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F.A.Z.-Kolumne von Emanuel Derman : Finanzmodelle betrügen uns

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Bild: dpa

Sind physikalische Modelle einwandfrei auf die Finanzwelt anzuwenden? Folgt der Markt denselben Gesetzen wie die Schwerkraft? Obst, Aktien und Hypothekenzinsen tun jedenfalls seltsame Dinge.

          Als ich auf dem Gebiet der quantitativen Analyse zu arbeiten begann, spotteten Laien über den Gedanken, die Mathematik für die Modellierung von Märkten einzusetzen. Heute, fünfundzwanzig Jahre später, hat sich das Blatt gewendet, und Laien betrachten die Mathematik im Bereich der Märkte mit Angst und Ehrfurcht. Nach meiner Erfahrung verstehen nicht nur Laien, sondern auch akademische Ökonomen nicht richtig, wie Handelsunternehmen Finanzierungsmodelle einsetzen, und deshalb möchte ich einmal erklären, wie solche Modelle funktionieren.

          Als 2008 die Krise begann, machten Experten das Financial Engineering für den Zusammenbruch der Märkte verantwortlich. Paul Volcker, dessen Enkel in diesem Bereich arbeitete, nahm folgende harsche Passage in einen ansonsten durchaus verständigen Vortrag auf, den er 2009 hielt: „Vor etwa einem Jahr stieß meine Tochter auf einige abfällige Bemerkungen, die ich über das Financial Engineering gemacht hatte. Sie schickte sie meinem Enkel, der normalerweise nicht viel mit mir kommunizierte. Und der schickte mir eine E-Mail: ,Großvater, gib nicht uns die Schuld! Wir haben nur die Anordnungen unserer Chefs befolgt.‘ Das Einzige, was ich ihm darauf antworten konnte, war: ,Ich kann diese Nürnberg-Ausrede nicht akzeptieren.‘“

          Niemand ist schuldlos, niemand hat Schuld

          Inzwischen basieren die Ansichten über Modellierer und den Zusammenbruch der Finanzmärkte auf mehr Information. Spanien und Irland entwickelten Immobilienblasen, die anders als in Amerika nicht von komplizierten Finanzinstrumenten angetrieben wurden. Paul Krugman hat die Vermutung geäußert, die eigentliche Ursache der Krise habe im raschen Abzug westlichen Kapitals aus Asien nach der Währungskrise 1998 gelegen, der führende asiatische Länder veranlasst habe, sich auf Export, Sparen und Horten zu konzentrieren.

          Wer kennt schon die wahren Ursachen komplexer Vorgänge? Obwohl kaum jemand schuldlos ist, spielte und spielt die Nullzinspolitik der Zentralbanken (beim ersten Anzeichen von Abkühlung anheizen, den Kater mit Alkohol bekämpfen) eine wichtige Rolle in der Krise. Ich glaube, auch Finanzmodelle hatten ihren Anteil daran, hauptsächlich weil sie, manchmal in betrügerischer Absicht, eingesetzt wurden, um Investoren zu verführen, in einer Niedrigzinsphase nach optimistisch hohen Erträgen zu streben.

          Vom Analogiegesetz und exotischem Obstsalat

          Und nun zu den Modellen. Lassen Sie mich mit der Physik beginnen, aus der die Anregung für die meisten Finanzmodelle stammt. In der Physik liegt der Zweck der Modelle in der Voraussage. Die Newtonschen Gesetze sagen uns, wo eine Rakete einschlagen wird; das Standardmodell sagt die Existenz eines Higgs-Bosons voraus und weist den Weg zu seiner Entdeckung. Professor Andrew Lo vom MIT hat über die Wirtschaftswissenschaften geschrieben: „Wir Ökonomen möchten 99 Prozent der beobachtbaren Phänomene mit drei einfachen Gesetzen erklären, wie die Physiker dies tun, aber wir müssen uns damit zufriedengeben, das wir nur drei Prozent mit 99 Gesetzen erklären.“ Das ist ein sehr schöner Satz, aber leider ist er nicht wahr.

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