15.09.2004 · Nach dem ZDF schreibt sich nun auch die ARD neue Leitlinien vor. Dazu zählen die klare Trennung von Programm und Werbung, ein Verzicht auf 0190-Nummern und ein Informationsanteil von 40 Prozent.
Information als stärkste Programmsäule und die Achtung der Menschenwürde auch im Unterhaltungsbereich sind zentrale Positionen der neuen Leitlinien der ARD-Rundfunkanstalten.
Der ARD-Vorsitzende Jobst Plog sagte am Mittwoch in Köln, der nach schwieriger Diskussion einstimmig gefaßte Beschluß solle auch auf die dritten Programme sowie den Hörfunk übertragen werden. In der vom neuen Rundfunkstaatsvertrag geforderten Selbstverpflichtung erklärt die ARD, daß der Informationsanteil im Ersten Deutschen Fernsehen bei mindestens 40 Prozent liegen solle. Dazu kämen rund zehn Prozent Sportinformation. Weitere Kernaufgaben des Programms seien Kultur - wozu auch der weitere Betrieb von Rundfunkorchestern und -chören gehöre -, Bildung und Beratung sowie Unterhaltung.
Respekt und Toleranz
Die Unterhaltungsformate der ARD „zeichnen sich durch das unbedingte Festhalten an Werten wie Respekt, Toleranz und Achtung der Menschenwürde aus“, heißt es in den Leitlinien. Das gelte auch für Talkshows. Programme für Kinder sollten werbe- und gewaltfrei sein und in altersgerechter und unterhaltsamer Weise Werte und Wissen vermitteln. Die Arbeitsgemeinschaft verspricht ferner eine klare Trennung von Werbung und Programm.
Bei der Beteiligung von Zuschauern per Telefon verzichtet die ARD künftig grundsätzlich auf teure 0190-Nummern, mit denen einige Privatsender inzwischen einen Teil ihrer Einnahmen erzielten. Die ARD rechne nur noch per Anruf, nicht nach Zeittakten ab. Der Preis für den Anruf solle den Gegenwert für das Porto einer Postkarte in der Regel nicht überschreiten.
Digital bis 2010
Die ARD erklärt ihre Bereitschaft, sich am politisch gewünschten Umstieg auf das digitale Fernsehen bis 2010 zu beteiligen, beharrt aber auf freiem Zugang zu diesen Angeboten für jedermann ohne Grundverschlüsselung. Auch am gemeinsamen Internetangebot hält die ARD fest, wobei Programmdirektor Günter Struve einräumte, daß die Sendergruppe künftig vorsichtiger sein werde, was Verknüpfungen zu Werbeinhalten angehe.
Die Leitlinien gelten zunächst für die Jahre 2005 und 2006. Sie sollen nach den Vorgaben des Rundfunkstaatsvertrags alle zwei Jahre überprüft und nötigenfalls angepaßt werden.
Gegen Kontrolle durch Landesmedienanstalten
Ausdrücklich legt sich die ARD nicht auf eine bestimmte Altersgruppe als Zielpublikum fest. Struve nannte es falsch, daß das ZDF in seiner am Dienstag vorgelegten Selbstverpflichtungserklärung die 14- bis 59jährigen als Zielgruppe nenne. „Das Diktat der Werbewirtschaft auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk übertragen zu wollen, hält die ARD für falsch“, betonte Struve. Für die ARD treffe eher 3 bis 103 Jahre als Zielgruppe zu. Abgesehen davon sei das Ziel des ZDF „sehr, sehr ehrgeizig“, weil dessen Durchschnittszuschauer derzeit 59 Jahre alt sei.
Als „völlig unakzeptabel“ wies Plog Vorstöße der für die Aufsicht über die Privatsender zuständigen Landesmedienanstalten und einiger Politiker zurück, ihnen auch die Überwachung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks besonders beim Jugendschutz zu übertragen. „Wer 'Big Brother' im Vorabendprogramm des privaten Fernsehens unbeanstandet läßt, dessen Jugendschutzverständnis disqualifiziert sich selbst“, erklärte auch der Chef der Konferenz der ARD-Gremienvorsitzenden, Karl-Heinz Kutz.