko geht es aber nicht“, räumt Fischer ein. Am kniffligsten ist es, die Drohne wieder sanft zu landen, denn sie darf nur mit maximal zwei Metern pro Sekunde sinken. „Sonst gerät sie in ihren eigenen Sog und wird instabil“, erklärt Fischer. Die Batterie hält nur etwa zwölf Minuten und muss für einen längeren Flug voll aufgeladen sein, wenn am Ende kein Absturz drohen soll.

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Dass das Image der Drohnen derzeit nicht das beste ist, bekommt auch Fischer zu spüren. „Früher kamen die Leute interessiert her und haben sich für die Technik begeistert“, erzählt er. „Heute fragen sie: ‚Filmt ihr uns da etwa?‘“ Ohnehin arbeitet sein Team am liebsten im menschenleeren Gelände, wo keine Genehmigung nötig ist: Weder kann jemand beim Absturz verletzt werden, noch droht eine Beschädigung parkender Autos. Tatsächlich sind beim NYCDFF sehr viele Filme zu sehen, in denen kaum bewohnte Gebiete vorkommen. Oder eben Menschen, die wochenlang auf ihren Auftritt hingearbeitet haben. Nominiert ist nämlich auch dieses Musikvideo der Band OK Go, die für ihre perfekt choreographierten und mit hohem Aufwand gefilmten Clips berühmt ist.

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