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Neue Vorwürfe in der Wulff-Affäre : Schon wieder so ein Freund

  • -Aktualisiert am

Beste Kontakte: David Groenewold, hier mit Moderatorin Nova Meierhenrich im Sommer 2009 in Berlin Bild: Getty Images

Zusätzlich zum Verlagshonorar soll der Autor Karl Hugo Pruys zehntausend Euro bekommen haben, damit das Buch „Christian Wulff: Deutschland kommt voran“ fertig wird: von einem Freund des Politikers.

          Lange Zeit galt Christian Wulff als einer der langweiligsten Politiker Deutschlands, und nun steht er mit jeder Schraube, die sich seine Affäre weiterdreht, als jemand da, der Geheimnisse hat. Einige dieser Geheimnisse könnten beim verzweifelten Versuch entstanden sein, der Sphäre der Schönen, Reichen und eben Nichtlangweiligen beizutreten. Und nun sind es vielleicht ein paar Geheimnisse zu viel.

          Das neueste Dokument dieser verhängnisvollen Sehnsucht hängt mit dem Buch „Christian Wulff: Deutschland kommt voran“ zusammen, wobei das Buch selbst bereits sechs Jahre alt ist. Neu sind nur die Umstände seiner Finanzierung, bei der offenbar wiederum ein Freund von Christian Wulff ihm hinter seinem Rücken Gutes getan hat, ohne dass er etwas dagegen tun konnte. Diesmal war es nicht der Rentenfinanzierer Carsten Maschmeyer, der heimlich und aus eigener Tasche für 42.000 Euro Anzeigen für ein Buch bezahlte, sondern der Filminvestor David Groenewold, der den Autor angeblich gleich direkt unterstützte.

          Damit ihm keine grauen Männer die Zeit stehlen

          Geschrieben hat das Buch Karl Hugo Pruys, ein ehemaliger und heute dreiundsiebzig Jahre alter Journalist und ehemaliger Sprecher der CDU unter Helmut Kohl. Er verfasste eines dieser Politikerbücher, die aus kaum gekürzten und noch dazu unkritischen Interviews bestehen, in denen der Politiker zum Stand jeglicher Dinge befragt wird. Im vorliegenden Fall handelt es sich, bevor es später um Bildung, Zukunft, Wirtschaft geht, um so wichtige Dinge wie seinen Hexenschuss, den Namen des Familienhundes und was Christian Wulff am liebsten zum Frühstück isst.

          Im Sinn der schon damals von ihm praktizierten Transparenz antwortet Christian Wulff, dass sein Hexenschuss sich erst gebessert habe, als er „das Übel an der Wurzel gepackt“ habe, und das sei die hohe Neuverschuldung Niedersachsens gewesen, die ihm erst nach der Wahl voll bewusst geworden sei und sich als Last „wohl an seiner Wirbelsäule gestaut“ habe. Darüber hinaus heiße der Familienhund Momo, als Erinnerung an den Roman von Michael Ende, in dem graue Männer den Menschen die Zeit stehlen, was ihm, Christian Wulff, nie passieren soll, weshalb er sich Familientage in seinem Kalender als „P-Tage“ eintrage, P für privat. Zum Frühstück isst er übrigens „Müsli und Obst, Orangensaft, Marmelade und Brötchen“.

          Immer wieder nur dieselbe Piefigkeit

          Christian Wulff ist damals noch der junge und beliebte niedersächsische Ministerpräsident. Er kann sich das Haus, in dem er lebt, noch leisten, er wurde noch nicht in einen Job befördert, dem er nicht gewachsen ist. Er empfängt nicht in einem Schloss und hat auch noch keine Frau an seiner Seite, die ihm einige Journalisten neiden. Er ist noch mit Christiane verheiratet, von der es im Buch ebenso ein Foto gibt wie vom angesprochenen Hund. Inhaltlich ist das noch genau der Christian Wulff, den man kennt, nur die Tatsache, dass es dieses Buch gibt, erzählt schon von einer Sehnsucht, dass sich aus all dem mehr machen lassen müsste.

          Es ist das Deprimierende an dieser Affäre, dass sie in jeder Situation immer wieder einen Mann zeigt, dessen Möglichkeiten mit den Ämtern wachsen, ohne dass sich die Verhältnisse seines Denkens ändern. Das geborgte Haus ist nur ein Klinkerhaus, der geschenkte Urlaub führt nicht auf eine Südseeinsel, die Piefigkeit ist immer wieder nur dieselbe Piefigkeit. Was nützt all das verschwiemelte Getue, wenn das größte Geheimnis, das Christian Wulff zu haben glaubt, für jeden von Anbeginn an auf der Hand lag? Und was nützt all die Transparenz?

          Die Vorteile verstanden

          Im Fall des Buches, das Christian Wulff als „aufsteigenden Stern der deutschen Politik“ beschreibt, war es offenbar so, dass der Filmproduzent David Groenewold dem Autor Karl Hugo Pruys zusätzlich zum Verlagshonorar zehntausend Euro zahlte, ohne die das Buch wohl nicht fertig geworden wäre. Er habe Groenewold nicht gekannt, sagt Pruys, das Geld aber genommen, da sich dieser als Freund von Wulff vorstellte. So wenigstens äußerte er sich, als „Spiegel Online“ bei ihm anrief. Wenig später erinnerte er sich dann anders. Inzwischen sprechen sowohl für ihn als auch für Groenewold die Anwälte und erklären, das Honorar sei unter anderem für „Rhetorik-Schulungen“ gewesen, die der junge Filmfinanzier bei dem doppelt so alten freien Journalisten genommen habe, und sowohl der Bebra-Verlag als auch die Anwälte von Christian Wulff erklären, von all dem nichts gewusst zu haben.

          David Groenewold und Christian Wulff haben einander im Jahr 2003 bei der Premierenparty des Films „Das Wunder von Lengede“ kennengelernt. Fortan brachte Groenewold Wulff mit Filmleuten zusammen, was für diesen immer gewesen sei, als tauche er „in eine andere Welt“ ein, erzählte Groenewold einmal, am tiefsten wohl, als er Wulff zu Ehren einen Abend im feinen China-Club in Berlin gab. Dafür verstand Wulff besser, wieso die Steuervorteile für das Filmfinanzierungsmodell von Groenewold so wichtig waren, und setzte sich dafür ein.

          Am Ende ging es Wulff womöglich nicht um mehr als ein paar bunte Bilder mit Filmstars.

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