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Nach den Oscars 2013 Die Zukunft des Films diesseits der Gala

Die Oscar-Nacht mit Seth MacFarlene wollte jung sein und hip, warf aber fast nur mit alten Kamellen um sich. Als großer Verlierer ging Spielberg nach Hause, die Sieger hießen Affleck und Waltz.

© dpa Vergrößern Oscar 2013: Die schönsten Momente

Wenn wir der amerikanischen First Lady und der Academy glauben wollen, die sage und schreibe neun Filme ins Rennen um den Oscar für den Besten Film schickte, ist das Kino prächtig in Schuss. Und wir könnten aus dieser Oscar-Nacht optimistisch in die Zeitrechnung für die Oscars 2014 gehen. Aber sind die Sieger dieser Nacht tatsächlich solche, bei denen wir die Zukunft des Films aufscheinen sehen?

Verena Lueken Folgen:    

Ben Afflecks Film „Argo“, der einen imponierenden Zug durch die Preisgalas der letzten Monate hinter sich hat und nun drei Oscars gewann (Drehbuch, Schnitt, Hauptpreis), ist ein netter, teilweise sehr lustiger Film mit einer zentralen Fehlbesetzung (Affleck als Troubleshooter der CIA), der auf einer wahnwitzigen wahren Geschichte beruht, die vielleicht gerade jetzt die Amerikaner begeistert. Kurzfassung: Wir sind besser als die Iraner, denn wir haben Hollywood. Seltsamerweise hat schon seit Monaten niemand im Mutterland der „political correctness“ mehr erwähnt, wie chauvinistisch hier die Iraner gezeichnet werden - bärtige Schreihälse mit zuckenden Fingern am Abzug ihrer Schnellfeuerwaffen. Ist das der Film, der für das „große Kinojahr“ steht, das Michelle Obama in ihrem Überraschungsauftritt per zugeschaltetes „Live“-Video aus dem Weißen Haus besang, bevor sie den Oscar für „Argo“ als besten Film des Jahres ausrief?

161315061 © AFP Vergrößern Der Rest ist Dank: Christoph Waltz verbeugt sich mit seinem zweiten Oscar

Oder „Life of Pi“ - sentimental und visuell überwältigendes Kino in 3D, mit einer Geschichte, die auf einen Bierdeckel passt? „Life of Pi“ holte vier Trophäen, einschließlich der für die beste Regie. Gerade der Regie-Oscar ist, angesichts des minimalen Stoffs, der in einer Überfülle von Details inszeniert wird, keineswegs so überraschend, wie er für Steven Spielberg kam, mit dem viele für „Lincoln“ als besten Regisseur gerechnet hatten.

Ein Ständchen für die Verlierer - mit dieser wenig taktvollen Idee endete am Montagmorgen die über weite Teile uninspirierte, augenblicksweise geschmacklose Oscar-Show, bei der es einen großen Verlierer gab: Steven Spielberg. Mit zwölf Nominierungen war sein Film „Lincoln“ ins Rennen gegangen, gewonnen hat er dann zwei, für die Ausstattung und seinen Hauptdarsteller, Daniel Day-Lewis.

Der allerdings hatte eine Überraschung zu bieten: Er hat Humor! Und so verbeugte er sich vor Meryl Streep, die seinen Oscar verkündete, noch während sie den Umschlag öffnete, indem er erzählte, sie hätten Rollen getauscht, denn er sei als Margaret Thatcher verpflichtet gewesen, was sie zu Mister Lincoln gemacht hätte. Auch seiner Frau Rebecca rief Day-Lewis nicht einfach zu, er liebe sie, wie es fast alle anderen Gewinner mit ihren Partnern getan hatten. Er erklärte erst mal seine Art, den Figuren, die er spielt, unter die Haut zu kriechen und dort bis zum Drehende zu bleiben, als anstrengend und pries seine Frau dann als ideale Gefährtin für ihn in jeder Inkarnation. Dass er dazu den Abdruck ihres Lippenstifts auf der Wange trug, machte die Sache noch charmanter.

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Charme war sonst eher selten in dieser Nacht. Moderiert hat der Komiker Seth MacFarlane, und seine Witzchen plumpsten ohne Nachhall ins Auditorium. Channing Tatum and Charlize Theron sangen und tanzten eine Nummer aus „Swing Time“, als wollten sie beweisen, dass immer noch niemand tanzen und singen kann wie Fred Astaire und Ginger Rogers, Barbara Streisand sang den traurigen Song des verstorbenen Marvin Hamlisch „The way we were“, Adele das Siegerlied aus „Skyfall“, es gab eine „Chicago“-Nummer mit Catherine Zeta-Jones und natürlich sattes Zwitschern und Schreien aus „Les Misérables“. Mehr gesungen als in diesem Jahr wurde vermutlich nie. MacFarlane sollte ein jüngeres Publikum anziehen, aber dem wurden dann lauter alte Kamellen vorgesetzt.

Was uns zu Quentin Tarantino bringt. Sein Film „Django Unchained“ ist das Gegengift zu jeder Klamotte mit Gesang. Er gewann für das beste Originaldrehbuch, Christoph Waltz, einer seiner Hauptdarsteller, gewann als bester Nebendarsteller. Auch Tarantino meinte, es sei ein großes Jahr gewesen - aber wenn er gegen Ben Affleck verliert, Paul Thomas Anderson gar nicht nominiert wird, Kathryn Bigelow aus politischen Gründen aus dem Rennen fällt und Michael Haneke zwar den Auslands-Oscar gewinnt, aber bei Regie gegen Ang Lee und beim Hauptpreis gegen Affleck verliert, dann muss man sagen: Ja, es war ein großes Kinojahr. Aber nicht bei den Oscars.

Die Sieger

Bester Film: Argo (Ben Affleck)

Bester nichtenglischsprachiger Film: Amour (Michael Haneke)

Animationsfilm: Brave (Mark Andrews)

Dokumentarfilm: Searching for Sugar Man (Malik Bendjelloui, Simon Chinn)

Regie: Ang Lee (Life of Pi)

Hauptdarstellerin: Jennifer Lawrence (Silver Linings Playbook)

Hauptdarsteller: Daniel Day-Lewis (Lincoln)

Nebendarstellerin: Ann Hathaway (Les Misérables)

Nebendarsteller: Christoph Waltz (Django Unchained)

Originaldrehbuch: Quentin Tarantino (Django Unchained)

Adaptiertes Drehbuch: Chris Terrio (Argo)

Kamera: Claudio Miranda (Life of Pi)

Schnitt: William Goldenberg (Argo)

Musik: Mychael Danna (Life of Pi)

Song: Adele, Paul Epworth (Skyfall)

Ausstattung: Rick Carter (Lincoln)

Kostüme:  Jacqueline Durran (Anna Karenina)

Maske: Les Misérables

Ton: Les Misérables

Tonschnitt: Zero Dark Thirty

Spezialeffekte: Life of Pi

Kurzspielfilm: Curfew

Kurzanimationsfilm: Paperman

Kurzdokumentarfilm: Inocente

Quelle: F.A.Z.

 
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