Aktualität ist das Stichwort, unter dem Jérôme Sans und Nicolas Bourriaud in der neuen Pariser Kunsthalle Musik, Kunst, Film, Literatur und Design unters Volk bringen werden.
Am Montagabend stand Sans bei der lang erwarteten Eröffnungsparty erstmal selbst als DJ hinter dem Mischpult. In den ersten fünf Tagen wird gefeiert. Mit Künstlergesprächen in Ausstellungen, Filmvorführungen, Modenschauen, Konzerten. Eine erste Probe des Programms an diesem Dienstag: Begrüßungstee mit Miss China, Treffen mit dem Künstler Loris Cecchini, Performance mit Paola Pivi, Konzert mit "Bauchklang", Musik mit DJ Alex Kid, um 12 Uhr Nachts ist Schluss.
Ein international vollkommen neues Konzept
Im Gespräch mit FAZ.NET betont Jérôme Sans, das hier ein Ort geschaffen wird, der ohne bürokratische Hürden und langwierige wissenschaftliche Aufarbeitung spontan interessante Projekte einladen und mit Autoren arbeiten will. Zwischen Hoch- und Popkultur wird hier nicht mehr unterschieden.
Das, was angesagt ist, das, was überraschend neue Aktualität erlangt hat oder sonst wichtig erscheint, soll lebendig, sozusagen wie am Küchentisch verhandelt und möglichst schnell öffentlich gemacht werden. An jedem Tag kann man Musik hören, tanzen, Filme sehen, Literatur und Kunst, Mode und Design genießen - und zwar von 12 Uhr Mittags bis 12 Uhr Nachts. Kulturelles Leben wird damit an diesem experimentellen Ort neu aufgemischt. Exklusive Zirkel, - die Musikfreunde, Kunstfreunde, Modefans - werden aufeinander treffen, statt abgeschottet sich nur mit sich selbst zu beschäftigen. Die Pariser Kunsthalle geht international damit vollkommen neue Schritte unter den Ausstellungshäusern. Heraus aus einem etablierten Kulturbetrieb, dessen bürokratisches Personal als zu oft Dienst nach Vorschrift macht, führt der Weg hinein in einen, der mit einer schlanken Verwaltung von Neugier und Begeisterung angetrieben wird.
Jérôme Sans ist die Authentizität des Ortes besonders wichtig: "Schließlich sieht Ihre Wohnung ja auch anders aus als meine. Es wäre ja schrecklich, wenn es anders wäre. In diesem Sinne wollen wir einen unverwechselbaren Ort schaffen, der sich zwischen den immer uniformer wirkenden Museen unterscheidet, nicht so wissenschaftlich und schwerfällig."
Wissenschaftliche Distanz soll vermieden werden
Näher ans Leben, näher an die Dinge, näher an das tägliche Leben will Sans. Damit soll ein möglichst breites Spektrum zeitgenössischer Kultur gleichwertig nebeneinander erlebbar werden. "Wir wollen leicht sein und zeigen, was Gegenwartskultur hier in Paris bedeutet. Genauso international und vielfältig wie die Stadt wird auch unser Programm sein."
Finanziert wird die Werkstatt der Künste mit 1,7 Millionen Euro vom französischen Staat. Ebensoviel Geld kommt aus privaten Sponsorentöpfen. Programm und Fundrasing werden zunächst von einer kleinen Mitarbeiterschar gesteuert. Sans betont, das für sein Team überdurchschnittlich engagierte Mitarbeiter an Bord geholt wurden. An diesem Montag sind sie in See gestochen. Mit vereinten Kräften bringen sie das Schiff hoffentlich gut in Schwung und halten den eingeschlagenen Kurs. Denn er verspricht erfrischend geradlinig in eine spannende Zukunft zu führen.