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Urheberrecht : Gebt mir mein Buch zurück!

Messebuchhandlung auf der Leipziger Buchmesse Bild: dpa

Die Bundesregierung bereitet ein neues Gesetz zum Urheberrecht vor. Autoren sollen Verlagen nach fünf Jahren die Rechte an ihren Büchern abnehmen können. Namhafte Schriftsteller und Verleger sind entsetzt.

          Aus der guten Absicht, die wirtschaftliche Lage von Autoren und Urhebern zu verbessern, droht ein schlechtes Gesetz hervorzugehen: So sehen es zumindest die Unterzeichner eines offenen Briefs an die Bundesregierung, den Elisabeth Ruge, Jonathan Landgrebe und Jonathan Beck im Namen von Autoren, Literaturagenten und Verlegern veröffentlicht haben. Dort heißt es: „Die nun vorgelegte Gesetzesnovelle, die die Planungssicherheit von Verlagen durch neue Ausstiegsklauseln“ für Autoren „auf wenige Jahre nach Erscheinen eines Buches reduziert“, sei „kontraproduktiv“.

          Jan Wiele

          Redakteur im Feuilleton.

          Dem Gesetzentwurf zufolge könne ein Autor, sobald fünf Jahre seit seiner Manuskriptabgabe vergangen seien, jederzeit die Rechte vom Verlag zurückrufen, sofern ihm ein besseres Angebot für ihre Nutzung vorliege. Diese Regelung verbessere höchstens die Stellung weniger Erfolgsautoren auf Kosten der mittleren und kleinen unabhängigen Verlage, sie schade nicht zuletzt den Autoren selbst.

          Gibt es keinen Verteilungskonflikt?

          Mit Blick auch auf die Debatte über die Ausschüttungen der Verwertungsgesellschaften heißt es in dem Appell, „in den Medien“ werde ein „Verteilungs- und Interessenkonflikt“ zwischen Autoren und Verlagen heraufbeschworen, dem man „mit diesem gemeinsamen Brief entschieden widersprechen“ wolle. Notwendig sei ein Urheberrecht, das die Interessen der Autoren und die Leistungen ihrer Verlage schütze. Den Aufruf haben etliche Schriftsteller, Agenten und Verlagsleute unterzeichnet, unter ihnen Hans Magnus Enzensberger, Jürgen Habermas und Navid Kermani sowie Jo Lendle, Helge Malchow und Ulla Unseld-Berkéwicz.

          Kaum war der offene Brief publiziert, meldete sich auch eine Gegenstimme, und zwar in recht martialischer Diktion. Man trete dem Aufruf der Schriftsteller und Verlagsleute „mit Entschiedenheit“ entgegen, teilte der Deutsche Journalisten-Verband mit. Der Gesetzentwurf des Bundesjustizministeriums für ein neues Urheberrecht sei nicht schädlich, sagte der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall, im Gegenteil. Er ziehe „aus dem jahrzehntelangen Ungleichgewicht zwischen Urhebern und Verlagen den Schluss, endlich gesetzliche Waffengleichheit herzustellen. Das ist längst überfällig.“

          Gewerkschaft verspricht „erbitterten Widerstand“

          Nur wegen eines Details – der Fünfjahres-Ausstiegsklausel – das gesamte Gesetzesvorhaben in Frage zu stellen, entlarve die Absicht der Verlage, meint Überall: „Sie wollen ihre herrschende Dominanz gegenüber den Urhebern zementieren.“ Der Gewerkschaftschef kündigte „erbitterten Widerstand der journalistischen Urheber für den Fall an, dass die Verlage das komplette Gesetzesvorhaben kippen wollten.“

          Die Fronten sind also verhärtet. Für den Gesetzgeber ist angesichts der Kontroverse gar nicht so leicht zu erkennen, worin die Interessen der Urheber tatsächlich liegen – in einem leicht veränderten Status Quo oder in einem deutlich verschobenem Kräfteverhältnis, wie es der DJV fordert. Bei der Debatte fällt allgemein auf, für wie gering manche den kreativen Anteil der Verlage an Werken halten. Insbesondere bei der Belletristik bleibt dieser der Öffentlichkeit meist verborgen. Würden die Verlage demnächst doppelt geschwächt - durch den Verlust von Titeln nach fünf Jahren und den Wegfall ihres Anteils an den Einnahmen der VG Wort -, wäre es nur konsequent, dass Lektoren und Literaturagenten verlangten, mit als Urheber geführt zu werden. Das würde aber alles noch sehr viel komplizierter machen.

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