http://www.faz.net/-gqz-93f6o

Kommentar : Druck, aber schwerelos

Bild der ISS von 2009: Schon damals waren die Drucker im Grunde veraltet. Bild: dpa

Da bewundert man alles, was die Nasa technisch so leistet – und dann steht auf der Raumstation altes Gerät rum, für das sich jedes Büro schämen würde. Zeit für Neues.

          Heute mal ein Wort über Kollegen, die ihre Ausdrucke nicht abholen. Da gibt es Spezialisten, die nachts oder am Wochenende einen oder gleich mehrere sogenannte Druckaufträge an den Drucker senden, um einen Roman auszudrucken, mehrere hundert Seiten lang, aber natürlich verdrängen, dass der Drucker mit Papier gefüttert sein muss. Wer dann am Morgen das Vergnügen hat, die Papierfächer zu füllen, weil er eine Seite ausdrucken will, braucht viel Geduld. Oft genug sieht man noch Tage später mit Grausen, dass der dicke Stapel noch immer unberührt neben dem Drucker liegt, ein verwaistes Kind der Gutenberg-Ära, umsonst geboren, vergessen, verraten.

          Da spendet ein Blick in den Sternenhimmel Trost, weil in den unendlichen Weiten des Weltraums solche Probleme unbekannt sind. Es sei denn, man ist Astronaut auf der Raumstation ISS. Denn die hat tatsächlich auch Drucker an Bord, einen für jede Seite, für Amerikaner und Russen. Tausend Seiten werden da pro Monat ausgedruckt. Warum? Um Notfallprogramme für den Evakuierungsfall auszudrucken (hoffentlich rechtzeitig), besondere Missionsbefehle und gelegentlich Fotos von der Familie auf Mutter Erde. Jetzt kursiert in den unendlichen Weiten des Internets die Nachricht, dass die ISS nach siebzehn Jahren neue Drucker bekommen soll. Siebzehn Jahre entsprechen bekanntlich im Internet mehreren Jahrhunderten. Kein Wunder, dass man in den vergangenen fünf, sechs Jahren Probleme mit den Druckern hatte, wie Astronaut Don Pettit jetzt einräumte, der die ersten Drucker zur Raumstation brachte. Die Technologie stammt eben aus der Zeit, als George W. Bush Präsident der Vereinigten Staaten und Wladimir Putin Präsident Russlands wurde. Und noch immer keine Rede von der papierlosen Raumstation, stattdessen sollen nächstes Jahr modifizierte Geräte eines amerikanischen Herstellers – Listenpreis 129,99 Dollar – nach oben expediert werden, die bei Schwerelosigkeit funktionieren müssen und stromsparend sein sollen.

          Ist natürlich eine Spitzenwerbung, klingt aber irritierend gestrig. Man möchte als ordentlicher Mülltrenner nicht darüber nachdenken, wie das Thema Recycling gehandhabt wird. Doch hoffentlich seriös mit einer Blauen Tonne und nicht einfach hinaus ins All? Und die Patronen? Werden bestimmt zum Wiederauffüllen auf die Erde geflogen. Print me out, Scotty.

          Hannes Hintermeier

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Neue Sachbücher“.

          Folgen:

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Schwerelose Hirne

          Gesundheitssrisikio Raumfahrt : Schwerelose Hirne

          Während wir unseren Visionen von Weltraumkolonien freien Lauf lassen, droht Ungemach von unerwarteter Seite: Scheitern die Pläne an körperlichen Grenzen, etwa dadurch, dass Gehirne der Raumfahrer verrückt spielen? Eine Glosse.

          Treffen mit Social Media-Star gerät außer Kontrolle Video-Seite öffnen

          Ausschreitungen in Brüssel : Treffen mit Social Media-Star gerät außer Kontrolle

          Der Social Media-Star und Rapper mit dem Namen „Vargasss 92“ hatte seine Fans eingeladen, ihn am Mittwoch auf dem Place de la Monnaie in der belgischen Hauptstadt Brüssel zu treffen. Ein Augenzeuge filmte aus einem Gebäude heraus, wie sich Jugendliche und die Polizei handgreifliche Auseinandersetzungen lieferten.

          Was wird aus Mugabe? Video-Seite öffnen

          Druck nach Militärputsch : Was wird aus Mugabe?

          Nach der Machtübernahme durch die Armee in Zimbabwe ist die Zukunft von Noch-Präsident Robert Mugabe offener denn je. Forderungen, nach denen er sein Amt niederlegen solle, werden laut.

          Topmeldungen

          Der Tatort: Das Briefzentrum Frankfurt. Millionen echte Briefe kommen hier täglich an. Etliche Millionen wurden offenbar nur erfunden.

          F.A.S. exklusiv : Millionen-Betrug mit erfundenen Briefen

          Staatsanwälte sind einem riesigen Betrugsfall in der Deutschen Post auf der Spur. Offenbar sind hunderte Millionen Briefe abgerechnet worden, die nie geschrieben wurden und frei erfunden waren.

          Zum Tod von Malcolm Young : Malcolm, der Meister

          Mit AC/CD gründete er die größte Hardrockband aller Zeiten und gab ihr den unverkennbaren Sound. Nun ist der Gitarrist Malcolm Young im Alter von 64 Jahren gestorben. Sein Vermächtnis liegt in seinen Riffs. Ein Nachruf.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.