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Nächste BER-Panne : Fluchhafen Berlin

Unentrauchbar: Der Flughafen Berlin Brandenburg. Bild: dpa

In bester Tradition des Hauptmanns von Köpenick: Der Planer der nicht funktionalen Entrauchungsanlage des Flughafen BER war gar kein Ingenieur. Für die unentrauchbare Fünf-Milliarden-Flughafen-Ruine bleibt nur eine Möglichkeit.

          Ganz früher lag an der Spree, wo jetzt Berlin ist, ein kleines Fischerdorf, das Cölln hieß. Das Wort Cölln, auch „Kollen“, bezeichnet eine bebaubare Erhebung, die aus einem Sumpf ragt, und eines der grundlegenden Probleme, die Berlin hat, seit es auf der Landkarte auftauchte, ist sein verzweifelter Wunsch, deutlich mehr als eine bebaubare Erhebung in einem Sumpf zu sein, bei gleichzeitig fehlenden Mitteln, sich aus demselben zu befreien.

          Schon Heinrich Heine schrieb, dass man sich, wenn man die Idee der Unendlichkeit in ihrer ganzen Fadheit kennenlernen wolle, nur an die Ecke Unter den Linden und Friedrichstraße stellen und links und rechts die Friedrichstraße hinunterblicken müsse. Das Ergebnis des Versuchs, Haussmanns Pariser Boulevards etwas entgegenzusetzen, war wenig später der von Prinz Wilhelm in Auftrag gegebene Innere Ring, der der alten Zollpalisade folgte und, wie der Berlin-Biograph Walther Kiaulehn schrieb, „eigentlich nur zeigte, wie man, wenn man es durchaus wollte, in einem gezackten Kreis um das bisherige Berlin herumfahren“ könnte: „Es sollte alles großartiger sein als in Paris, und es war alles ärmlicher.“

          Letzte Rettung Olympiabewerbung

          Dafür fiel Berlin im internationalen Vergleich durch eine deutlich höhere Dichte von Hochstaplern auf; der berühmteste war der Schuhmacher Voigt, der am 16.Oktober 1906 als Hauptmann verkleidet mit einem Trupp ihm arglos folgender Soldaten ins Rathaus von Cöpenick eindrang, den Bürgermeister verhaften ließ und die Stadtkasse raubte. Wenn man den Recherchen des Magazins „Stern“ glauben darf, hat dieser Hauptmann von Köpenick nun einen im Hochstapeln ebenbürtigen Nachfolger in Alfredo di M. gefunden, der beim neuen Hauptstadtflughafen bis vor kurzem zuständig für die Planung der Entrauchungsanlage zuständig, nach den Worten seines Anwalt aber gar kein Ingenieur war, wie man bisher in Berlin angenommen hatte, sondern bloß ein – offensichtlich überforderter – technischer Zeichner.

          Und nun? Politiker wie Jens Koeppen, Wirtschafts- und Verkehrsexperte der CDU-Bundestagsfraktion, fordern, dass „Neubau kein Tabu sein“ darf. Aber wozu? Der neue Flughafen ist für 27 Millionen Passagiere im Jahr ausgelegt, von Schönefeld und Tegel fliegen schon heute mehr als 24 Millionen ab, und die fehlenden drei Millionen Billigfliegertouristen, heißt es jetzt im „Tagesspiegel“, könne man doch zu den Regionalflughafen nach Cottbus und Neuhardenberg schicken.

          Das klingt sinnvoll – nur was macht man dann mit der Fünf-Milliarden-Ruine des unentrauchbaren Flughafen BER? Vielleicht ist ja Berlins Olympiabewerbung die Rettung für die überambitionierten Großbaustellen der Stadt: Aus dem sinnlosen neuen Flughafen könnte man ein schönes Leichtathletikstadion machen, aus dem Schlossnachbau ein olympisches Dorf, so etwas haben sie nicht einmal in Paris.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

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