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Naturschutz auf Nabenhöhe Romantik ade

 ·  Thomas Gottschalk ist für Remagen ein herber Verlust. Der Stadt bleibt das Schloss Marienfels und mehr noch: Neue dünnbeinige Bauwerke sind schon im Anmarsch.

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Die frühen Rheinromantiker konnten Schloss Marienfels noch nicht kennen. Denn erst 1860 hat ein Uerdinger Zuckerfabrikant es sich als Sommerresidenz auf die Anhöhe über dem Fluss setzen lassen. Und zwar ziemlich genau an jene Stelle, von wo aus William Turner die Rheinbiegung mit dem Apollinarisberg, Remagen, Erpel und Linz gemalt hat. Heutige Rheinromantiker bewundern die Zuckerbäckerarchitektur, die von der am Ufer entlang führenden B9 aus nicht sichtbar ist, von der Strommitte aus.

Die Ausflugsdampfer und Kreuzfahrtschiffe legen einen kurzen Halt ein, um die Passagiere, die nicht mehr „Childe Harold’s Pilgrimage“ lesen, sondern „Supertalent“ sehen, zu kitzeln: Dort oben, in dem Schloss mit dem efeuumrankten Turm und der ausladenden Terrasse, wohnt Thomas Gottschalk. „Wohnte“ wird es bald heißen, denn der Entertainer möchte die Immobilie, vierzehn Zimmer, Marmor-Whirlpool, zehn Hektar bewaldeter Park, loswerden: Für 3,4 Millionen Euro hat er sie 2004 erworben und viel investiert, „der potentielle Käufer sollte“, so der Quotenkönig, „schon einen Bausparvertrag von deutlich über fünf Millionen Euro haben“.

Windräder im Blickfeld des Schlosses

Für Remagen ist das eine mittlere Katastrophe, wie es für Bonn eine wäre, wenn der Bund das Verteidigungsministerium von der Hardthöhe abzöge. Gottschalk habe der Stadt, weiß der Leiter der Touristikinformation, einen „enormen Imagegewinn“ beschert: „Seit der Eroberung der Brücke von Remagen war die Stadt nicht mehr so häufig in den Schlagzeilen!“ Der Starmoderator als Standortfaktor. Aber womöglich war Gottschalk, ohne es zu wissen, viel mehr. Eine Art Schutzpatron. Denn seine Veränderungswünsche waren noch nicht bekannt, als schon ein neuer Platzhirsch mit den Hufen scharrte. Auf Thomas folgt Uwe, der sich auf der anderen Rheinseite, vor den Vulkanhügeln des Asbergs und damit im Blickfeld des Schlosses, aufstellen will.

Mit vollem Namen heißt Uwe „Unsere Wind-Energie“, zehn Windräder mit 141 Meter Nabenhöhe sollen angepflanzt werden. Noch liegen nicht alle Naturschutzgutachten vor, auch die Änderung des Flächennutzungsplans ist nicht beschlossen, da hat der Ortsgemeinderat von Erpel sich schon einstimmig dafür ausgesprochen. Bereits 2014 sollen die Räder sich drehen und eine Landschaft, die kürzlich noch als Erweiterung des Nationalparks Siebengebirge vorgesehen war, ökologisch korrekt verunstalten. Als hätte die Region auf den Abschied von Gottschalk, der mit dem nahen Bonn als Werbeonkel für Haribo und die Post verbunden ist, nur gewartet: Kaum hat er den Verkauf seines Märchenschlosses angekündigt, wird der Ausverkauf der Rheinromantik eingeläutet.

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (1)

23.11.2012, 09:19 Uhr

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