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Nachtrag zur Guttenberg-Satire Das Plagiat des Plagiats des Plagiats

Am Dienstag lief die Guttenberg-Satire „Der Minister“ erfolgreich bei Sat.1. Sie verdankt sich dem Plagiatsfall des Politikers, ist aber selbst eine Collage, die riskant mit Zitaten umgeht.

© dpa Vergrößern Guttenberg-Darsteller Kai Schumann und sein Vorbild.

Kaum zu glauben: Da handelt ein Film von einem Politiker, dem seine plagiierte Doktorarbeit zum Verhängnis wird, und dann - finden sich im Text erstaunliche Parallelen zu Vorlagen, die nicht nur bei einer Promotion mit Fußnoten zu versehen wären. So hat einer unserer kundigen Leser in Minute 35 des Films „Der Minister“, den Sat.1 am Dienstag zeigte, genau hingehört, als es um die Sitzgelegenheit desselben ging. Es gebe „zwei Arten von Sesseln, entsprechend dem Minister, Typ eins fällt leicht um, und das andere Modell dreht sich ständig im Kreis“.

„Ermüdende Frontkämpfergeschichten“? Schon mal gehört

Michael Hanfeld Folgen:  

Das kam unserem Leser bekannt vor - aus der ersten Folge der britischen Satire „Yes, Minister“, in der es hieß: „It used to be said there were two kinds of chairs to go with two kinds of Minister: one sort folds up instantly; the other sort goes round and round in circles.“ Die Sentenz ist zu gut, als dass man sie nicht zitierte, dass sie in dem Guttenberg-Film auftaucht, kann man als Verbeugung der Drehbuchautorin Dorothee Schön vor dem in seinem feinen Witz unerreichten Vorbild verstehen.

Der Schriftsteller und ehemalige Chefredakteur der „Titanic“, Oliver Maria Schmitt, hingegen nimmt so manche Textstelle des Films, mit dem Sat.1 die Zuschauerschnapszahl von 4,44 Millionen erreichte, nicht nur auf die leichte Schulter. Schon im Trailer kamen ihm Pointen bekannt vor: die „ermüdenden Frontkämpfergeschichten“, vor denen sich das Ministerpaar beim PR-Besuch in Afghanistan fürchtet, die „muslimistischen Kopfwindeljäger“, vor denen man sich hüten muss, oder der Satz: „Ich möchte mir als Bürgerin, Frau und Mutter zweier entzückender Kinder und neuerdings auch Kinderschänderschreck selbst ein Bild von der Arbeit unserer Schutzstaffel machen.“

Nur Spießer und Versager klagen

Hatte Schmitt derlei Worte nicht selbst gesetzt? Hatte er. In dem Stück „Wüstentreff mit Guttensteph“ („Titanic“, Ausgabe 2/2011). Zitat eins: „Ich möchte mir als Bürgerin, als Gattin, als Frau und Mutter von süßen Kindern und nicht zuletzt als Kinderschänderschreck selbst ein Bild von der Arbeit unserer Schutzstaffel machen.“ Zitat zwei: „Das Risiko, dass sein Reisebuddy Johannes B. Kerner von muslimistischen Kopfwindelträgern abgeschossen werden könnte, war dem Verteidigungsminister einfach zu groß.“ Zitat drei: „ ... lauschte man gemeinsam den stinklangweiligen Geschichten verdienter Frontkämpfer.“ Ein Schmittscher „Granatenwitz“ taucht im Film auch auf.

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„Das Ganze“, sagte Dorothee Schön, die das „Minister“-Drehbuch  schrieb, gegenüber dieser Zeitung, sei „auch eine Mediencollage. Ich verneige mich vor der ,Titanic‘ und dem Spott, den sie über Guttenberg ausgegossen haben. Deren Qualität erkenne ich gerne an. Sie haben mich sicherlich genauso inspiriert wie die „Bild“-Zeitung. Aber auch Guttenbergs Stil (,ich traue Politikern nur so weit, wie ich einen Konzertflügel schmeißen kann‘) habe ich natürlich verwendet.“

Eine Klage gegen die Sat.1-Produktion hat der Originalsatiriker Schmitt nicht im Sinn, sagt er („das machen nur Spießer und Versager“). Die Drehbuchautorin habe ihm vielmehr „ein großes Lob ausgesprochen, indem sie meinen Text offenbar genau studiert hat“. Eine Rechnung will er vielleicht schon schicken.

Quelle: F.A.Z.

 
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