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Jagd nach NS-Verbrechern : Mal mit, mal ohne Lizenz zum Töten

  • -Aktualisiert am

Nicht nur Adolf Eichmann, hier im Bild bei seinem Prozess 1962, sondern auch Josef Mengele wurde vom Mossad gejagt, allerdings erfolglos. Bild: AP

Der Mossad hat eine interne Dokumentation über seine lange Jagd auf NS-Verbrecher freigegeben, die bis auf zwei Fälle erfolglos blieb. Nach Josef Mengele wurde noch gesucht, als der schon längst tot war.

          Dass der israelische Auslandsgeheimdienst, wie kürzlich geschehen, umfangreiche interne Berichte freigibt, ist mehr als ungewöhnlich. Es liegt wohl am Thema und auch daran, dass man es beim Mossad für längst abgeschlossen hält: die jahrzehntelange Jagd der israelischen Geheimdienstler auf ranghohe NS-Täter, die an der Judenvernichtung beteiligt waren. Sie wird in einer von Yossi Chen, Mitarbeiter der Geschichtsabteilung des Mossad, 2007 verfassten dreibändigen Dokumentation ausführlich nachgezeichnet, die an die nationale Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem zur digitalen Veröffentlichung weitergegeben wurde.

          Auf deren Website sind die hebräischsprachigen Bände nun unter dem Titel „Die Jagd nach Nazi-Kriegsverbrechern“ zugänglich – und somit Teil dessen, was man in Israel „moreshet ha-schoa“ nennt, das „Erbe des Holocaust“, welches das Gedenken an die Judenvernichtung wie auch dessen pädagogische Vermittlung meint. Ob in erzieherischer Hinsicht Yad Vashem der richtige Ort für die Dokumentation geheimdienstlicher Operationen ist, bei denen bisweilen die Grenze der Legalität bis hin zur Tötung überschritten wurde, wird in Israel zumindest bislang nicht in Frage gestellt.

          Zugänglichmachung gegen Gerüchte

          Die Freigabe der Geheimdienstberichte soll offenbar auch Legenden und Gerüchten, die über die Verfolgung von NS-Verbrechern durch den Mossad bis heute kursieren, ein Ende setzen. Wohl auch deshalb enthalten sie etliche Abbildungen von Originalakten sowohl des Mossad als auch des Militärs und der Regierung. Allerdings betreffen diese oft nur die operative Ebene, wobei adressierte Staatsorgane und Personennamen häufig unkenntlich gemacht sind, womit vor allem noch lebende beteiligte Personen geschützt werden sollen.

          Dies dürfte auch den Ausschlag dafür gegeben haben, dass zwischen der Fertigstellung und der öffentlichen Zugänglichmachung der Dokumentation ein ganzes Jahrzehnt liegt. Bis 2012 lebte zum Beispiel noch der ehemalige Untergrundkämpfer und spätere Ministerpräsident Yitzhak Shamir, der sich über seine Geheimdiensttätigkeit in den Jahren 1955 bis 1965 bis zuletzt weitgehend ausgeschwiegen hatte. Nun offenbaren die Mossad-Berichte, dass Shamir als Operationsleiter für den ersten Briefbombenanschlag gegen den NS-Schergen Alois Brunner verantwortlich war, der 1961 in Damaskus verübt wurde und bei dem der Anvisierte ein Auge verlor. Dass sowohl dieses Attentat wie auch das zweite auf Brunner im Jahr 1980 – beide werden in allen Einzelheiten geschildert – vom Mossad ausgeführt wurde, ist damit jetzt amtlich.

          Neuorganisation unter Meir Amit

          Shamir und seine Mitarbeiter waren damals der im Juli 1960 vom Mossad-Chef Isser Harel (1912 bis 2003) gegründeten Geheimdiensteinheit „Amal“ unterstellt. Sie hatte vor dem Hintergrund einer weltweiten Welle antisemitischer Vorfälle den Auftrag, gegen „Antisemitismus, Kriegsverbrecher und Neonazismus“ vorzugehen. Die Entführung Adolf Eichmanns noch im selben Jahr und das erwähnte, nur teilweise gelungene Attentat auf Brunner waren die Höhepunkte der Tätigkeit von „Amal“ – und zugleich Ausnahmen in einer Zeit, in der man sich beim Mossad hauptsächlich auf die Informationsbeschaffung konzentrierte.

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