20.07.2001 · Mit dem 41-jährigen Mark Getty tritt nun in London eine neue Generation großzügiger Kultursponsoren auf den Plan.
Von Katja BlombergMark Getty heißt der jüngste Sponsor der National Gallery in London. Zusammen mit seinem Onkel Gordon Getty übergab er dem Museum am Londoner Trafalgar Square jetzt umgerechnet 32 Millionen Mark, die für die Sanierung des Ostflügels der Bildergalerie verwendet werden sollen.
Die im amerikanischen Ölgeschäft seit Anfang des 20. Jahrhunderts steinreich gewordene und inzwischen weit verzweigte Getty-Dynastie, engagiert sich nicht nur in dem berühmten Getty-Center in Malibu im großen Stil für das kulturelle Erbe der Menschheit. Auch in London gehört der Name Getty zu den wichtigsten Geldgebern, wenn es um die Pflege und die Präsentation von Kunst und Kultur geht.
Verzweigte Familie
John Paul Getty II, jetzt Sir Paul Getty, britischer Bürger und Vater von Mark Getty, hatte der Londoner National Gallery 1985 im Ganzen 50 Millionen Pfund geschenkt. Damit ist er der bisher wichtigste private Geldgeber einer britischen Kunstinstitution. Kritiker meinten, sein Engagement sei auf eine Rivalität zu seinem Bruder John Paul Getty I in Los Angeles zurück zu führen.
Genau einen Tag nachdem die National Gallery nun in diesem Juli das 10-jährige Bestehen des Sainsbury-Wings feiern konnte, - der in seinem Namen an die großzügige Spende der Sainsbury-Familie (Lebensmittelkette) zur Sanierung des West-Flügels erinnert - hat Mark Getty seine Schenkung offiziell bekannt gegeben. Das war sicher kein Zufall, wollte er doch die großen mäzenatischen Taten seines Vaters hervorheben.
Gezielte Schenkung
Mit der jüngsten Schenkung sollen die Eingangshalle, ein Café, sanitäre Anlagen und neue Zugänge im Erdgeschoss des prächtigen Museums gebaut werden. Der nördliche Teil des Trafalgar Square soll für eine noch größere Öffnung nach außen in eine Fußgängerzone verwandelt werden.
Hintergrund ist, das Andenken an Sir Paul Getty nun auch im Namen der National Gallery sichtbar zu machen. Am liebsten hätte die Familie wohl die Umbenennung des Ostflügels in Getty-Wing. Aber dagegen wendet sich Museumsdirektor Neil MacGregor entschieden, wie der „Guardian“ berichtet. Nach einem Bericht des „Independent“ wird es auf eine Namenstafel hinauslaufen.
Neue Generation
Der 1960 geborene Mark Getty wäre übrigens auch ohne sein immenses Erbe in der Lage für die großzügige Spende an die National Gallery gewesen. 1993 war er Mitbegründer der Getty Images, Inc., eines der weltgrößten digitalen Bildarchive.