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NSA-Abhöraffäre Die scheinheilige Schnüffelei

Was soll passieren, geht es nicht um Sicherheit? Im Fall der NSA ist es wie mit jedem Massenscreening: Potentieller Schaden ist nicht zu leugnen. Wer sind die falsch Positiven?

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Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten!“, sagt ein großer Präsident Obama. „Aye, aye, Sir“, ist die Antwort einer sehr viel kleineren, vor dem Präsidenten stehenden Bundeskanzlerin Merkel. So beschreibt eine Karikatur die Aufregung, die jetzt seit Wochen Politiker, Medien und Teile der Gesellschaft beschäftigt. Die Aussage Obamas klingt plausibel und ist doch grundfalsch. Die Botschaft steht sinnbildlich für die Verlogenheit in der gegenwärtigen Diskussion um die uneingeschränkte Datensammelwut fremder Geheimdienste.

Große Worte prägen die Diskussion über Verletzungen der Privatsphäre und des Grundgesetzes oder den Kompromiss zwischen Freiraum und größtmöglicher Sicherheit des Bürgers, der akzeptiert werden müsse. Damit bleibt das Ganze verborgen hinter dem Vorhang der Geheimhaltung, der für die Funktionsfähigkeit der Geheimdienste für notwendig gehalten wird. Das lähmt wohl auch die Kritiker und hält sie davon ab, neben den rechtlichen und politischen Aspekten die banalen Fragen zu stellen, die sich eigentlich aufdrängen: Wie groß ist eigentlich der Nutzen dieser milliardenschweren Anstrengungen, vor allem aber, wie groß ist der Schaden, der damit angerichtet wird? Dass dieser Schaden unvermeidlich ist, kann man in jeder Vorlesung für empirische Forschung lernen.

Mit jedem Verfahren, in dem nach etwas gesucht wird, findet man einen Teil dessen, wonach man sucht, aber fast nie alles, und unvermeidlich auch einen Teil von dem, wonach man nicht sucht. Diese Erfahrung macht jeder selbst, der unter den Ergebnissen einer Google-Suche begraben wird und sich durch diesen Berg hindurchquält, um die wenigen Treffer zu finden, die tatsächlich Antworten auf die entscheidende Frage liefern. Das Gleiche gilt für jede wissenschaftliche Untersuchung, etwa auch für die Früherkennungsmaßnahmen im Gesundheitswesen, mit denen Erkrankungen in einem frühen Stadium erkannt werden sollen, um bessere Heilungschancen zu haben.

Tatsächlich folgt systematisches Massenscreening von Gesunden den gleichen Gesetzen wie die Google-Suche oder das Ausspionieren von Unverdächtigen. Wie sich das beträchtliche Schadenspotential auswirkt, hängt natürlich davon ab, wie man mit den fälschlich identifizierten Personen umgeht. Wer einmal fälschlich als krebserkrankt eingestuft wurde oder das bei anderen miterlebt hat, braucht dafür keine weiteren Erklärungen. Aber auch ohne solche Erfahrungen dürfte jedem einleuchten, welch schädliche Auswirkungen auf das eigene Leben eine solche Fehldiagnose haben kann.

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Veröffentlicht: 16.07.2013, 17:47 Uhr

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