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New Yorks U-Bahn kollabiert : Keine Idee ist zu verrückt

Sie fährt, aber wie lange noch? Szene aus der New Yorker U-Bahn. Bild: Reuters

Die U-Bahn von New York steht vor dem Kollaps. Die Technik ist uralt, nun sollen sogar Sitze aus den Wagen verschwinden. Bürger sollen Vorschläge zur Rettung machen.

          Trump Station, Apple Point, Taco Bell Stop? Soll man sich so die Zukunft der New Yorker Subway vorstellen? In deren Wagen künftig alle Passagiere stehen sollen, Pendler also nicht mehr erschöpft auf die Sitze fallen und deren Hunde darunter kein sicheres Plätzchen mehr finden können?

          Mit ihren 472 Stationen, 1400 Gleiskilometern und jährlich 1,5 Milliarden Fahrgästen ist die New Yorker Subway das wohl legendärste Transitsystem der Welt. Es ist Tag und Nacht in Betrieb, und es steht vor dem Kollaps. Der zuständige Gouverneur hat soeben den „state of emergency“ ausgerufen.

          Tatsächlich regt sich in diesem „summer of hell“, von dem die New Yorker längst sprechen, niemand mehr über Ratten oder chronische Verspätung auf. Zuletzt kam es gleich zu mehreren Unfällen, Züge entgleisten mit vielen Verletzten, und als der F-Train bei ausgefallener Klimaanlage in einem Tunnel stundenlang feststecke, fühlte man sich bei den Viodeoaufzeichnungen aus dem Innern an einen Zombiefilm erinnert. Die Technik, die größtenteils aus der Zeit vor den Zweiten Weltkrieg stammt, ist durchweg marode. Aber niemand weiß, woher die achthundert Millionen Dollar zu nehmen sind, die für die Rettung nötig wären.

          Die Idee, in bestimmten Zügen die Bestuhlung zu entfernen, stößt in New York auf blankes Entsetzen, vor allem unter Pendlern. Es scheint allerdings kühn gerechnet, auf diese Weise Millionen erwirtschaften zu wollen. Vielleicht spekulieren die Betreiber ja auch darauf, die Sitze als Memorabilia zu versteigern. Die andere Idee, die schon länger kursiert, ist die Patenschaft einzelner Stationen, wie es bei Sportarenen längst Usus ist. Vor Jahren wurde schon einmal ein Versuch in dieser Richtung unternommen, als man einer Bank eine Haltestelle in Brooklyn andiente. Seither heißt sie Atlantic Avenue/Barclays Center. Doch hat die Subway mit vier Millionen Dollar für die Namensgebühr auf zwanzig Jahre ein denkbar schlechtes Geschäft gemacht, zumal das Geldinstitut natürlich nach wie vor in Manhattan residiert.

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          Die New Yorker U-Bahn sollte sich überhaupt nicht verkaufen. Denn sie ist ja nicht nur das unterirdische Kraftzentrum der Stadt, sondern hält sie zusammen, buchstäblich wie metaphorisch. Ohne sie wäre New York niemals zum globalen Handelszentrum aufgestiegen. Sie steht aber auch für das Versprechen, ein Ort zu sein, an dem sich alles mischt. Da sitzen Alteingesessene neben Neuankömmlingen aus allen Teilen der Welt. Erste-Klasse-Abteile gibt es nach wie vor nicht, sondern alle zahlen denselben Preis, 2,75 Dollar, und alle leiden unter denselben Schweißausdünstungen. Die Stationsnamen aber sind nicht zuletzt Orientierungshilfen für das Leben unter Tage. Der U-Bahn-Chef hat die Bürger von New York jetzt dazu aufgerufen, eigene Vorschläge zur Rettung einzubringen. Keine Idee sei zu verrückt, sagte er, keine zu ehrgeizig. Den Ehrgeiz, es ohne Trump zu schaffen, scheint New York zu haben.

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