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Mutterbilder : Kinder einer Generation

Bild: dpa

Das Mutterbild früherer Zeiten liegt immer noch wie ein Schleier über unserer Gegenwart. Zugleich ist die neue Rollenerwartung so hoch, dass vielen Frauen angst und bange wird.

          Als Mädchen war ich im Leichtathletikverein des Nachbarortes, einer Kleinstadt in der süddeutschen Provinz. Irgendwann stand ein neuer Trainer auf dem Sportplatz. Er war ein freundlicher Typ, mit lächelnden Augen und einem Schnauzbart, wie es damals, Mitte der achtziger Jahre, noch üblich war. Wir mochten ihn. Irgendwann sagte jemand, dass unser Trainer, wenn er nicht auf dem Sportplatz stand, den ganzen Tag zu Hause sei, dass er für seine Töchter Mittagessen koche und mit ihnen Hausaufgaben mache, dass er wasche und putze, während seine Frau zur Arbeit gehe. Das Wort Hausmann kannten wir nicht, nur Väter, die arbeiteten, und Mütter, die morgens nicht ins Büro fuhren, sondern den Haushalt machten. Irgendetwas, dachten wir, stimmte mit unserem Trainer nicht.

          Karen Krüger

          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Vieles hat sich seitdem verändert, und denkt man darüber nach, was sich alles getan hat in Sachen Geschlechtergleichheit, dann muss man bei aller Unzufriedenheit, dass die derzeitige Situation nicht eine noch bessere ist, einmal festhalten, dass die Veränderungen fast so tiefgreifend sind wie der Sprung von der Schreibmaschine zum Computer. Väter, die sich über Jahre um das Wohl der Kinder kümmern, während die Frau Karriere macht, sind immer noch selten. Aber es ist selbstverständlich geworden, dass Frauen arbeiten, und es gibt Strukturen, die das auch Müttern ermöglichen; zum Beispiel gibt es Vätermonate und viel mehr Kita- und Krippenplätze als früher, und es gibt Kinder- und Elterngeld. Trotzdem reicht das nicht aus, um zu verhindern, dass die Anzahl der Babys, die geboren werden, immer weiter sinkt.

          Der Druck der Demographie

          Händeringend wird nach Ursachen gesucht, und es vergeht kaum eine Woche, in der nicht irgendwo darüber gesprochen, geschrieben oder gestritten wird und in der keine Vorwürfe und Vorschläge gemacht werden, die kinderlose Frauen, auch wenn dies niemals so deklariert werden würde, zum Kinderkriegen animieren sollen. Ich höre dann sehr genau zu. Denn es geht dabei um mich und um viele meiner Freundinnen, die wie ich in den Achtzigern noch Mädchen waren, deren Mütter Hausfrauen gewesen sind und die sich über Hausmänner wunderten, weil sie mit einem anderen Rollenverständnis aufgewachsen sind.

          Jetzt tickt, wie es so unschön heißt, unsere biologische Uhr, wir sind in den entscheidenden Jahren. Längst geht es dabei nicht mehr nur um ein Ja oder Nein zum Mutterglück, sondern auch darum, wo wir heute und wo wir eines Tages in dieser Gesellschaft stehen werden. Es ist schon jetzt nicht immer leicht zu ertragen, wie über uns gesprochen wird. Jeder glaubt, er habe etwas Bedeutendes mitzuteilen zu diesem Thema, das eigentlich ein sehr intimes ist, das dann aber, als klar wurde, dass Deutschland sich auf einen demographischen Gau zubewegt, zu einem Thema von Politik und Öffentlichkeit wurde. Die Frauen meiner Generation finden sich in dem deprimierenden Zahlenwerk von Statistiken wieder, die belegen, dass sie zum Grundübel einer überalterten Gesellschaft geworden sind. Wie konnte das passieren?

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