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Nach der Messe, vor der Messe Sorgen eines islamischen Verlegers

Ein chaotischer Buchmarkt, bettelarme Bibliotheken, willkürliche Zensur und dubiose Autoren: Der Verleger Khalid Al-Maaly über das schwere Gepäck der Arabischen Liga zur nächsten Buchmesse.

© dpa Vergrößern Arabiens meistgelesenes Buch: der Koran

Kurz vor meiner Abreise nach Köln ging ich an den Zeitungskiosk im Berliner Bahnhof Zoo. Ich suchte vergebens nach arabischen Zeitschriften und Zeitungen und begnügte mich schließlich mit deutschen Publikationen. Als ich bezahlen wollte, fragte ich die Kassiererin, ob man keine arabischen Zeitungen verkaufe. Sie sagte, doch, allerdings würden diese an der Kasse deponiert und nicht mit den anderen ausgelegt - als handelte es sich um teure alkoholische Getränke oder Zigarren, dachte ich.

Dieses banale Phänomen an deutschen Bahnhofskiosken konfrontiert uns mit dem Problem des Lesens in der arabischen Welt. Denn der arabische Leser bevorzugt das kostenlose und schnelle Durchblättern, anstatt die Publikation zu erwerben und in Ruhe durchzulesen.

Bettelarme Bibliotheken

Der Bericht der UNDP von 2002 zeigt einen Teil des Problems auf. 280 Millionen Menschen leben heute in den arabischen Ländern, etwa fünf Prozent der Weltbevölkerung. Fünfundsechzig Prozent von diesen 280 Millionen sind Analphabeten. Diese Menschen leiden unter mangelnder Bildung, Armut und fehlenden Freiheiten. Weitere Millionen können zwar lesen und schreiben, allerdings geben sie das Lesen nach Ende der Schulzeit oder ihres Studiums oft auf. Daß die meisten öffentlichen Bibliotheken in der arabischen Welt bettelarm sind, versteht sich von selbst.

So verwundert es nicht, daß der arabische Verleger heute maximal ein- bis zweitausend Exemplare eines neuen literarischen, soziologischen oder philosophischen Werks druckt. Wenn er Glück hat, gelingt es ihm, diese Auflage nach drei oder vier Jahren zu verkaufen und auch wirklich das Geld dafür zu bekommen. Denn der Buchmarkt in allen arabischen Ländern ist chaotisch. Er wird einerseits bestimmt von den Beziehungen zwischen Buchhandlungen, Großhändlern und jenen Institutionen, die bestimmte Mengen an Neuerscheinungen kaufen könnten, und auf der anderen Seite von den Verlegern. Kein Gesetz kann hier eingreifen. Denn der Verleger wird ganz einfach ignoriert, von den Buchhandlungen, den Großhändlern, den offiziellen oder halboffiziellen Institutionen mißachtet. Sie bezahlen ihre Rechnungen nicht und verschwinden. Oder sie bezahlen mit der Bedingung, zusätzliche Preisnachlässe zu bekommen, oder nachdem sie Bestechungen gezahlt haben, oder aber sie zahlen einfach mit sehr großer Verspätung.

Beschlagnahmte Bücher

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Die meisten arabischen Bibliotheken kaufen keine Neuerscheinungen. Die Buchhandlungen leiden unter dem zurückgehenden Interesse der Käufer. Oft werden die Bücher, die sie bestellt haben, auch beschlagnahmt, obwohl sie bereits erschienen oder auf Buchmessen vorgestellt und verkauft worden sind. Einige Titel, die bereits eine offizielle Erlaubnis bekommen haben, werden dennoch beschlagnahmt, aus Gründen, die weder dem Importeur noch dem Verleger bekannt sind.

Bei diesen willkürlichen Zensurmaßnahmen kann ich als Verleger nicht wissen, warum etwa die Kurzgeschichten von Ingeborg Bachmann in diesem oder jenem arabischen Land verboten sind oder die Kurzgeschichten von Rainer Maria Rilke oder die Gedichte Gottfried Benns. Die Werke von Karl Marx werden erlaubt, aber das Werk eines arabischen Dichters aus dem achten Jahrhundert nicht. In mehreren arabischen Ländern stehen beispielsweise die erhaltenen Gedichte eines Dichters, der in Bagdad im Jahr 922 gekreuzigt und dessen Asche in den Tigris geworfen wurde, auf dem Index. Das Buch eines Autors wird verboten, weil er eine bestimmte Quelle zitiert hat. Für Verleger und Autoren bleiben die Gründe für diese Verbote oft schleierhaft.

Nur der Koran

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