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Moody’s : Abgewertet

  • -Aktualisiert am

Die Ratingagentur Moody’s macht mit Bewertungen von Firmen und Staaten ein großes Geschäft. Quatschpapiere sind nach „subjektiven Urteilen“ milliardenwerte Sicherheiten. Höchste Zeit sie abzuwerten.

          Das Feuilleton dieser Zeitung hat heute die Bewertung für die amerikanische Ratingagentur Moody’s gesenkt. Damit ist der Zugang der Firma zu den Märkten des symbolischen Kapitals sowie zu Greser und Lenz erheblich erschwert. Diese harte, aber faire Entscheidung dient der Beendigung einer allgemeinen Konfusion, die durch das ermüdende Herumfuchteln von Moody’s mit Großbuchstaben entstanden ist.

          Hierfür sind aber allein die öffentlich-rechtlich beauftragten Agenten der „Sesamstraße“ zuständig. Dort weiß man mit Kapitalbuchstaben umzugehen, zumal solchen aus Pappe, die unerwartet von der Studiodecke fallen. Man kann Original und Kopie anhand einiger Details aber gut unterscheiden: Moody’s- Agenten sind nicht aus Plüsch und fordern mehr als einen Keks. Allerdings kennen sie auch nur die ersten vier Buchstaben des Alphabets, während etwa Kermit und Co. von E wie Ernie an erst richtig in Stimmung kommen. Das Spiel mit Buchstaben hat sich trotz dieser alphabetischen Beschränktheit für Moody’s leider dennoch gelohnt, mehr als zwei Milliarden Dollar Umsatz machten sie im letzten Jahr mit ihrer Buchstabensuppe zur Bewertung von Firmen und Staaten. In den Nachrichten wird so eine Länderbewertung dann wie ein Naturereignis gemeldet, dabei schreiben die Agenten selbst auf ihrer Website, dass ihre Dreibuchstabenreihen bloß „subjektive Urteile“ seien, die vom Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt sind wie die Kunst der Sesamstraße oder die Rezensionen in diesem Feuilleton.

          Den Cash im Blick

          Es war also bloß der feinnervig-inspirierte Eindruck, die ästhetisch-phänomenologische Gesamtschau der Agenten, die sie seinerzeit zum dreifachen A für den Heißluftkonzern Enron inspirierte. Es war womöglich die subversive Energie eines Punkpoeten, mit der der fragliche Agent die heiligen drei Buchstaben unter die Geschäfte von Lehman Brothers schrieb - bis wenige Stunden vor dem Aus. Und es war die fröhliche Dekonstruktionsenergie von Fluxus, die Moody’s trieb, als sie die amerikanischen Hypothekenblasengeschäfte mit der Bestnote auszeichneten. Dabei haben die Agenten laut Selbstauskunft vor allem eines im Blick: die Möglichkeit des oder der Bewerteten, auch „in Zukunft Cash zu generieren“. Danach müsste das Zimbabwe Robert Mugabes eigentlich an der Spitze stehen, denn dort generiert man ständig Cash in großen Mengen, mehrere Millionen etwa, um ein Brot zu kaufen - und solange es Papier gibt, wird sich das auch nicht ändern. Darum wurde auch die fabelhafte isländische Bankenwelt stets so gut bewertet: Allerlei lustige Ex-Fischer hatten Banker gespielt, sich gegenseitig Quatschpapiere als milliardenwerte Sicherheiten anerkannt und waren dann spitzengerated shoppen gegangen, Kaufhäuser in England und so.

          Für solche Happenings gab es von den Agenturen dreimal A und keine Ohs. Meldungen von und über Moody’s bewerten wir von heute an mit der aus den Sketchen des genialen Bewerters Loriot bewährten Buchstabenfolge: Ach.

          Quelle: F.A.Z.

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