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Naturschutz und Deutsche Bahn : Wer den Urstrom vergisst, kommt später an

  • -Aktualisiert am

Die Fahrt mit der Bahn fällt mal richtig ins Wasser: Überflutete Gleise bei Schönhausen in Sachsen-Anhalt in diesem Juni 2013. Bild: dpa

Wenn die Elbfluten die Bahnlinie zwischen Berlin und Hannover zerstören, ist das die Folge einer simplen Fehlplanung: Plädoyer für ein radikales Umdenken im Naturschutz.

          Nach beinahe fünfmonatiger Sperrung rollen von heute an wieder schnelle Züge der Deutschen Bahn zwischen Hannover und Berlin. Im Juni war die Bahnlinie zwischen Stendal und Rathenow vom Hochwasser der Elbe überflutet worden. Seitdem war die Strecke gesperrt. Das Wasser musste zunächst einmal wieder ablaufen, dann konnte man die Strecke reinigen und reparieren. Zu den riesigen Schäden, die die Elbfluten im Frühsommer verursacht hatten, kamen weitere hinzu: Bahnfahrgäste mussten Unannehmlichkeiten auf sich nehmen, denn die Reise von Hannover nach Berlin dauerte nun eine Stunde länger. Der Bahn und ihren zahlreichen Kunden sind dadurch Schäden entstanden, die in die Millionen gehen.

          Nun könnte man darauf verweisen, die Streckensperrung sei durch höhere Gewalt ausgelöst worden, denn im Juni habe sich ja eine Katastrophe an der Elbe ereignet. Diese habe man nicht vorhersehen können. So einfach kann man sich aber nicht aus der Affäre ziehen, vor allem deswegen, weil bei den nächsten Fluten entsprechende Schäden drohen. Obwohl sich die Planer der Bahnstrecke in jeder Hinsicht an Gesetze und Vorschriften gehalten haben, begingen sie dennoch einen schwerwiegenden Fehler, weil man Gegebenheiten der Landschaft an der Elbe nicht beachtete.

          Unter Missachtung landschaftlicher Zusammenhänge

          Man ging auf Einwände von Naturschützern ein, die befürchteten, östlich von Rathenow könnten sich die vom Aussterben bedrohten Großtrappen in den Hochspannungsleitungen der Schnellbahnstrecke verfangen und zu Tode kommen. Man baute daher kilometerlange Wälle neben der Bahnstrecke, die Millionenbeträge verschlangen und böse Zungen zu der Behauptung verleiteten, man stelle hierzulande größere Summen für Vögel bereit als für Sozialhilfeempfänger. Aber die Planungsgesetze schreiben vor, dass man Belange des Naturschutzes beim Bauen zu beachten habe – und hinter dieser Vorschrift stehen wir in unserem Land.

          Dort, wo jetzt die Bahnlinie überflutet wurde, hat man beim Bau der Strecke Zusammenhänge der Landschaft missachtet. Dies aber lässt sich auf der Grundlage von Gesetzen und Vorschriften kaum ahnden. Landschaftliche Zusammenhänge erschließen sich vielmehr durch Aufklärung, Information, Bildung. Darauf wird leider kaum geachtet. Die Nichtbeachtung von Zusammenhängen der Landschaft ließ die Schäden des Elbhochwassers von 2013 erheblich anwachsen. Man konnte vorhersehen, dass in diesem Frühsommer beim Hochwasser des Flusses irgendwo zwischen Magdeburg und Havelberg ein Deich brechen würde, so dass Teile des Elb-Havel-Landes und damit auch die Bahnlinie zwischen Hannover und Berlin überflutet werden würde.

          So ist diese Landschaft entstanden

          Die Flüsse im nördlichen Mitteleuropa haben, nach Maßstäben der Geologie gerechnet, ein sehr junges Alter. Im norddeutschen Tiefland hatte sich vor zwei Millionen Jahren noch ein Meer befunden, das bis an den Rand der Mittelgebirge reichte. Dort mündeten Flüsse ins Meer. Im Eiszeitalter drückten Gletscher riesige Massen an lockeren Steinen und Sand in das Becken zwischen den Mittelgebirgen und der skandinavischen Halbinsel.

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