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Veröffentlicht: 08.08.2017, 12:07 Uhr

5000 neue Wörter im Duden Was ist „das Gender“?

Der neue Duden hat einiges auf Lager: Geschlechtsumwandlung, die Wutbürgerin und „facebooken“. Auch der „Späti“ ist dabei. Doch warum hat es eine andere, uralte Berliner Wendung erst jetzt ins Wörterbuch geschafft?

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© dpa Der Späti, also die Möglichkeit zum Späteinkauf, ist eines von 5000 neuen Wörtern im Duden.

Das Gute vorweg: Wir müssen nicht mehr „Majonäse“, „Frotté“ oder „Ketschup“ schreiben, diese hässlichen Eindeutschungen gelten ab sofort wieder als falsch. Derselbe Rechtschreibrat, der sie vor noch nicht allzu langer Zeit meinte erzwingen zu müssen und so in den Duden brachte, nahm sie jetzt zurück. Sie hätten sich nicht durchsetzen können.

Regina Mönch Folgen:

Wer vergessen hat, wie „Mayonnaise“ schon immer geschrieben wurde, kann danach ab sofort im neuen Duden suchen, der am Mittwoch erscheint. Die Kinder, die leider immer noch in zu vielen deutschen Schulen nach Gehör und regelfrei zur deutschen Rechtschreibung finden sollen und den rechten Weg dahin allzu oft verfehlen, werden das wahrscheinlich nicht bemerken. Aber das ist Nebensache.

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Die 27., „völlig neu bearbeitete und erweiterte Ausgabe“ des Rechtschreibwörterbuches will nicht nur die umfangreichste sein, die es je gab, sondern auch die aktuellste, teilt der Verlag mit. Zu finden seien noch einmal fünftausend neue Wörter „aus dem deutschen Sprachgebrauch“, insgesamt 145.000. Im Jahr 2009 waren es erst 135 .00; die Urfassung dieses Nationalheiligtums kam 1880 noch mit 27.000 Stichwörtern aus.

Unter den Neulingen findet man so erstaunliche Angebote wie „das Gender“: Substantiv, Neutrum, bedeutet die Geschlechtsidentität des Menschen als soziale Kategorie. So steht es im Online-Rechtschreibduden. Trotzdem bleiben die meisten deutschen Substantive weiblich (45 Prozent) und immerhin mehr als ein Drittel männlich.

Und weil es gerecht zugehen muss, bekommt der Wutbürger jetzt sein weibliches Pendant, die Wutbürgerin, und der Gendarm (wo gibt’s den noch?) die Gendarmin. Der Volksverräter (auch neu) bleibt jedoch solo.

Wie konjugiert man „facebooken“?

Wie aber konjugiert man Neuverben wie „facebooken“, „liken“ oder „taggen“? Auf die englische oder die deutsche Art? Und wird „Tüddelkram“ in der nächsten Dudenausgabe vielleicht, weil sehr speziell umgangssprachlich, schon wieder verschwunden sein? Computerlinguisten filtern neue Wörter aus einer riesigen elektronischen Textsammlung, in die ständig Zeitungsartikel, Gebrauchsanweisungen und Bücher eingespeist werden. Kommen sie häufig genug vor und bilden wesentliche „gesellschaftliche Entwicklungen“ ab (Fake News, Flüchtlingskrise, Lügenpresse, Brexit), werden sie ins Wörterbuch aufgenommen. Sind sie nicht mehr gebräuchlich – die Duden-Redaktion nennt das irritierende Beispiel „Jahr-2000-fähig“ –, fliegen sie wieder heraus.

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Erstaunlich darum, dass das Personalpronomen „ick“ es erst jetzt in den Duden geschafft hat. Seine regionalen Urheber, die Urberliner, könnten inzwischen Minderheitenschutz verlangen, so selten sind sie geworden. Vielleicht aber bilden „ick“ und „icke“ schon ein neues Hauptstadtsprachgefühl ab, die Sehnsucht von Hunderttausenden Zugezogener nach Heimat, die sie im Berlinischen zu finden hoffen. Dann wäre es folgerichtig, dass der Online-Duden den Ick-Sucher sofort zur Nachtigall führt: „Ick hör dir trapsen!“

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Von Andreas Rossmann

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