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NSA-Spionage am Frankfurter Netzknoten? : Der bequemere Weg zu den Datenströmen

Der Internetknoten in Frankfurt ist weitverzweigt. Beim Austausch der Datenströme gibt es mehrere Wege der Abzweigung. Etwa über die großen amerikanischen Netzanbieter. Bild: dpa

Zapft die NSA auch den weltgrößten Internetknoten in Frankfurt an? Innenminister Friedrich verneint das. Die Betreiber halten es für technisch unmöglich. Es gibt für die NSA aber einen einfacheren Weg.

          Über fünfhundert Millionen Metadaten spioniert der amerikanische Geheimdienst NSA nach den Dokumenten Edgar Snowdens täglich in Deutschland aus. Dass die NSA ihr Ohr auch an den weltgrößten Internetknoten De-Cix in Frankfurt am Main legt, legen geheime NSA-Unterlagen nahe, die der „Spiegel“ zitierte. Ob es stimmt, ist umstritten. Innenminister Hans-Peter Friedrich schloss es am Dienstag auf einer Konferenz zur Cybersicherheit kategorisch aus. Das Internetportal Golem meldete später, sein Ministeriumssprecher habe zu diesem Zeitpunkt nicht einmal eine Aussage darüber machen können, ob der Knoten zur kritischen, besonders geschützten Infrastruktur gehöre.

          Thomas Thiel

          Redakteur im Feuilleton.

          Die De-Cix selbst hatte den amerikanischen Lauschangriff schon vorher für rechtlich verboten und technisch unmöglich erklärt. Die Methoden, die für das unbemerkte Ablenken von Datenströmen in Frage kämen, seien entweder zu aufwändig oder zu auffällig. Eine Umlenkung der Daten durch ausländische Geheimdienste könne schon deshalb nicht unbemerkt vor sich gehen, so Klaus Landefeld, Vorstand Netze und Infrastruktur beim De-Cix-Betreiber Eco, weil der Datenverkehr dezentral über zwanzig Rechenzentren laufe. Der Internetknoten, an dem verschiedene Netzanbieter ihre Daten austauschen, ist ein weitverzweigtes Gebilde. Nicht alle Datenströme sind hier der De-Cix zuzurechnen.

          Seitenwege beim Austausch der Datenströme

          Womöglich gibt es für die NSA aber einen anderen, leichteren Weg, an die Daten zu gelangen: über amerikanische Netzanbieter, die an den Frankfurter Datenumschlagplatz angebunden sind. Mehr als die Hälfte der Datenströme im Umfeld des De-Cix werden von amerikanischen Unternehmen wie Cogent oder Level 3 betrieben. Die NSA, die über den Foreign Intelligence Surveillance Act die Daten der amerikanischen Unternehmen jederzeit einfordern kann, müsste für ihre Spähaktionen also nur eine Ebene weiter gehen. Nach deutschem Recht - hier gilt das Prinzip des Ursprungslands - wäre das zwar illegal. Nach amerikanischem Recht ist es aber erlaubt. Die Bundesanwaltschaft hat ein Beobachtungsverfahren eingeleitet.

          Die Anbieter würden die Informationen in diesem Fall beim Austausch der Datenströme an die NSA abzweigen. Klaus Landefeld hält das für ein wahrscheinliches und technisch leicht zu bewältigendes Szenario. Glasfaserkabel müssten dabei gar nicht erst angezapft werden. Landefeld schließt aber aus, dass innerhalb der eigenen Infrastruktur Datenströme  umgelenkt würden. Constanze Kurz, Sprecherin des Chaos Computer Clubs, hält das für eine glaubwürdige Aussage, betrachtet es aber anders als Landefeld nicht als wahrscheinlich, dass hier nur Metadaten, also generelle Informationen wie die Verbindungsdauer, an die NSA gelangen: „Da geht der gesamte Traffic rüber.“

          Welchen Zugang hat der BND?

          Immer wahrscheinlicher wird indessen, dass der Bundesnachrichtendienst den Internetknoten bei seinen Spähaktionen nutzt. Das G10-Gesetz zum Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnis verpflichtet jeden Telekommunikationsanbieter in Deutschland, Zugänge für deutsche Nachrichtendienste bereit zu halten. Hans de With, Vorsitzender der G10-Kommission, bezifferte das Volumen der Abhörtätigkeit auf rund fünf Prozent, die Obergrenze von zwanzig Prozent werde so gut wie nie erreicht.

          Diese Worte bringen wiederum die De-Cix in Probleme. Eine Stellungnahme zu der Frage, ob der Datenverkehr für die deutschen Geheimdienste auch am De-Cix abgezweigt wird, ist ihr durch das Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnis gesetzlich verboten. Zumindest das Dementi früherer Zeiten will man aber nicht wiederholen. Es ist nicht schwer, daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen.

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