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Modewelt Yves Saint Laurent sagt "Adieu"

07.01.2002 ·  Die "Haute Couture" verliert ein prominentes Aushängeschild: Yves Saint Laurent setzt seiner schillernden Karriere ein Ende.

Von Andreas Osterhaus, AFP
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Zum „Adieu“ hatte Yves Saint Laurent eine schwarze Krawatte umgebunden. Mehr als 40 Jahre nach seinem kometenhaften Aufstieg in die Glitzerwelt der Pariser Haute Couture war dem 65-jährigen Modezaren am Montag anzumerken, dass dies für ihn eine traurige Stunde war. Unbeholfen, die rechte Hand fast verkrampft auf dem samtgrünen Tisch, gab er in seinem Stammhaus nahe dem Triumphbogen die wohl letzte Pressekonferenz seines Lebens.

Die Mode habe nicht ganz den Rang von Kunst“, las er von der vorbereiteten Erklärung. „Aber sie braucht für ihren Fortbestand einen Künstler.“ Sein ganzes Talent habe er „in den Dienst der Frauen, ihrer Körper, ihrer Bewegungen gelegt“.

Die Haute Couture ist nicht mehr "en vogue"

"Es ist besser, auf dem Höhepunkt des Ruhmes aufzuhören“, sagte Saint Laurents treue Mitarbeiterin Loulou de la Falaise, als wollte sie sich selbst noch davon überzeugen. Die „Haute Couture“ verliert mit Yves Saint Laurent („YSL“) ihr berühmtestes Aushängeschild. Aber selbst im Hause Saint Laurent machte das Geschäft mit den Luxuskleidern der Haute Couture in den vergangenen Jahren Millionen-Verluste. Und so wurde dem Modeschöpfer vom Kaufhaus-Konzern Pinault-Printemps-Redoute (PPR), der YSL vor drei Jahren übernahm und für den Entwurf der Pret-a-porter-Mode den Gucci-Stardesigner Tom Ford einstellte, nun sanft der Ausgang gewiesen.

Bei aller Schüchternheit hat es dem kurzsichtigen Modezar mit der dicken Hornbrille nie am Bewusstsein für seine außerordentliche Leistung gemangelt. „Ich sage mir, dass ich die Garderobe der heutigen Frau kreiert habe“, spricht er ins Mikrofon. „Ich weiß, dass ich die Mode vorangebracht“ und „zur Veränderung meiner Epoche beigetragen habe.“ Die Chance dazu erhielt er schon im Alter von 21 Jahren, als sein Lehrmeister Christian Dior 1957 überraschend starb.

Kaum war Yves Saint Laurent in den kleinen Kreis der „Haute Couture“ gelangt, setzte er zusammen mit seinem Freund und Liebespartner Pierre Bergé eine Revolution in Gang, auf die die Nachkriegswelt nur gewartet zu haben schien. 1958 brachte „YSL“ das Trapezkleid auf den Markt, das die Frauen vom Wespentaillen-Ideal befreite. Dann ging es Schlag auf Schlag: Transparente Kleider, Anzug und Smoking für Damen.

"Es sind die Hyper-Nervösen, die Religionen stiften"

Zu den Erfolgsrezepten des schnell wachsenden Mode-Imperiums gehörte von jeher die Nähe zur Kunst. Saint Laurent, der am 1. August 1936 im algerischen Oran zur Welt kam, ließ sich für seine Kollektionen von zeitgenössischen Künstlern wie Pablo Picasso oder Henri Matisse inspirieren. Die Kunstwelt hat es ihm gedankt: Als erster Modeschöpfer wurde YSL schon zu Lebzeiten mit einer Retrospektive im New Yorker Metropolitan Museum gefeiert.

Leicht gemacht hat Saint Laurent es sich nie. Er werde seit seiner Kindheit von einer „nervösen Depression“ geplagt, gestand er - und zog auch am Tag des Abschieds einen Bogen von seinen schwierigen Seiten zu seiner hohen Begabung: „Es sind die Hyper-Nervösen, die Religionen stiften und Meisterwerke schaffen.“ Aber er ließ keinen Zweifel daran, dass er seinen Werdegang nicht jedem empfehlen würde: „Ich habe Beruhigungsmittel geschluckt und Drogen genommen - es sind falsche Freunde. Ich habe furchtbare Einsamkeit kennengelernt und Höllen durchschritten.“ Zurückgekehrt von diesen Reisen, habe er dann aber immer „den Kampf für die Eleganz und die Schönheit“ wieder aufgenommen.

Eine ungeheure Vielseitigkeit habe Saint Laurent bewiesen, sagte bewundernd Christian Lacroix, einer der anderen Großen der Pariser Modewelt. Auch andere Legenden der Zunft wie Coco Chanel oder Christian Dior seien außerordentliche Modeschöpfer gewesen, Yves Saint Laurent aber sei wie eine „Summe von ihnen allen“.

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