Home
http://www.faz.net/-gqz-7bap2
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Sachbücher des Jahres

NSA-Abhöraffäre Die scheinheilige Schnüffelei

Was soll passieren, geht es nicht um Sicherheit? Im Fall der NSA ist es wie mit jedem Massenscreening: Potentieller Schaden ist nicht zu leugnen. Wer sind die falsch Positiven?

© REUTERS Vergrößern

Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten!“, sagt ein großer Präsident Obama. „Aye, aye, Sir“, ist die Antwort einer sehr viel kleineren, vor dem Präsidenten stehenden Bundeskanzlerin Merkel. So beschreibt eine Karikatur die Aufregung, die jetzt seit Wochen Politiker, Medien und Teile der Gesellschaft beschäftigt. Die Aussage Obamas klingt plausibel und ist doch grundfalsch. Die Botschaft steht sinnbildlich für die Verlogenheit in der gegenwärtigen Diskussion um die uneingeschränkte Datensammelwut fremder Geheimdienste.

Große Worte prägen die Diskussion über Verletzungen der Privatsphäre und des Grundgesetzes oder den Kompromiss zwischen Freiraum und größtmöglicher Sicherheit des Bürgers, der akzeptiert werden müsse. Damit bleibt das Ganze verborgen hinter dem Vorhang der Geheimhaltung, der für die Funktionsfähigkeit der Geheimdienste für notwendig gehalten wird. Das lähmt wohl auch die Kritiker und hält sie davon ab, neben den rechtlichen und politischen Aspekten die banalen Fragen zu stellen, die sich eigentlich aufdrängen: Wie groß ist eigentlich der Nutzen dieser milliardenschweren Anstrengungen, vor allem aber, wie groß ist der Schaden, der damit angerichtet wird? Dass dieser Schaden unvermeidlich ist, kann man in jeder Vorlesung für empirische Forschung lernen.

Mit jedem Verfahren, in dem nach etwas gesucht wird, findet man einen Teil dessen, wonach man sucht, aber fast nie alles, und unvermeidlich auch einen Teil von dem, wonach man nicht sucht. Diese Erfahrung macht jeder selbst, der unter den Ergebnissen einer Google-Suche begraben wird und sich durch diesen Berg hindurchquält, um die wenigen Treffer zu finden, die tatsächlich Antworten auf die entscheidende Frage liefern. Das Gleiche gilt für jede wissenschaftliche Untersuchung, etwa auch für die Früherkennungsmaßnahmen im Gesundheitswesen, mit denen Erkrankungen in einem frühen Stadium erkannt werden sollen, um bessere Heilungschancen zu haben.

Tatsächlich folgt systematisches Massenscreening von Gesunden den gleichen Gesetzen wie die Google-Suche oder das Ausspionieren von Unverdächtigen. Wie sich das beträchtliche Schadenspotential auswirkt, hängt natürlich davon ab, wie man mit den fälschlich identifizierten Personen umgeht. Wer einmal fälschlich als krebserkrankt eingestuft wurde oder das bei anderen miterlebt hat, braucht dafür keine weiteren Erklärungen. Aber auch ohne solche Erfahrungen dürfte jedem einleuchten, welch schädliche Auswirkungen auf das eigene Leben eine solche Fehldiagnose haben kann.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Folter bei der CIA Der Sieg der Terroristen

Wir sind genau solche Schweine geworden wie ihr: Glaubt wirklich wer, dass Folter den Gefolterten dazu bringt, die Wahrheit zu sagen? Über Berührungspunkte von islamistischem Terror und CIA. Mehr Von Nils Minkmar

13.12.2014, 19:28 Uhr | Feuilleton
NSA-Untersuchungsausschuss beklagt schwierige Aufklärung

Haben die amerikanischen Geheimdienste deutsche Bürger abgehört und die Informationen an deutsche Geheimdienste weitergegeben? Diese Frage versucht der NSA-Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages zu klären. Mehr

26.09.2014, 16:28 Uhr | Politik
E-Zigaretten Zum Aufhören reicht es selten

Kann man mit E-Zigaretten vom Tabakrauchen loskommen? Eine erste Metastudie zeigt den erhofften Nutzen, doch der Effekt ist gering - das Nikotinpflaster schneidet jedenfalls kaum schlechter ab. Mehr Von Nicola von Lutterotti

17.12.2014, 13:50 Uhr | Wissen
Hilfe für Schwangere Hausfrauen-Armee rettet tausende Babys in Nepal

In Nepal gibt es wenig Krankenhäuser, das ist vor allem für Schwangere ein Risiko. Um Infektionen zu vermeiden, verteilen Frauen als freiwillige Helfer ein spezielles Gel an die Schwangeren. Die Reise ist aber auch für die helfenden Frauen nicht gerade einfach. Mehr

09.12.2014, 10:35 Uhr | Gesellschaft
IOC: Claudia Bokel im Gespräch Ich werde versuchen, auf russische Athleten zuzugehen

Claudia Bokel ist Vorsitzende der IOC-Athletenkommission. Im F.A.Z.-Interview spricht sie über den Doping-Skandal in Russland, Trauer bei Olympia und ewige Verbandspräsidenten. Mehr

08.12.2014, 07:37 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 16.07.2013, 17:47 Uhr

German, please

Von Michael Hanfeld

Wird die Deutsche Welle bald ausschließlich auf Englisch senden? Alle schütteln den Kopf. Peter Limbourg gibt genügend Grund für viele Fragen - aber auch für eine Antwort: Die Deutsche Welle spricht die Sprache des Geldes. Mehr 2

Umfrage

Wie hat Ihnen die letzte „Wetten, dass..?“-Sendung gefallen?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.