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Neuer Direktor des Centre Pompidou : Monarchenwillkür aus der Pariser Provinz

Intrigantenstadl: das Centre Pompidou in Paris. Bild: AFP

Mit Bernard Blistène bekommt das Centre Pompidou einen neuen Direktor, den keiner wollte. Zum Schluss hat der Widerstand gegen die ausländischen Kandidaten Züge eines Possenspiels angenommen.

          Plötzlich ging alles sehr schnell. Viel zu lange, sieben Monate, hatte die Prozedur, die kurz und unkompliziert sein sollte, schon gedauert und vor allem Gerüchte und Intrigen provoziert, „Lügenpoker“, so die Zeitung „Libération“. Langsam wurde die Sache eilig, der gegenwärtige Amtsinhaber geht an Weihnachten in Rente. Noch vor einer „verrückten Woche“, so „Le Monde“, schien alles gelaufen zu sein: Die Presse präsentierte den Österreicher Max Hollein aus Frankfurt als designierten Leiter des Musée National d’Art Moderne, das dem Centre Pompidou angegliedert ist und das dessen Präsident Alain Seban unterstellt ist.

          Seban präsidierte die internationale Kommission, die der Kulturministerin Vorschläge unterbreitete. Weil Aurélie Filippetti auf Parität bedacht ist, kamen mit zwei Männern auch zwei Frauen auf die Liste, eine von ihnen war die Deutsche Marion Ackermann aus Düsseldorf. Um den von Seban favorisierten Hollein zu verhindern, taten sich die beiden französischen Kandidaten Catherine Grenier und Laurent Le Bon in einem Überraschungscoup zusammen. Wegen seiner Gehaltsvorstellungen wäre Holleins Wahl noch nicht abgesegnet, war zu lesen.

          Entsetzen allenthalben

          Am vergangenen Freitag holte eine frühere Museumsleiterin im Haus, Sylvie Perras-Corrérard, zum Tiefschlag gegen die ausländischen Kandidaten aus: „Nicht jeder ist ein Pontus Hultén“, höhnte sie in „Libération“. Der Schwede war der erste Leiter des Centre Pompidou. Die Personalentscheidung stilisierte sie zur ultimativen Alternative: der Kunstmarkt und die Herrschaft des Geldes oder die kulturelle Ausnahme – der Franzosen – mit ihrem Widerstand gegen die „Übermacht der Blockbusters“: Weder Ackermann noch Hollein hätten ein Konzept, und die Kommission hätte ihnen bessere Ausländer vorgezogen, die leider abgesagt hätten. Dass zu diesem Zeitpunkt die Deutsche und der Österreicher das Handtuch bereits geworfen hatten, konnte die Zeitung gerade noch in einer Klammer beifügen.

          Wenige Stunden später ernannte die Kulturministerin Bernard Blistène – einen Franzosen, den die Kommission schon ganz am Anfang aus der Wahl genommen hatte. Blistène war bereits im Jahr 2000 Kandidat gegen seinen künftigen Vorgänger, und er ist Seban treu ergeben. Seit Monaten, berichten Insider, habe im Museum keiner mehr gearbeitet; Seban werde „Kim Jong-il“ genannt, schreibt „Le Monde“. Im Nachhinein sind alle über den Verlauf und den Ausgang des Verfahrens entsetzt. Frankreich bleibt eine kulturpolitische Monarchie, leicht fremdenfeindlich. Paris wird provinziell.

          Jürg     Altwegg

          Kulturkorrespondent mit Sitz in Genf.

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          Quelle: F.A.Z.

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