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Nouvelle Revue Française : Alle Seiten Frankreichs

Die erste Nummer der 1953 wieder erscheinenden „ Nouvelle Revue Française” Bild: Archive Éditions Gallimard

Seit hundert Jahren gibt es die „Nouvelle Revue Française“. Sie ist außergewöhnlich, wunderbar, skandalös - und gilt vielen bis heute als die wichtigste französische Literaturzeitschrift.

          Es gibt drei Gewalten in Frankreich: die Nationalbank, die Kommunistische Partei und die Nouvelle Revue Française.“ Diese vielzitierte Sentenz wird dem deutschen Botschafter im besetzten Frankreich Otto Abetz zugeschrieben. Ob sie 1940 tatsächlich so gefallen ist, lässt sich zwar nicht definitiv belegen, aber zur Sonderrolle, die der „Nouvelle Revue Française“ (NRF) von den mit kulturellen Angelegenheiten beschäftigten deutschen Besatzern eingeräumt wurde, passt sie vorzüglich.

          Helmut Mayer

          Redakteur im Feuilleton.

          Denn das hohe Prestige, das diese Zeitschrift in Frankreichs literarischer-intellektueller Szene genoss, wollten die Deutschen nutzen: Kaum hatte die NRF nach der Niederlage Frankreichs mit dem Juni-Heft 1940 ihr Erscheinen eingestellt, begannen Verhandlungen über ihr Wiedererscheinen. Bedingung der Besatzer war, dass jüdische Autoren ausgeschlossen würden und ein Chefredakteur bestallt würde, dem die Deutschen vertrauen konnten. Ein Propagandakurs war nicht verlangt, denn das hätte der Absicht gerade widersprochen, über das Renommee der Zeitschrift jenes der Besatzer und der deutsch-französischen Sache in einem von den Nationalsozialisten dominierten Europa aufzumöbeln. Eine unter deutscher Besatzung wieder erscheinende NRF sollte dagegen die intellektuelle Elite von der Normalität der Verhältnisse überzeugen.

          Der Verleger der NRF, Gaston Gallimard, war nach einigem Zögern schließlich bereit, auf den Handel einzugehen. Zumal er sich davon den Vorteil erhoffte, mit seinem Verlag, der Librairie Gallimard, weniger unter Druck zu kommen. Den neuen Chefredakteur hatte Abetz von Beginn an im Blick gehabt: Drieu la Rochelle. Von Dezember 1940 bis zum Juli 1943 hielt Drieu durch, zuletzt bereits mit dem klaren Bewusstsein, dass sein Projekt gescheitert war. Dann war die „kollaborationistische“ NRF am Ende, und im Untergrund gab das inzwischen gegründete „Comité National des Écrivains“ (CNE) die Losung aus, dass alles dafür getan werden müsse, diese Zeitschrift nie mehr wieder erscheinen zu lassen. Worin sich noch einmal ausdrückte, wie hoch ihre Reputation vor dem Krieg gewesen war.

          Eigenhändiger Entwurf Jean Paulhans für einen Prospekt der NRF

          Ein Zirkel um André Gide

          Begonnen hatte diese steile Karriere einige Jahre vor einem anderen, dem Ersten Weltkrieg. André Gide ist die zentrale Bezugsfigur für den kleinen Kreis, der die neue Zeitschrift 1909 auf den Weg bringt. Man weiß, was man hinter sich lassen möchte: den Symbolismus. Aber es ist kein ästhetisches Alternativprogramm im engeren Sinn, das man dafür in Stellung bringt: Wenn vor allem Roman und Theater als „objektive“ Formen angeführt werden, entspricht das vielmehr recht allgemeinen Maximen, die auf Umrissklarheit des literarischen Ausdrucks setzen. Moralisch ist der Unterton solcher Vorsätze, die freilich gerade dafür sorgen sollen, dass alle moralischen oder kunstfremden Parteinahmen außen vor bleiben und nur der literarische Rang zählt.

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