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Nach der Alkoholfahrt Margot Käßmanns Erschrocken

23.02.2010 ·  Die Häme sei schlimmer als der Strafbefehl, hat Dietrich Schorlemmer über die Trunkenheitsfahrt Margot Käßmanns gesagt. Schon möglich. Aber auch für wasserpredigende Weintrinker gilt: Nur darüber zu erschrecken, genügt nicht.

Von Hannes Hintermeier
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Es ist ja nicht so, dass es an Warnungen gefehlt hätte. Das Buch der Bücher hat da eine ganze Palette zur Auswahl. Der Evangelist Lukas, der am letzten Sonntag davon berichtet hat, wie Jesus nach vierzigtägigem Fasten beinahe kaltschnäuzig den Versuchungen des Teufels widerstand, mahnt im Hinblick auf das Ende aller Tage eine moderate Lebensführung an. „Nehmt euch in Acht, dass Rausch und Trunkenheit und die Sorgen des Alltags euch nicht verwirren und dass jener Tag euch nicht plötzlich überrascht.“

Absolute Fahruntüchtigkeit kannte der Evangelist noch nicht. Er war eher zu Fuß unterwegs. Das hätte seine Glaubensschwester Margot auch beherzigen sollen. Zwar wissen wir nicht, ob sie im „bell’Arte“ war, ihrem Lieblingsrestaurant am Sprengel Museum in Hannover, denn dahin hätte sie eigentlich zu Fuss gehen müssen. Stattdessen, rumms, mit dem Dienst-Phaeton über eine rote Ampel. Mitten in der Innenstadt. „Ich bin über mich erschrocken“, so hat sie es der „Bild“ gestanden, die mal wieder als Erste bei der Blutabnahme war – so wie damals am Krankenbett und beim Scheidungsrichter.

Frauenpriestertum ist kein Spaziergang

„Erschrocken“, das sagt sich so leicht. Zunächst mal wird sie über die Polizeistreife erschrocken sein, und dass man ihr nicht glaubte, nur ein Glas getrunken zu haben, in der Fastenzeit, die bei den Protestanten „7 Wochen ohne“ heißt. War auch ein bisschen viel in letzter Zeit, erst seit Ende Oktober im Amt und gleich so viele Attacken, Ausfälle und Fettnäpfe, nichts ausgelassen, ständig in alle Mikros und Kameras mahnen, und dann die permanenten Korrekturen und War-nicht-so-Gemeints – auch Frauenpriestertum ist alles andere als ein Spaziergang. Dies wissend, bedienen sich katholische Würdenträger eines Chauffeurs, damit Spiritualität keine Bedeutung bekommt, die sie nicht haben sollte.

Margot Käßmann, die den Tag mit der Lektüre einer Herrnhuter Losung beginnt, könnte jetzt zum Beispiel den Psalm 6,3 beten: „Herr, sei mir gnädig, denn ich bin schwach; heile mich, Herr, denn meine Gebeine sind erschrocken“. Und in der führerscheinfreien Zeit sollte Kardinal Lehmann oder sein Münchner Amtsbruder Marx einen ökumenischen Umtrunk in Rom organisieren (der Papst bleibt allerdings bei seiner Adelholzener Limo), und bei 1,54 Promille wird abgeriegelt. Wer danach noch immer auf Trennung der Kirchen besteht, kann mit der dann womöglich ehemaligen EKD-Ratsvorsitzenden und Friedrich Schorlemmer („Häme ist schlimmer als der Strafbefehl“) weiterluthern.

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Jahrgang 1961, Redakteur im Feuilleton.

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