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„Nick Knatterton“ in Hannover : Der durchkarierte Detektiv

Eine Nick Knatterton-Figur mit Taschenlampe im Museum Wilhelm Busch in Hannover Bild: dpa

In Hannover ist das Cartoon-Werk des Zeichners Manfred Schmidt zu besichtigen. Anlass ist der 100. Geburtstag des Künstlers. Nick Knatterton, der Meisterdedektiv der fünfziger Jahre, ist Schmidts berühmteste Figur.

          Was will man machen, wenn man Manfred Schmidt heißt wie schätzungsweise einige tausend Deutsche mehr? Man entwickelt eine Figur mit einmaligem Namen, wird mit ihr berühmt, aber alle Welt kennt den Künstler dann nur als den Vater von- in diesem Falle Nick Knatterton. Und wenn dann noch das Konterfei so markant ist wie im Falle des Meisterdetektivs, ist seinem Zeichner gar nicht mehr zu helfen. Wer erkennte schon Manfred Schmidt?

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Dabei ist dieser Mann einer der interessantesten Cartoonisten, die Deutschland im zwanzigsten Jahrhundert hervorgebracht hat, und erfreulicherweise widmet ihm das Wilhelm Busch Museum in Hannover im Jahr seines hundertsten Geburtstags eine Retrospektive. Geboren im April 1913 in Bad Harzburg, aber aufgewachsen in Bremen, brachte Schmidt schon als Schüler erste Karikaturen in dortigen Zeitungen unter und studierte dann an der Kunstgewerbeschule, die er aber 1933 verließ, um nach Berlin zu gehen. Es zog ihn zum Film. Zum ersten Mal wollte er der Zeichnerei adieu sagen. Nicht zum letzten Mal.

          Der Fluch des Meisterdedektivs

          Im Jahr 1959 lief „Nick Knatterton“ bereits seit neun Jahren als Fortsetzungsserie in der Illustrierten „Quick“. 1956 hatte Schmidt seinen einsamen Meisterdetektiv sogar verheiratet, um ihn zur Ruhe zu setzen - erfolglos, die Leser wollten mehr. So viel mehr, dass 1959 ein Spielfilm mit Karl Lieffen als Nick Knatterton in die deutschen Kinos kam und Manfred Schmidt den Zeitpunkt für ideal hielt, nun endlich den Comic zu beenden. Fünf Jahre lang hielt er durch, dann lockten ihn Geld und Beliebtheit, die anderswo nicht so leicht zu haben waren, wieder ans Zeichenbrett zu seinem Detektiv. Und als Schmidt sich 1972 einen Traum erfüllte und ein eigenes Trickfilmstudio eröffnete, hatte er zwar großen Erfolg mit Arbeiten nach Vorlagen des argentinischen Zeichners Mordillo, die er fürs Fernsehen produzierte. Aber auch wieder mit „Nick Knatterton“, was ihn 1982 dazu brachte, neue Comics zu zeichnen. Er wurde den Fluch seiner bekanntesten Figur nicht los.

          Dabei verachtete er Comics. „Nick Knatterton“ sollte eher eine Parodie auf diese Erzählform als aufs Detektiv-Genre sein. Dafür nutzte Schmidt eine Idee, die er schon 1935 hatte. Damals schrieb er für die überregionale Ullstein-Wochenzeitung „Grüne Post“ eine kurze, in Chicago angesiedelte Detektiv-Geschichte, die er auch illustrierte und deren Held den Namen Nick Knatterton trug. Das markante Kinn ist schon da und auch der gegen alle Gesetze der Zeichenkunst durchkarierte Mantel. Schmidt musste die Figur nach dem Krieg nur als Comic wiederbeleben.

          Knatterton als Sprachrohr gegen Wiederbewaffnung

          Die NS-Zeit hatte der Zeichner weitgehend unpolitisch überstanden, nur einige Wehrmachts-Illustrationen trüben das Bild. Doch die erfolgten wider Willen, denn Schmidt hasste den Krieg, weshalb er nach 1945 auch die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik entschieden bekämpfte. Dazu nutzte er „Nick Knatterton“, der für etliche scharfe Attacken auf Adenauer, Strauß oder Mende taugte. In Hannover sind vier Knatterton-Seiten im Original zu sehen, die seit ihrer Publikation 1957 in der „Quick“ nie mehr nachgedruckt wurden (auch nicht in der zum hundertsten Geburtstag vom Lappan Verlag wiederaufgelegten Gesamtausgabe) - mutmaßlich, weil darin Franz Josef Strauß als Kunde eines Waffenherstellers namens Murks AG veralbert wurde.

          Schmidt starb 1989, einigermaßen verbittert. Ihm misslang, was dem guten Freund und Kollegen Loriot geglückt war: als eigenständige Künstlerpersönlichkeit berühmt zu werden. Die kleine, aber reichhaltige Ausstellung im Busch Museum zeigt, was für ein Meister er auf seinem Feld war. Aber natürlich steht auch dort „Nick Knatterton“ im Zentrum, und wie man am Lachen des Publikums hören kann, ist diese Serie auch das, was von ihm bleiben wird.

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