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F.A.Z.-Kolumne Emanuel Derman Fehlverhaltensökonomie

 ·  Vom Missbrauch einer ganzen Forschungsrichtung: Die verhaltensorientierte Finanzwissenschaft geht einen Umweg über die Psychologie und wird zum Instrument zur Manipulation von Menschen.

Kolumne Bilder (1) Lesermeinungen (9)

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hans meiser

Shooting the messenger

Die Autoren konstatieren, dass Menschen nicht notwendig im informierten Eigeninteresse handeln. So what?

Man darf eben nicht fragen:
"Wollt Ihr ein neues Atomkraftwerk?"
sondern
"Wollt Ihr mehr Arbeitsplätze?",
wenn man eins bauen will.

Hätte die CSU mal ihre eigenen Doktorarbeiten geschrieben...aber "Herrschaftswissen" frei zu verbreiten, ist der Parteikarriere wahrscheinlich nicht zuträglich.

Ich persönlich werde lieber geschubst als gezwungen, dann kann ich mich immerhin (durch einfaches Nachdenken) dagegen entscheiden, ohne in den Knast zu gehen. Diesen Vorteil von Demokratien halte ich aller Manipulation zum Trotz doch für erhaltenswert.

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Stefan Meditz

Verhaltensökonomie und der Traum von der Berechenbarkeit des Verhaltens

Daß die Verhaltensökonomie nun mißbraucht wird und seltsame Ergebnisse und Fragestellungen hervorbringt, liegt an ihrer ursprünglichen Mißkonzeption. Man suchte das Verhalten der Menschen in berechenbare Formeln zu fassen.
Ökonomisches Verhalten so komplexer Lebewesen wie Menschen es nunmal sind, ist aber nicht mit unserem kleinen rationalen, kognitiven, sprachlichen und mathematischen Verstand alleine zu erfassen. Dafür ist die Rechenkapazität dieses jüngsten Teils unseres Nervensystems leider viel zu gering. Aber das Problem liegt auch im heutigen Wissenschaftsbetrieb. Wer zahlt bestimmt was geforscht wird. Und wenn Selbiger sich von allerdümmsten Fragen gute Antworten erwartet, werden eben diese gestellt. Dann wird es eher Poesie. Jemand träumt, die Menschen ausrechnen zu können und bestellt enstprechende Antworten. Das hilft natürlich der Menschheit nicht weiter, aber unterhält die Auftraggeber kurzfristig. Und wo viel Geld ist, wird auch viel für Unfug ausgegeben.

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K. Peter Luecke

Diese Aussage ("Unser Rechtssystem weiß das und befindet Angeklagte ...

... nicht auf der Grundlage statistischer Beweise für schuldig oder unschuldig") jedenfalls ist falsch!! Und die dahinter stehende staatliche Methode ist ein derartiger Skandal, dass ich mich schon immer gefragt habe, warum die Bürger sich sowas überhaupt gefallen lassen und Verfassungsrichter dem nicht schon längst einen Riegel vorgeschoben haben... Beispiel: Straßenverkehrsrecht. Jemand fährt in einer 60 km/h-Zone 100 km/h schnell, behindert niemanden und verursacht auch keinen Unfall. Trotzdem wird er bestraft, wenn er erwischt (geblitzt) wird. Inhaltlich wird die Strafe ausschließlich mit einer rein statistischen Begründung gerechtfertigt, dass sich nämlich durch das zu schnelle Fahren ein erhöhtes UnfallRISIKO ergebe. Das ist keine Bestrafung auf Grund einer faktisch verursachten Schädigung Dritter (oder von Sachen), sondern hier wird nur eine im konkreten Fall eigentlich konsequenzlose -zudem nur behauptete - statistische Wahrscheinlichkeit sanktioniert. Im Grunde ein Unding!

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Julius Calvelage
Julius Calvelage (julca) - 13.12.2012 13:39 Uhr

Die klassische Wirtschaftstheorie

"Die klassische Wirtschaftstheorie war elegant, aber mit Mängeln behaftet."

Wer mit sozialwissenschaftlichem, psychologischem, philosophischem oder mathematischem Hintergrund einmal ökonomische Grundlagenseminare besucht hat, weiß, dass das eine mehr als euphemistische Untertreibung ist. Um funktionelle Modelle zu generieren, klammern Wirtschaftswissenschaftler viele Variablen einfach aus. Es ist wirklich kein Wunder, dass die meisten Institute mit ihren Konjunkturprognosen regelmäßig so daneben liegen, wenn sie mit derart schlichten Modellen arbeiten.

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Ingolf Strube

Der Beitrag - ein echter Erkenntnisgewinn

Sehr schöner Beitrag. Auch wenn ich persönlich dazu neige, nicht von "Manipulation" zu sprechen. Das impliziert einen Manipulateur und einen Manipulierten. Und eine Erkenntnis der Psychologie ist - man gehört nicht so gerne zu den Manipulierten. Wenn schon, dann ist der "Manipulateur" die attraktivere Rolle.
Man benötigt aber diese beiden Rollenzuweisungen garnicht. Unterstellt, es gäbe nur Menschen, die nicht manipulieren wollen. Dann hätten Kahneman und Tversky und andere nur Forschung betrieben. Sie stellen fest, wie sich Individuen und Gruppen verhalten. Die "Akteure der Demokratie" wenden dieses Wissen in guter Absicht an. Sie wollen ja wieder gewählt werden. Und "das Volk" möchte die Verwaltung in gute Hände legen.
Ich betrachte das eher als einen "gesellschaftlichen Lernprozess". Denn wenn der Manipulierte den Zusammenhang zwischen seinem Verhalten und der Manipulation entdeckt, wird er die Manipulation nicht mehr zulassen.

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Fritz Strack

Manipuliert?

So wie sich die Psychologie im Spannungsfeld von "Pseudowissenschaft" und "Manipulation" bewegt, muss nun auch die Verhaltensökonmie für ihre Erfolge büßen. Wenn es durch ihre Erkenntnisse (z.B.) gelingt, die Bereitschaft zur Organspende drastisch zu erhöhen, so darf dies nicht als Anerkennung der Disziplin gewertet werden, sondern muss in die Schublade der "Manipulation". Früher hat man sowas "Ideologie" genannt.

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Nikolaus Neininger

Alles schon im Gange!

Solche Methoden der "sanften Verhaltenssteuerung" werden doch schon seit einer Weile eingesetzt: zB für die Organspende wird das gerade diskutiert. Dort beobachtet man genau den beschriebenen Effekt, daß Länder, in denen man der Spende zustimmen muß ("opt-in") regelmäßig geringere Spenderquoten haben als Länder mit "opt-out". Da nun jemand (wer?) beschlossen hat, daß man möglichst viele Spender haben möchte, wird das Verfahren entsprechend umgestellt.
Wen man etwas an Verschwörungstheorien glaubte, könnte man glatt auf die Idee kommen, die Verwurstung eines zunächst wichtigen Ansatzes durch groteske und banale Folgerungen sei von den Vertretern der "klassischen" Theorien initiiert, um von den offensichtlichen groben Fehlern der eigenen Modelle abzulenken. Mit rationalen Agenten und Normalverteilungen ist doch so viel leichter zu hantieren! Dumm nur, dß das mit der Realität nichts zu tun hat, man aber Handlungsvorgaben macht.

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Klaus-Dieter Berger

Irgendwas stimmt nocht

mit unserer Gesellschaft, aber man kann "es" nicht greifen. Das bekomme ich quasi von jedem zu hören, wenn ich ihn oder sie nach dem Zustand unserer Gesellschaft befrage.

Bevor die solch psychologische Methoden so exzessif eingesetzt wurden hörte man noch von "authentischen" Personen mit Ecken und Kanten, aber eben auch mit Vorzügen. Man soll als Bürger noch das Gefühl gehabt haben, gehört zu werden.

Heute werden die meisten Entscheidungen gegen den Willen der Allgemeinheit getroffen. Und weil diese Psychotaktiken noch so gut funktionieren wird einfach weitergemacht. Die Politiker maßen sich eben an, besser zu wissen, was gut für uns ist, als wir selbst.

Das macht die Gesellschaft krank. Wir können froh sein, dass noch genug Leute in Butter und Brot stehen, sonst hätten wir hier schon längst Bürgerkrieg.

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Otto Meier

„Funktioniert so nicht Demokratie?“

Nun ja, zumindest funktioniert das, was als Demokratie bezeichnet wird, genau so.

Andererseits versucht jeder Mensch sein Leben lang, andere Menschen zu manipulieren. Das beginnt schon im Kindesalter. Schon Kinder wissen sehr schnell, welche Knöpfe sie bei ihren Eltern drücken müssen, um den gewünschten Erfolg zu erzielen.

Erstaunlich ist nur, daß Jugendliche sich noch der Manipulation bewußt sind, Erwachsene sie aber kaum noch wahrnehmen. Und das gilt für das Manipulieren wie für das Manipuliertwerden. Ich denke, das ist auf den allgegenwärtigen Ordnungsrahmen zurückzuführen, in den wir lebenslang gepreßt werden. Dieser läßt kaum noch Freiheiten zu, engt den Bewegungsspielraum zur Selbstverwirklichung extrem ein. Irgendwann ergibt sich dann fast jeder Mensch in sein "Schicksal", meist mehr unbewußt als bewußt.

Es darf wohl festgestellt werden, daß die Manipulation umso erfolgreicher ist, je subtiler sie stattfindet. Aber auch, je mehr manipuliert wird, desto geringer die Gegenwehr.

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