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Münchner Ergebnisse Heimat, Heimat, du bist bayerisch

 ·  Ein Blick auf die Isarauen und auf Fischer vor der Fraueninsel: Lokalkolorit bestimmt die Auktionen von Neumeister in München. Doch das teuerste Los kommt vom Berliner Realisten Menzel.

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Adolph Menzel schaffte es im aktuellen Halbjahresresümee von Neumeister ganz nach vorn. Wie berichtet, erzielte eine Sonderauktion des Hauses mit zwanzig Zeichnungen und einem Ölbild des Berliner Realisten, eingeliefert aus einer Privatsammlung, Einzelpreise bis zu 330000 Euro: Dieses Gebot - der dritthöchste Auktionspreis für ein Blatt von Menzel bisher -, galt dem Pastell „Studie zum Opernball“ von 1853.

Da konnten, auch mit guten Ergebnissen, weder die Alten Meister noch die neue Kunst mithalten, auch nicht Antiquitäten, Kunsthandwerk, Design und Afrikana. Mit Otto Dix besetzt ein anderer berühmter Realist die nächsten Plätze: In der Moderne-Auktion kam seine muntere „Zirkusszene“ von 1923 - das Aquarell zeigt eine rotmähnige Artistin, auf ihrem Schimmel balancierend - auf 200.000 Euro (Taxe 190.000/220.000). Sein winziges Baby-Söhnchen Ursus, im Steckkissen brüllend und rot vor Wut, porträtierte Dix 1927 mit Farbkreiden: Für 190000 Euro ging das Blatt, leicht unter der Obertaxe, an ein Telefongebot, hinter dem wieder einmal ein griechischer Sammler gesteckt haben soll.

In diesem Part zur Klassischen Moderne animierten weitere Arbeiten auf Papier und Malpappe: Der Zuschlag für Lesser Urys Pastell „Allee im Tiergarten“, die von Reitern, Oldtimern und der Trambahn belebt ist, erging bei erwarteten 60.000 Euro an den Neumeister-Gesellschafter und Kunstsammler Wolf-Rüdiger Bub, und Kirchners Bleistiftzeichnung „Mädchen am Tisch (Fränzikopf)“ machte einen Satz von 10.000 auf 17.000 Euro. Bei den Zeitgenossen überraschte dann eine der farbstarken Abstraktionen von Johann Georg Müller: „Der Morgen“, ein Ölbild verschlungener Rundformen von 1967, konnte seine Taxe mit 82.000 Euro verdoppeln.

Anderswo hatten die Schätzer richtiggelegen: mit 35.000 Euro für Tony Bevans Selbstbildnis „The Seer“, mit dem gleichen Preis für Markus Lüpertz’ Corot-Paraphrase „Die Kühe“ und mit 25.000 Euro für Fritz Königs bronzene „Kleine Quadriga“. Einen Knaller bot die Design-Auktion: Dort fuhr Jean Royères um 1950 entworfenes Set zweier Tische mit Wellenzargen samt sechs Stühlen 19.000 Euro ein - den zehnfachen Schätzpreis. Einen Hochsprung verzeichneten auch die Afrikana mit der Maske ihres Katalogtitels: Große Brauenbögen, winziger Mund und unterschiedlich gefärbte Gesichtshälften kennzeichnen ein Artefakt der Jonga (Republik Kongo), das von 8000 auf 17.000 Euro schnellte.

Wie stets bei Neumeister beanspruchten Gemälde des 19.Jahrhunderts - und dabei insbesondere bayerische Heimatmotive - in beiden Veranstaltungen zur Alten Kunst breiten Raum. Erst bei 94.000 Euro (28.000/32.000) endete im März ein bemerkenswerter Bietwettbewerb um Heinrich Adams in Öl festgehaltenen „Blick von Thalkirchen auf München“, der vom sogenannten „Asam-Schlössl“ über die Isarauen bis zur Stadtsilhouette am Horizont schweift. Heinrich von Zügel, ein Wegbereiter der „Dachauer Schule“ und ihrer Landschaftsmalerei, fixierte um 1882 eine dickwollige Schafherde „Bei Dachau - Münchner Allee bei der Rotschweige“; das Werk erzielte taxgerecht 60000 Euro.

Auch den Seen des Voralpenlands mangelte es nicht an Zuneigung: Josef Wopfners „Zugnetzfischer vor der Fraueninsel“ brachten 33000 Euro (33.000/35.000), Friedrich Voltz’ Kuhherde „Am Starnberger See“ 30000 Euro (23.000/25.000). Und mit Prinz Karl von Bayern, gekonterfeit von Joseph Stieler, betrat auch ein Mitglied des über diese Bilderbuchlandschaften einst gebietenden Herrscherhauses die Bühne; das Brustbild des Braungelockten im grünen Mantel fand seinen neuen Platz für 38.000 Euro (35.000/40.000). Östliche Gegengewichte kamen in Gestalt zweier Zaren zum Zuge, als sich ein Russe eine simple kleine, kyrillisch mit „St.Petersburg 1815“ bezeichnete Bronzefigur AlexandersI. für 6000 Euro (800/900) gönnte und dann Nikolai Sverchkovs Porträt des ordensgeschmückten AlexandersII. zu Pferde satte 75.000 Euro (20.000/25.000) in die Kasse brachte.

Gegen den Strich bürsteten wählerische Bieter im Juni die Erwartungen bei den Alten Meistern: So fielen die beiden vom älteren Lucas Cranach und seiner Werkstatt gefertigten Porträts sächsischer Kurfürsten trotz Expertenbriefen und moderater Taxen (um 135.000 und um 75.000 Euro) durch. Hingegen kletterte die freizügige Darstellung eines Kavaliers zwischen drei munteren Kurtisanen von 10.000 auf 51.000 Euro: Ein Schweizer Käufer übernahm dieses Christian Gillisz. van Couwenbergh zugeschriebene Gemälde, das noch den Einfluss der Utrechter Caravaggisten nachklingen lässt. Eine weitere stolze Karriere glückte dem signaturlosen, vermutlich Platon darstellenden und im Stil an Jusepe de Ribera erinnernden Bild eines weißbärtigen Alten, zog es doch für 51000 Euro (12.000/15.000) nach Frankreich.

Beim 19.Jahrhundert rückte wieder bayerisches Genre in den Fokus von Sammlern und Händlern, die Lorenzo Quaglio, Johann Sperl und Josef Wopfner über die 20.000-Euro-Marke hoben. Und diesmal fiel der Hammer auch bei Skulptur und Plastik öfters spät: Zum Beispiel schaffte es ein romanisches Kruzifix aus Limoges, es trägt noch Reste von Grubenschmelz und Vergoldung des 13.Jahrhunderts, auf 26000 Euro (10.000/15.000) - wohl auch deshalb, weil es einst Otto Bernheimer gehörte. Und eine niederbayerische Apostelfigur aus Ton kehrte in die Gegend ihrer Entstehung zurück, nachdem 22.000 Euro (10.000/15.000) bewilligt waren.

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