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Neues Album von Guns N' Roses : Vom Axl des Bösen

Axl Rose ist wieder da. Der Rest von Guns 'n' Roses ist in fünfzehn Jahren irgendwo auf der Strecke geblieben. Bild: picture-alliance/ dpa

Fünfzehn Jahre haben sie geschwiegen. Von Guns N' Roses, für kurze Zeit einmal die beste Rockband der Welt, ist nur noch Axl Rose übriggeblieben. Jetzt kommt das neue Album „Chinese Democracy“. Tobias Rüther hat sich auf die Suche nach dem Refrain begeben.

          Ab heute kann man „Chinese Democracy“ kaufen, die vierzehn neuen Lieder kursieren aber natürlich längst im Netz. Fünfzehn Jahre hat es gedauert, bis das neue Album der amerikanischen Rockband Guns N' Roses fertig geworden ist. Mit jedem dieser Jahre wurde es angeblich eine Million Dollar teurer - und irgendwann zur Legende, und danach zum Witz. Vor diesen fünfzehn Wartejahren galten Guns N' Roses für kurze Zeit als beste Rockband der Welt - oder als gefährlichste oder als schmierigste oder als drogenabhängigste.

          Tobias Rüther

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Sie haben Bob Dylan gecovert und die Wings, sie haben ein perfekt aggressives Lied für den zweiten „Terminator“-Film geschrieben und 1991 zwei Doppelalben gleichzeitig herausgebracht, die Kopf an Kopf die Charts auf der ganzen Welt anführten. Axl Rose, der Sänger von Guns N' Roses, ist der Einzige, der von damals übriggeblieben ist: Der Rest der Band ging freiwillig oder wurde von Axl rausgeworfen.

          Fünfzehn Jahre. Aber wie klingt diese neue Platte nun eigentlich?

          Lied 1, „Chinese Democracy“

          Sirenengeheul. Gezupfte Gitarre, erst einmal ruht das Schlagzeug. Dann aber ein Riff, sehr laut und sehr manipuliert. Es erinnert an „Owner of a Lonely Heart“ von Yes, das ist eigentlich gar nicht gut, aber bevor man länger darüber nachdenken kann, geht das Lied los, mit einem langgezogenen Gejaule von Axl Rose. Und da, jetzt singt er! Das hat nicht nur fünfzehn Jahre, das hat fast drei Minuten gedauert. Text ist total unverständlich. „I know that I'm a classic case“? Die Band schleppt sich breitbeinig dahin. Hier ein Solo, da ein Solo, und hier wieder eins. Ist das jetzt der Refrain? Amerikanische Autofahrmusik. Geisterjägerserienmusik.

          Lied 2, „Shackler's Revenge“

          Beginnt mit einem demolierten Riff. Säuft kurz ab, dann gurgelt Axl Rose, als würde auch er in einer Badewanne singen, mit den Lippen halb über, halb unter dem Wasser. Ist das jetzt der Refrain? Solo. Rumms. Irgendwie hört der Song nicht auf. Immer noch nicht. Immer noch nicht.

          Lied 3, „Better“

          Warum klingen Liedanfänge neuerdings immer so, als müssten sie erst durch ein albanisches Kofferradio hindurch? Nach dieser Störsendung wird die Sache klarer. Schön schwerfällig. Altmetall. Und jetzt singt Axl fast so wie früher, wie bei „November Rain“. Ist das jetzt der Refrain? Fäuste in die Luft! Männerpathos. Lieblingslied.

          Lied 4, „Street of Dreams“

          Entsprechend der Logik typischer Heavy-Metal-Produktionen müsste nach den vielen harten jetzt bald mal eine weiche Seite kommen. Passiert auch. Axl quält seine Stimme über eine Allerweltsklaviermelodie. Text wieder total unverständlich. Ist das jetzt der Refrain? Nein, das sind nur Plastikstreicher aus dem Keyboard - dafür können die berüchtigten fünfzehn Millionen Dollar unmöglich verplempert worden sein. Gitarrensolo, das zwölfte ungefähr. Und inzwischen das vierte Lied, aber keines davon folgte bislang einem Schema, das man sofort kapiert hätte. Jetzt setzt das Schlagzeug zum Beispiel schon wieder aus. Komplexrock.

          Lied 5, „If the World“

          Wo sind wir denn jetzt? In Tijuana? Jedenfalls ist das eine Antonio-Banderas-Gitarre. Dann streichen schon wieder die Plastikgeigen vor sich hin. Gefolgt von einer Spielpause, schon wieder. Ist das jetzt der Refrain? Axl singt immer noch wie kein Zweiter, auch wenn das gleiche Studiogerät nachgeholfen haben könnte, aus dem sich die Streicher ergießen. Der Rhythmus klingt ein bisschen wie bei „Echoes“ von Pink Floyd. Ein heftiger Bass. Dann wieder die Tijuana-Gitarre.

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