21.12.2004 · Mswati III. regiert mit Swaziland ein bitterarmes Land. Dennoch hat er nun für sich selbst einen Maybach 62 geordert - Mindestpreis 425.000 Euro. DaimlerChrylsler freut sich darüber ein Loch in den Bauch.
Von Hannes HintermeierFür den Automobilisten von Welt ist Swasiland Terra incognita. Ziemlich abgelegen auf jeden Fall. Für Premiumkunden deutscher Nobelmarken wird es da ganz eng, rundrum nur Armut und Elend, weit und breit keine Mercedes-Niederlassung und schon gar keine Repräsentanz der Marke Maybach.
Deren nächste steht, von Swasiland aus gesehen, in Doha/Katar und also am anderen Ende des ansonsten weithin repräsentanzfreien Kontinents Afrika. Kundendienst? Muß einfliegen. Denn der Kunde ist König, in diesem Fall seit 1986, und er hat in einer der letzten absoluten Monarchien der Welt absolut das Sagen.
Vierzig Prozent Arbeitslose
Mswati III. regiert ein Land, das ungefähr so groß wie Thüringen ist, dessen gut eine Million Einwohner aber die Thüringer samt und sonders wie Multimillionäre aussehen läßt. Das Land ist bitterarm, die Opposition unterdrückt und die Presse gleichgeschaltet. Die Arbeitslosenquote liegt bei vierzig, die der Aids-Infizierten bei knapp fünfunddreißig Prozent - Weltrekord.
Siebzig Prozent der Einwohner müssen mit einem Dollar oder weniger am Tag auskommen. Das hat freilich den jungen König - er zählt erst vierunddreißig Jahre, und wenn es nach der durchschnittlichen Lebenserwartung ginge, hätte er noch elf Jahre zu leben - nicht davon abgehalten, seinen Geburtstag im April mit zehntausend Gästen zu feiern.
Maybach statt Privatjet
Mehrere Paläste hat er jetzt noch vom Parlament gefordert, bis die gebaut sind, tröstet er sich mit einem Maybach 62. Die Preisliste beginnt bei 425.000 Euro, aber mit der neuerdings angebotenen Vierundzwanzig-Karat-Echtgoldauflage (statt bürgerlichen Chromglanzes) läßt sich der Preis gewiß spielend verdoppeln. Mswati III. ist wahrscheinlich noch immer sauer, weil ihm Parlament und Untertanen bislang die Anschaffung eines Privat-Jets vermiest haben.
Das Flugzeug sollte 45 Millionen Dollar kosten - deutlich mehr als Swasiland für sein Gesundheitssystem ausgibt. Also ist er fürs erste am Boden geblieben; und man muß den Monarchen auch verstehen: Im Flugzeug hätte er wenigstens seine elf Frauen und zwei Verlobten unterbringen können, die sich der gläubige Christ und bekennende Polygamist zumutet. Im großen Maybach kriegt er sie nicht unter.
Das Produkt ist angekommen
Nachdenklich stimmen sollte dieser Autokauf also nicht nur Menschenrechtsgruppen, sondern auch sämtliche britischen Luxuswagenhersteller. Denn der König weilte dereinst zur Ausbildung in Albion, sogar die Militärakademie in Sandhurst hat er besucht. Und jetzt kauft er bei den schwäbischen Hunnen?
Kein Wunder, daß sich die vermittelnde Daimler-Chrysler-Niederlassung in Südafrika ein Loch in den Bauch gefreut hat. Man fühle sich großartig, „daß der König von Swaziland unser Produkt gewählt hat“, ließ sich eine Unternehmenssprecherin in der „Times of Swaziland“ vernehmen. Dies zeige, „daß unser Produkt angekommen ist“.
Mswati III. ist damit schon der vierte Besitzer eines Maybach 62 im südlichen Afrika. In Sindelfingen wird man das Signal mit Wohlwollen vernommen haben: Mit solchen Kunden muß einem um die Zukunft nicht bange sein; in Mbabane und Ludzidzini, den derzeitigen Swasiland-Hauptstädten, sollte man sich als Verkehrsteilnehmer aber nicht mehr auf den Schutz von Zebrastreifen verlassen.