30.03.2007 · Deutsch und zugleich komisch? Das findet man bei unseren Nachbarn in Holland und Flandern reichlich komisch. Der Verkaufserfolg erklärt sich gewiss auch aus dem Überraschungseffekt dieser ungewöhnlichen Kombination.
„Sie warten noch auf einen Lesetipp für die kommenden Wochen?“, so fragte voriges Jahr die flämische Tageszeitung „De Standaard“ ihre Leser. „Und wenn wir etwas Deutsches und zugleich Komisches empfehlen würden? Eine unwahrscheinliche Kombination.“ Der Verkaufserfolg, den Daniel Kehlmanns „Die Vermessung der Welt“ auch bei unseren Nachbarn in Holland und Flandern erlebte, erklärt sich gewiss auch aus dem Überraschungseffekt dieser ungewöhnlichen Kombination.
Während man - allein schon wegen der messbaren Größe des Nachbarlandes - gewohnt ist, deutsche Literatur pflichtschuldig zur Kenntnis zu nehmen (und sich dann nur zu oft über bemühten Tiefgang, Didaktik und Ethikfimmel zu langweilen), kommt hier ein deutscher Historienroman zu den Koryphäen Gauß und Humboldt einmal ganz leichtfüßig daher. Den Rezensenten von Rotterdam bis Brüssel, von Zeeland bis Limburg ist die Erleichterung, hier könnte um und hinter Kehlmann eine jüngere Generation geistreicher und amüsanter deutscher Schrifsteller heranwachsen, deutlich anzumerken. Von „Het meten van de wereld“, erschienen 2006 bei Uitgeverij Querido in Amsterdam und übersetzt von Jacq Vogelaar, wurden in wenigen Monaten mehr als 50 000 Exemplare verkauft.
Für ein deutsches Buch mit einem „sehr deutschen Thema“, so ließ der Verlag zufrieden wissen, sei das ein außergewöhnlich gutes Ergebnis. Natürlich bleiben auch Stimmen nicht aus, die sich leise über den „bescheidenen literarischen Hype“ beschweren, den der niederländische Verlag in Erwartung einer Imitation des deutschen Verkaufserfolges auch bei sich zu inszenieren versucht habe. Eine nicht unwitzige Idee, die zugleich vom gesunden niederländischen Misstrauen für deutsche Großprojekte - seien sie literarisch oder wirtschaftlich oder politisch - zeugt, ist ein Satz in der Rezension des „Zeeuwse Courant“, der sich Kehlmann mit seinen eigenen Methoden nähert: „Der Autor misst 1,74 Meter.“ Das sind deutsche Daten, auf die man bauen kann.