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Niklas Maak Der Volkstribun

25.07.2004 ·  Ja, es wäre schön, wenn Moore sauberer gearbeitet hätte, aber wer soll ein breites öffentliches Bewußtsein schaffen für die andere Seite der Bilder, wenn nicht der dantoneske Volkstribun Moore?

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Es gibt eine Szene in diesem Film, die einen amerikanischen Soldaten zeigt, der erzählt, was im Cockpit eines Panzers vor sich geht. Während die Panzer nach Bagdad einrücken, läuft im Cockpit die Punkrock-Hymne "The roof is on fire", Refrain "We don't need no water / let the motherfucker burn". Die Menschen vor dem Panzerrohr erscheinen nur noch als grüne Punkte im Sucher; die Soldaten tun, was sie vor dem Videospiel gelernt haben: Die Party des Tötens.

Mag sein, daß Moore allzu süßliche Bilder vom Irak vor dem Angriff der Amerikaner zeigt. So friedlich wie die gezeigten Kinder in Bagdad spielten die kleinen Kurden unter Saddam nicht in ihren Dörfern. Andererseits zeigt die Szene normale Menschen - jene Menschen, die, unterdröhnt vom Punkrock, im Cockpit der amerikanischen Panzer zu grünlichen Zielpunkten werden.

Daß Moore das Leid der Iraker nach den Angriffen zeigt, mag polemisch sein - es hält aber immerhin der technischen Entmenschlichung der Bilder, dem militärischen Nachtsichtbild, das von Rumsfeld für seine Präzision gerühmt wird, die Folgen dieser Präzision entgegen: Leichen, abgerissene Arme, amputierte Beine. Da hilft es nichts, wenn Moores Kritiker erklären, Krieg sei halt immer schlimm: Denn daß der Krieg gegen den Irak aufgrund falscher Voraussetzungen und mit anderen Zielen geführt wurde; daß, wenn man einen Schurken, der Chemie- und Nuklearwaffen baut, zur Strecke bringen wollte, man besser Nordkorea ins Visier genommen hätte, und auch das besser mit diplomatischen Mitteln: All das ist nicht der Phantasie von Moore entsprungen.

Ja, es wäre schön, wenn Moore sauberer gearbeitet hätte. Aber: die BBC war der einzige Fernsehsender, der auf die skandalös auf Bush zugeschnittenen verfassungswidrigen Wahlzulassungsbedingungen in Florida aufmerksam gemacht hat. Wer soll denjenigen, die in Ohio und Florida sitzen und kein BBC sehen können, in einem Land, in dem die öffentlichen Bilder von der Regierung manipuliert werden (keine Bilder der Särge gefallener US-Soldaten, keine Bilder von Bush vor einem Untersuchungsausschuß) - wer soll in diesem großen visuellen und politischen Manipulationsmanöver ein breites öffentliches Bewußtsein schaffen für die andere Seite der Bilder, wenn nicht der dantoneske Volkstribun Moore?

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 25.07.2004, Nr. 30
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