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Dienstag, 14. Februar 2012
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Moers' Hitler-Clip Die Wanne ist voll Führer

05.09.2006 ·  Ein neuer Hitlerfilm: Der Autor Walter Moers hat seine Witzfigur „Adolf“ in Bernd Eichingers Bunker gesetzt und dazu einen Trickfilm zeichnen lassen. Im Internet ist der Clip ein Hit und ruft ebenso viel Begeisterung wie Ärger hervor.

Von Andreas Platthaus
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Der Herr badet gerne lau. Dafür aber mit Schäferhund und Quietsche-Entchen. Während über ihm die Bomben fallen, aber da sind ja noch drei Meter Stahlbeton. Es ist 1945, in der Wanne sitzt Adolf Hitler. Und er singt Durchhalteparolen.

Ist das anstößig, gar geschmacklos? Es ist vor allem sehr witzig. Und überraschend. Denn man hätte vermuten sollen, daß der Urheber dieser Idee, der Zeichner und Schriftsteller Walter Moers, seine Serie „Adolf, die Nazisau“ so fortsetzt, wie sie ihm bisher Erfolg bescherte: als Comic. Aber weit gefehlt.

Auf Fortsetzung angelegt

Denn wenn es einen Systematiker in unserem Literaturbetrieb gibt, dann ist es Moers. Mit seinen Büchern über die Welt von Zamonien arbeitet er seit mittlerweile sieben Jahren am umfangreichsten Fantasyzyklus, den die deutsche Sprache kennt. Und entgegen allen Erfolgsgepflogenheiten tauscht Moers auch dabei regelmäßig das Erfolgsrezept aus: führt neue Helden ein, wechselt Erzählperspektiven und Umfänge, die Formen sowieso - und trotzdem: Vom letzten - und bislang schönsten - Band, „Die Stadt der träumenden Bücher“, wurden 170.000 Exemplare verkauft.

Doch seinen Ruhm und erste Reichtümer hat sich Moers mit Comics erworben. „Das kleine Arschloch“ wie auch „Adolf“ waren im vergangenen Jahrzehnt Verkaufsschlager in einer Größenordnung, die in Deutschland sonst nur noch die Zeichnerkollegen Brösel („Werner“) und Ralf König („Der bewegte Mann“) erreichten. Moers hatte es auch hier von Beginn an auf Fortsetzungen angelegt, selbst im Falle von „Adolf“, der eher ein Zufallsprodukt zu sein schien, als er 1997 sein Debüt im Satiremagazin „Titanic“ erlebte - mit einer zweiseitigen Kurzgeschichte, die schilderte, wie Moers eines Abends gleichzeitig Besuch von einem deprimierten Hitler und von den beiden Musikern Prince und Michael Jackson bekam. Was dieses Quartett dann beredete, wurde ein Meilenstein grotesken Humors, und der erste „Adolf“-Band setzte diesen Weg auf die drastischste Weise weiter fort.

Anknüpfung an Eichingers „Untergang“

Mit dem Folgeband aber erlebte Moers ein Déjà-vu: „Es ging wie mit der Fortsetzung zum ,Kleinen Arschloch'“, sagte er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „In beiden Fällen war eine Fortsetzung von vornherein geplant, war der Folgeband umfangreicher, arbeitsintensiver und meiner Meinung nach nicht schlechter als der erste - und in beiden Fällen verkaufte sich der Band nur halb so gut und bekam maue Kritiken.“ Deshalb ließ der dritte Band von „Adolf“ auf sich warten, und deshalb wurde der danach begonnene Zamonien-Zyklus mit immer wieder unterschiedlichen Teilen erweitert. Doch nun ist im altvertrauten Format der dritte „Adolf“ erschienen.

„Bonker“ heißt er, und er widmet sich den durch Bernd Eichingers Film „Der Untergang“ popularisierten letzten Tagen des Diktators im Bunker unter der Berliner Reichskanzlei. Wie bei Moers nicht anders zu erwarten, ist Hitler hier eine aberwitzig naive Gestalt, die immer neu auf den verkleideten Churchill hereinfällt. Auch Michael Jackson ist wieder mit von der Partie. Diesmal aber ist die Handlung als Theaterstück konzipiert, und es gibt zu den Dialogen und Regieanweisungen nur begleitende Illustrationen.

„Adolf“ als Wunschprojekt

Was Moers mit dieser Abkehr von seinem einstigen Leib-und-Magen-Medium, dem Comic, bezweckt, ist klar: Er möchte eine Wiederholung verhindern - nicht nur im Hinblick auf die ursprüngliche Form von „Adolf“, sondern auch auf die relative Enttäuschung, die der zweite Band beim Publikum ausgelöst hatte. Und natürlich reizt Moers, der immer schon sehr verschiedene Genres ausprobiert hat, die Möglichkeit, „Bonker“ tatsächlich auf die Bühne zu bringen, wenn auch gewiß nicht als Komödie mit lebenden Darstellern, sondern vielleicht als Puppenstück. Ralf König hatte Glück, als man seinen Comic „Kondom des Grauens“ auf diese Weise für die Bühne adaptierte.

Die Arbeiten von Moers dienten dagegen bisher vor allem als Filmvorlagen: „Das kleine Arschloch“ und „Käpt'n Blaubär“ waren Kassenschlager. Das vor zwei Jahren von Moers angekündigte Vorhaben eines Zamonien-Films ist bislang noch nicht weitergediehen, aber im kommenden Monat kommt immerhin der zweite Teil zum „Kleinen Arschloch“ in die Kinos, allerdings ohne direkte Beteiligung des Autors. Deshalb ist die Verfilmung von „Adolf“ immer noch sein Wunschprojekt, und wie es der Zufall will, liegt dem „Bonker“-Band eine DVD bei, auf der man sich ansehen kann, wie solch ein Film aussehen könnte. Und das ist der eigentliche Knalleffekt des Buches: Hitler in der Wanne.

„Ich hock' in meinem Bonker“

Felix Gönnert, Trickfilmabsolvent der Potsdamer Hochschule für Film und Fernsehen, hat für Moers einen zweieinhalb Minuten langen Clip produziert, der uns in Adolfs Bunker führt. Vor zwei Jahren hatte Gönnert für seinen computeranimierten Kurzfilm „Lucia“ großes Lob geerntet, und Walter Moers zählte zu den Bewunderern dieses Werkes. Als es nun darum ging, wer den Kurzfilm zu „Adolf“ machen sollte, gab es deshalb kein langes Zögern. Genausowenig wie bei der Wahl eines Sprechers für den komischen Diktator: Kaum hatte Moers das Stück „Hitler“ des Liedermachers Thomas Pigor („Jeden Morgen geht der Führer ins Badezimmer/Und sieht sich im Spiegel an/,Schon wieder schlecht geschlafen!'/Und diese Tränensäcke unter den Augen/Komisch die krieg' ich immer dann/Wenn ich mit Eva ... Jaja“) gehört, da stand auch hier die Entscheidung fest.

Moers und Pigor schrieben ihrem Adolf gleich mehrere Lieder auf den Leib. Eines davon, ein Reggae namens „Ich hock' in meinem Bonker“, gab dann die Tonspur für Gönnerts Film ab. Inhaltlich setzt es Pigors „Hitler“ perfekt fort. Der Führer beklagt im Bad sein Schicksal: „Die Luftwaffe ist futsch, die Marine, das Heer/Der 2.Weltkrieg macht keinen Spaß mehr.“ Und dazu trällern ihm sein vervielfachtes Spiegelbild und die hitlerbärtigen Quietsche-Entchen in der Wanne zu: „Adolf, du alte Nazisau, kapitulier doch endlich.“ Man mag es nicht glauben, aber das ist in der Tristesse von Pigors Hitler-Stimmimitation, den absurden Musicalelementen und Gönnerts bewußt niedlicher dreidimensionaler Animation von grandioser Komik. Zumal, wenn Adolf selbst noch in den Nachspann hineinbrabbelt und damit hadert, daß da ja alles auf englisch sei.

Jetzt auch als Klingelton

Natürlich ist das Filmchen sofort illegal ins Netz gestellt worden, und von dort aus hat das Lied eine erstaunliche Karriere angetreten. Die Zugriffszahlen für den Clip allein auf dem Musiktauschplatz „Youtube“ haben längst eine Million überschritten, und nun wird er sogar als Klingelton von Jamba vermarktet - wobei wiederum einige Fernsehsender jede Werbung dafür untersagt haben, weil sie fürchten, man könne Lied und Clip für ein Werk von Rechtsradikalen halten.

Es ist erstaunlich, in welche kommerziellen Höhen und rezeptiven Tiefen selbst die Versuchsballons von Walter Moers auf- und absteigen. Daß „Ich hock' in meinem Bonker“ ganz nebenbei auch einer der technisch perfektesten deutschen Zeichentrickfilme geworden ist, sei da nur noch am Rande erwähnt.

Quelle: F.A.Z., 05.09.2006, Nr. 206 / Seite 33
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