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Haus der Kunst in München : Sollen die Nazis das letzte Wort aus Stein haben?

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Mit der Eröffnung des nationalsozialistischen Ausstellungshauses erhielt der Englische Garten 1937 einen Orientierungs- und Blickpunkt, den er nach dem Konzept seiner Erfinder niemals hätte haben sollen. Bild: Picture-Alliance

Die Bäume sind kein Zeichen falscher Scham: David Chipperfields Ideen für den Umbau des Hauses der Kunst bedrohen den Englischen Garten. Ein Gastbeitrag.

          Der Architektenwettbewerb zum Umbau des Hauses der Kunst in München fand unter Ausschluss der interessierten Öffentlichkeit statt. Umso heftiger waren die Reaktionen, als der Wettbewerbssieger David Chipperfield im September 2016 seine Ideen vorstellte. Nach Chipperfields von Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) zunächst enthusiastisch begrüßter Konzeption soll die ursprüngliche Anmutung des Ausstellungsbaus wiederhergestellt werden, insbesondere durch Beseitigung der Baumreihe vor der Fassade. Die öffentliche Kritik gipfelte im Vorwurf des Architekturhistorikers und Direktors des Münchner NS-Dokumentationszentrums Winfried Nerdinger, Chipperfield betreibe „Renazifizierung“.

          Sichtbarkeit der Institution erhöhen

          „Hauptstadt der Bewegung“ und „Hauptstadt der deutschen Kunst“ – diese propagandistischen Ehrentitel trug München im Nationalsozialismus. Beide Zweckbestimmungen sind noch heute in der bayerischen Landeshauptstadt durch Gebäude präsent, die nach Entwürfen des Architekten Paul Ludwig Troost in den Jahren 1933 bis 1937 entstanden: am Königsplatz der „Führerbau“ – heute Staatliche Hochschule für Musik und Theater München –, als sein Pendant der „Verwaltungsbau der NSDAP“ – heute Sitz des Zentralinstituts für Kunstgeschichte und anderer Kunstinstitute – sowie das als vor achtzig Jahren als „Haus der deutschen Kunst“ eröffnete Haus der Kunst am südlichen Rand des Englischen Gartens. Diese im Krieg nicht zerstörten, unter Denkmalschutz stehenden Gebäude repräsentieren die erste Phase der Architektur des nationalsozialistischen Regimes. Während die Parteibauten 1945 einem programmatischen Funktionswechsel unterzogen wurden, ist das Haus der Kunst ein Gebäude für Kunstausstellungen geblieben, freilich mit konträrem inhaltlichen Spektrum.

          Das Haus der Kunst mit seinen charakteristischen Säulen.

          Chipperfield möchte einen Prozess zum Abschluss führen, den die Vorgänger des seit 2011 amtierenden Direktors Okwui Enwezor begonnen haben: Die Sichtbarkeit der Institution soll durch das Freilegen der architektonischen Struktur des Gebäudes erhöht werden. Die geplante, durchaus plausible Freilegung von Innenräumen und Sälen wird sich an der Sensibilität für die zukünftigen Nutzungen messen lassen müssen. Der vorgesehenen äußeren Entblößung des heute – wenigstens im Sommerhalbjahr – durch Bäume und andere Vegetation weitgehend verhüllten Gebäudes hingegen muss entgegengetreten werden.

          Unbequeme Baudenkmäler verhüllen

          Diese äußere Situation soll hier aus städtebaulicher Perspektive betrachtet werden. Enwezor hat verschiedentlich, auch im Gespräch mit dieser Zeitung, zu erkennen gegeben, dass er die Prominenz der Baumfrage in der bisherigen Diskussion für eine kuriose Fixierung hält. Darin steckt aber ein großes Thema: der Umgang mit öffentlichem Grün und namentlich dem frühesten und bedeutendsten öffentlichen Volkspark, dem Englischen Garten.

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