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Neuerscheinung Die Stasi, wie sie sich selbst sieht

05.04.2002 ·  Hochrangige Stasi-Mitarbeiter stellen in einem 1.200-seitigen Buch ihre Sicht der Dinge dar.

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Zwölf Jahre nach dem Ende der DDR haben sich 20 Generäle und Oberste der Staatssicherheit in einem Buch erstmals umfassend zur Arbeit des Geheimdienstes geäußert.

Das 1.248 Seiten umfassende zweibändige Werk mit dem Titel „Die Sicherheit: Zur Abwehrarbeit des MfS“ sei ab sofort im Handel erhältlich, teilte die edition ost im Verlag Das Neue Berlin am Freitag mit. Die Stasi-Akten-Behörde sprach von einem nachträglichen Rechtfertigungsversuch der Stasi-Mitarbeiter.

Bei ehemaligen DDR-Bürgerrechtlern stieß die Veröffentlichung auf Empörung. Das Buchprojekt wurde bereits Mitte der 90er Jahre geplant. Schon die Ankündigung der Veröffentlichung hatte Anfang des Jahres Aufsehen erregt. Der Verlag sprach von einem „historischen“ Ereignis, da sich erstmals ein großer Teil der Führungsriege eines aufgelösten Geheimdienstes gemeinsam umfassend äußere. Zu den Autoren zählen die früheren Stellvertreter von Stasi-Chef Erich Mielke, Wolfgang Schwanitz und Gerhard Neiber. Das Vorwort schrieb der letzte DDR-Innenminister Peter-Michael Diestel.

„So objektiv wie möglich“

Ziel der Autoren ist es nach Angaben von Initiator und Mitherausgeber Schwanitz, den „anhaltenden Verleumdungen“ gegen Stasi-Mitarbeiter entgegenzutreten. Das Buch solle der sachlichen Diskussion dienen. „Wir haben uns bemüht, dieses Buch so objektiv wie möglich zu schreiben, aber wir sind natürlich auch Partei“, sagte Schwanitz.

Diestel, der als Rechtsanwalt in mehreren Prozessen ehemalige Stasi-Mitarbeiter vertreten hat, sprach in einem AP-Gespräch von einem „Beitrag zu einer realistischen Bewertung der Geschichte“. „Man muss, wenn man eine Bombe entschärft, die Bombenbauer auch hinzuziehen“, sagte Diestel.

Die Stasi-Akten-Behörde will das Buch zunächst gründlich prüfen und sich anschließend ausführlich dazu äußern. Allerdings werde bereits bei der ersten Durchsicht die Intention der Autoren deutlich, „eine nachträgliche Legitimation der Tätigkeit des MfS vornehmen zu wollen“, sagte Direktor Hans Altendorf der AP.

„Gefahr für die Werte von 1989“

Ehemalige DDR-Bürgerrechtler halten die Veröffentlichung der Stasi-Mitarbeiter vor allem vor dem Hintergrund des Urteils zu den Akten über Altkanzler Helmut Kohl für problematisch, mit dem das Bundesverwaltungsgericht Anfang März die Verwendung von Geheimdienstunterlagen zu Forschungszwecken deutlich einschränkte.

Es sei „fatal“, dass wichtige Quellen unzugänglich gemacht würden, während auf der anderen Seite „diese Leute“ ihre Sicht der Dinge darstellen könnten, sagte Irmtraut Hollitzer vom Bürgerkomitee Leipzig der AP. „Ich fürchte um die Werte, die wir 1989 errungen haben.“ Nach Verlagsangaben ist die erste Auflage von 3.000 Exemplaren bereits über Vorbestellungen vergriffen. Die Autoren planen für die nächsten Wochen mehrere Lesungen, die erste soll am 22. April in Berlin stattfinden.

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