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Münchner Philamorniker Karajanesk

22.07.2009 ·  Ein Generalmusikdirektor müsse ein Orchester prägen, hatte Christian Thielemann gesagt und mehr Rechte bei der Vertragsverlängerung gefordert. Doch sein Programm hatte demgegenüber nicht genug Überraschungsmomente. Der Stadtrat lehnte die Verlängerung ab.

Von Holger Noltze
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Die Münchener Philharmoniker suchen gerade eine Soloposaune und einen Tutti-Kontrabass, ist auf der Homepage des Orchesters zu lesen. Dass sie auch einen neuen Generalmusikdirektor suchen, davon wusste die Seite gestern noch nichts. Notorisch gut informierte Münchener Munkelkreise hatten es allerdings schon länger grummeln und knirschen gehört: Das Verhältnis Christian Thielemanns zum Orchesterintendanten Müller sei nicht störungsfrei, nicht einmal das zur Truppe.

Vorgestern enthüllte die „Abendzeitung“, der Maestro wolle seinen Verlängerungsvertrag nicht gegenzeichnen, sofern ihm das Recht, Gastdirigenten und deren Programme zu bestimmen, nicht gewährt werde. Eine solche Entmachtung des erst im letzen Jahr neuberufenen Intendanten wolle aber eine Mehrheit im Münchener Stadtrat nicht akzeptieren. „Zieht also Thielemann, wie ja auch Lohengrin leider weitermuss?“, fragten sich besorgt die bayerischen Wagner-, Brahms- und Pfitznerfreunde, die auf den dunkelgrundierten Thiely-Sound ihrer Philharmoniker nicht verzichten möchten. „Gewisse Dinge müssen in einer gewissen Weise geregelt werden“, orakelte der Schwierige noch vor der Ratssitzung gestern, und dass er sich mit Müller durchaus verständigen könne, sofern dieser „Rücksprache“ halte, aber bitte „verbindlich“.

Unriskant und einfarbig

„Kann die Münchener Kulturpolitik sich solche karajaneske Geste gefallen lassen?“, fragten sich besorgte Demokraten, denen die Machtansprüche der mit Steuermitteln bestallten Maestri sowieso suspekt sind. Sie hätte es sich leisten können, wenn das künstlerische Ergebnis schwer genug gewogen hätte. Ein GMD müsse prägen, prägen, prägen, sagt Thielemann immer wieder. Von Markenbildung reden andere. Doch die Programme der zurückliegenden Saison, so erstklassig dunkeldeutsche Wertarbeit hier auch geliefert wurde, konnten einem auch unriskant und einfarbig vorkommen: Der Chef machte Strauss, Brahms, Bruckners Dritte und Beethovens Neunte, der Rest den Rest. Die Musikweltstadt München kann sich mehr leisten. Es gibt noch so viel gute Musik. Vielleicht wird sie auch Christian Thielemann noch entdecken, in Dresden oder anderswo. Dann hätte die in der gestrigen Stadtratssitzung gefällte Entscheidung, seinen Vertrag nicht zu verlängern, für beide Seiten ihr Gutes.

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