25.11.2004 · Der erste Versuch ist mit der Absage des Schriftstellers Andreas Maier gescheitert. Im nächsten Jahr will Potsdam aber wirklich ein Literaturstipendium vergeben - und dabei „professioneller“ vorgehen.
Trotz der mit der Absage des Schriftstellers Andreas Maier gescheiterten Vergabe eines Literatur-Stipendiums in Potsdam hält die Landeshauptstadt an dem Projekt fest. „Im nächsten Jahr planen wir einen Neustart, der professioneller sein wird“, sagte Kulturbeigeordnete Gabriele Fischer (parteilos) am Donnerstag.
Beim diesjährigen Verfahren, das mit der Absage des ausgewählten Schriftstellers Andreas Maier endete, habe es eindeutig an Kommunikation unter den Beteiligten gemangelt. Der als Potsdamer Stadtchronist ausersehene Maier hatte das Stipendium abgelehnt. Laut Fischer fühlt sich der Schriftsteller von der öffentlichen Diskussion um angemessenen Wohnraum für den Stipendiaten beschädigt.
Absurde Orte
Der aus Hessen stammende Maier war in die Schlagzeilen geraten, weil er sich ironisch über die ihm zugedachte Unterkunft in einem Plattenbau geäußert hatte. Laut Presseberichten und einem Brief der Jury an Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) hatte Maier angeführt, daß man Stipendiaten in der Regel in einem Schloß, einer Villa an der Ostsee oder einem aufgearbeiteten Bauernhaus, nicht aber in der „Platte“ wohnen lasse. Er sei allerdings bereit, sich auf „absurde Orte“ und ein solches „soziologisches Experiment“ einzulassen.
Aus Verärgerung waren daraufhin zwei Wohnungsunternehmen von ihrer Zusage zunächst zurückgetreten, Maier die Unterkunft anzubieten. Zuletzt hatten sie jedoch erklärt, dem Schriftsteller vom 1. November bis Ende Februar auf Wunsch des Kulturamtes kostenlos eine Bleibe zu überlassen. Fischer bedauerte ausdrücklich die Absage Maiers. Einen Nachrücker für das mit 6000 Euro dotierte Stipendium aus dem Kreis der 32 Kandidaten werde es nicht geben. „Jeder würde sich als zweite Wahl fühlen.“