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Nachruf : Adios Amigo

  • -Aktualisiert am

Forever Punk: Sonnenbrillenträger Joey Ramone und seine Jungs Bild: dpa

Joey Ramone, der legendäre Sänger der Punk-Rock-Band Ramones, ist im Alter von 49 Jahren in New York gestorben. Ein Nachruf.

          Die Nachricht vom Tode des Punk-Rock-Sängers Joey Ramone verbreitete sich bei der Fangemeinde in Windeseile. Fans aus aller Welt trauern im Internet um ihren Helden. Als Sänger der Ramones verkörperte Joey den Ur-Punker schlechthin. Viele Bands berufen sich auf die Ramones und ihre Musik.

          Die Ramones gelten als die erste echte Punk-Rock-Band. 1975 tauchten die vier Jungs aus dem New Yorker Vorort Forrest Hills auf: Zerschlissene Jeans, schwarze Lederjacken, lange Haare. Ihre Musik war schnell, laut, aggressiv und trotzdem sehr melodisch. Beach Boys, Beatles und Chuck Berry waren ihre Vorbilder. Und natürlich die Stooges, die schon 1969 Punk-Rock spielten. Lange bevor es diesen Begriff überhaupt gab.

          Drei Akkorde genügten

          Sänger der Ramones war Jeffrey Hymann. Mit diesem Namen konnte man aber kein Rockstar werden. Also nannte sich der lange, schlacksige Jeffrey um in Joey Ramone. Angelehnt an Paul McCartneys Künstlernamen Ramon zu Beginn der Beatles-Ära. Seine Kumpels zogen nach und nannten sich fortan Dee Dee, Johnny und Marky. Alle mit dem gleichen Nachnamen Ramone. Drei Akkorde auf der Gitarre, ein holpriges Schlagzeug, dazu eingängige Refrains zum Mitgrölen und Texte, mit denen Teenager ihre Eltern zur Weißglut bringen konnten. Fertig war das musikalische Konzept der Ramones.

          „Hey ho, let's go“ sang Joey im „Blitzkrieg Bop“, dem ersten Stück auf dem ersten Album der Band, das 1975 erschien. Der Aufruf zierte danach das offizielle Banner der Gruppe und wurde zum Begrüßungsspruch der Fans. Und von denen gab es schnell sehr viel in der ganzen Welt. Die ersten vier Platten der Ramones waren Blaupausen für Punk-Musik. Englische Bands wie Sex Pistols und The Clash ließen sich inspirieren und coverten die Songs von Joey und seinen Jungs. Nach Plattenverkäufen waren sie schnell erfolgreicher als die Ramones, dafür hielten sich die New Yorker länger.

          13 Alben

          13 Sudio-Alben und drei Live-Platten brachte die Band bis 1995 raus. Die Musik blieb immer gleich. Experimente gab es nicht. Dafür sehr viele Bewunderer. Amerikanische Hardcore-Bands wie Black Flag oder die Dead Kennedys verfeinerten die Musik der Ramones. Mega-Bands wie Pearl Jam und Soundgarden bekundeten stets ihre Vorliebe für die Platten der New Yorker Ur-Punks.

          Seit dem offiziellen Ende der Ramones mit der Abschiedsplatte „Adios Amigos“ im Jahr 1995 warten Millionen Fans weltweit auf ein Comeback. Auf den mehr oder weniger offiziellen Internetseiten der Ramones bitten sie seit Jahren um neue Platten und Konzerte. Aber die Jungs blieben bei ihrer Entscheidung. Vor vier Jahren erfuhr Joey von seiner Krebserkrankung an den Lymphdrüsen. Die Nachricht sickerte durch und wieder schalteten sich Tausende Fans ein und wünschten ihrem Idol per Internet gute Besserung. Genutzt hat es nichts. Jeffrey Hymann, alias Joey Ramone, starb am Ostersonntag in einem New Yorker Krankenhaus im Alter von 49 Jahren im Kreis seiner Familie.

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