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Neuer Kunsttrend : Geldregenmacher

  • -Aktualisiert am

Immerhin scheint die Sonne: Hobbygoldgräber am Strand von Folkestone Bild: AFP

Alles für lau: Die Kunst gibt sich jetzt gern großzügig. Vom Goldrauschrevival an einem ostenglischen Strand bis zu herabrieselnden Scheinen am Frankfurter Römer.

          Erinnert sich noch jemand an die Aktion des 2010 verstorbenen Aktionskünstlers Christof Schlingensief 1999, als er die Deutsche Bank davon überzeugen wollte, „Geld wegzuschmeißen“? Für ein Kunstprojekt hatte man ihm 100 000 Mark bewilligt, die er nun vom Hochhaus heruntersegeln lassen wollte. Die Bank war erwartungsgemäß nicht begeistert und zog die Unterstützung zurück. Trotzdem ging schon die Idee in die Kunstgeschichte ein.

          Heute aber fragt ein Künstler keine große Bank mehr, wenn er Geld wegschmeißen will. Da reicht schon ein einzelner Oligarch oder Investmentbanker. Dann steht der Aktion nichts mehr im Wege. So geschehen in Berlin. Dort zerplatzte über dem belebten Pariser Platz ein Ballon - und auf die überraschten Passanten segelte ein Regen aus Geldscheinen herab. Wenige Sekunden später ballten sich die Fäuste, darin zerknüllte Scheine. Dreitausend Euro waren verteilt. Der Blick fiel in von Gier und Misstrauen gezeichnete, aber auch glückliche Gesichter.

          Wenige Tage später wiederholte sich diese Szene in Frankfurt vor dem Römer. Wieder war ein Mann namens Joachim Ackva am Werk. Er meint es eigentlich gut: Er fordert eine gerechtere Verteilung des Geldes und bezeichnet sich selbst als Finanzplaner. Er habe ein bisschen zu viel Geld, sagt er und arbeitet deswegen jetzt mit der niederländischen Künstlerin Daniela Tiben zusammen.

          Ist das Kunst? Jedenfalls ist es in Mode, das Schmeiß-Geld-weg-Prinzip ist plötzlich sehr beliebt. Am Strand des ostenglischen Ortes Folkestone buddeln seit Tagen mehr als tausend Menschen den Sand durch. Dort hat der deutsche Künstler Michael Sailstorfer kleine Goldbarren versteckt. Je 380 Euro sind die kleinen Dinger wert, insgesamt sind es 11 400 Euro. Die Flut hat sicher schon einige weggetragen. Zwei Schwestern hatten tatsächlich Glück. Sailstorfer kuratiere ein Glücksversprechen, lautet der Kommentar von Chris Dercon, dem Direktor der Londoner Tate Modern. Kunst verspricht Glück in Form von Geld? Das kann man auch entspannter haben - ohne Kunstüberbau.

          Der israelisch-amerikanische Millionär Jason Buzi versteckt sein Geld einfach. Er packt es in grüne Umschläge, die er an Orten plaziert, auf die er via Twitter Hinweise in Rätselform gibt. „Hidden Cash“ nennt er das. Im Juni zertrampelten rund tausend Menschen einen Stadtpark in Los Angeles, vor wenigen Wochen erging es dem Tiergarten in Berlin ähnlich. Jason Buzi versteht sich nicht als Moralist. Er will weder Künstler sein noch Wohltäter, sondern Spaßmacher. Offenbar nimmt er seinen Job sehr ernst. Sonst ließe er sich seine Pointen wohl nicht so viel kosten.

          Quelle: F.A.Z.

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