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Kommentar : Druck, aber schwerelos

Bild der ISS von 2009: Schon damals waren die Drucker im Grunde veraltet. Bild: dpa

Da bewundert man alles, was die Nasa technisch so leistet – und dann steht auf der Raumstation altes Gerät rum, für das sich jedes Büro schämen würde. Zeit für Neues.

          Heute mal ein Wort über Kollegen, die ihre Ausdrucke nicht abholen. Da gibt es Spezialisten, die nachts oder am Wochenende einen oder gleich mehrere sogenannte Druckaufträge an den Drucker senden, um einen Roman auszudrucken, mehrere hundert Seiten lang, aber natürlich verdrängen, dass der Drucker mit Papier gefüttert sein muss. Wer dann am Morgen das Vergnügen hat, die Papierfächer zu füllen, weil er eine Seite ausdrucken will, braucht viel Geduld. Oft genug sieht man noch Tage später mit Grausen, dass der dicke Stapel noch immer unberührt neben dem Drucker liegt, ein verwaistes Kind der Gutenberg-Ära, umsonst geboren, vergessen, verraten.

          Da spendet ein Blick in den Sternenhimmel Trost, weil in den unendlichen Weiten des Weltraums solche Probleme unbekannt sind. Es sei denn, man ist Astronaut auf der Raumstation ISS. Denn die hat tatsächlich auch Drucker an Bord, einen für jede Seite, für Amerikaner und Russen. Tausend Seiten werden da pro Monat ausgedruckt. Warum? Um Notfallprogramme für den Evakuierungsfall auszudrucken (hoffentlich rechtzeitig), besondere Missionsbefehle und gelegentlich Fotos von der Familie auf Mutter Erde. Jetzt kursiert in den unendlichen Weiten des Internets die Nachricht, dass die ISS nach siebzehn Jahren neue Drucker bekommen soll. Siebzehn Jahre entsprechen bekanntlich im Internet mehreren Jahrhunderten. Kein Wunder, dass man in den vergangenen fünf, sechs Jahren Probleme mit den Druckern hatte, wie Astronaut Don Pettit jetzt einräumte, der die ersten Drucker zur Raumstation brachte. Die Technologie stammt eben aus der Zeit, als George W. Bush Präsident der Vereinigten Staaten und Wladimir Putin Präsident Russlands wurde. Und noch immer keine Rede von der papierlosen Raumstation, stattdessen sollen nächstes Jahr modifizierte Geräte eines amerikanischen Herstellers – Listenpreis 129,99 Dollar – nach oben expediert werden, die bei Schwerelosigkeit funktionieren müssen und stromsparend sein sollen.

          Ist natürlich eine Spitzenwerbung, klingt aber irritierend gestrig. Man möchte als ordentlicher Mülltrenner nicht darüber nachdenken, wie das Thema Recycling gehandhabt wird. Doch hoffentlich seriös mit einer Blauen Tonne und nicht einfach hinaus ins All? Und die Patronen? Werden bestimmt zum Wiederauffüllen auf die Erde geflogen. Print me out, Scotty.

          Hannes Hintermeier

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Neue Sachbücher“.

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